Saab 99
Die rollenden Trutzburgen aus Trollhättan hatten mit ihrer eigenwilligen Gestaltung und ihren zahlreichen Erfolgen bei diversen Rallyes einen treuen Kundenstamm gewonnen, doch fehlte für den internationalen Durchbruch ein familientaugliches Angebot mit einem Viertaktmotor. Zweitakter waren in den USA so gut wie unverkäuflich.
Der im 96 eingesetzten V4 von Ford schied dabei wegen Platzmangel aus, Saab reaktivierte die Verbindung zum Motorenentwickler Ricardo in England, die für Triumph einen neuen Vierzylinder Reihenmotor mit obenliegender Nockenwelle konstruiert hatte. Dieser 1,7 Liter-Motor passte den Schweden ideal ins Konzept; wegen seiner geringen Bauhöhe fanden Kupplung und Getriebe unter dem Motorblock Platz.
Weniger überzeugen konnte die Fertigungsqualität der Engländer, weshalb man sich ab 1972 selbst der Produktion und Weiterentwicklung des Triebwerks annahm. Den bis dahin auftretenden thermischen Problemen konnte ein Ende bereitet werden und einer schrittweisen Vergrößerung des Arbeitsvolumens stand auch nichts mehr im Weg.
Bei 2 Litern Hubraum waren jedoch alle Wachstumsmöglichkeiten ausgereizt, es mussten andere Wege zur Leistungssteigerung gefunden werden. Zunächst wurde an der Benzingemischbereitung Hand angelegt, auf Einfachvergaseranlagen folgten doppelte, die durch eine mechanische Einspritzanlage übertroffen wurde. Mit der Übernahme des LKW-Herstellers Scania 1969 wurde die Turboladertechnologie verfügbar und Saab entschloss sich zu deren Verwendung im 99.
Bis auf die unrühmlichen Versuche Chevrolets in den frühen 60er Jahren und den kurzzeitigen Ausflug BMWs mit dem 2002 turbo hatte sich kein Großserienhersteller mehr erfolgreich am Turbolader versucht.
Während die Journalisten schon die Messer wetzten und eine riesige Rückrufwelle heraufziehen sahen, überraschte der 99 Turbo mit seiner Alltagstauglichkeit. Die schwedischen Ingenieure hatten auf das letzte Quentchen Leistung zugunsten ausgewogener Leistungsentfaltung verzichtet; der Lader selber wurde über 0,7 bar Arbeitsdruck durch ein Ausgleichsventil (Wastegate) entlastet, dessen Öffnung durch den Abgasgegendruck geregelt wurde. Die Schweden hatten dem Turbo erfolgreich Manieren beigebracht und dadurch salonfähig gemacht, andere Hersteller folgten bald ihrem Beispiel.
Doch nicht nur in der Motorentechnik zeigte sich der Erfindungsreichtum der Schweden, auch um die Sicherheit ihrer Fahrzeuge hatten sie sich Gedanken gemacht. Der 99 war schon zu seiner Präsentation 1967 mit vier Scheibenbremsen ausgerüstet, die über Bremskraftverstärker und zwei redundante Bremskreise verfügten. Die Passagiere wurden durch eine Sicherheitszelle vor den Eventualitäten geschützt, eine Lenksäule mit Sollbruchstellen, und das zwischen die Vordersitze verbannte Zündschloss sollten das Verletzungsrisiko weiter minimieren.
Knapp 600.000 mal wurde der 99 verkauft, 1985 endete die Fertigung in Schweden, Finnland und Belgien. Auf den Schultern des bereits 1978 eingeführten Nachfolgers 900 lastete nun die Verantwortung für die Zukunft des Unternehmens.
Sie wissen mehr über den Saab 99? Dann ergänzen Sie diesen Text doch einfach. Klicken Sie (Sie müssen eingeloggt sein) dazu einfach auf “Bearbeiten”.




_1089_medium.jpg?1280332297)
