Saab 900
Ursprünglich stellte die Firma SAAB nur Flugzeuge her, später kamen PKWs hinzu. Im Jahr 1978 wurde der SAAB 900 vorgestellt. Über die Fertigungsqualität des klassischen SAAB 900 (Bauzeit 1978 – 1993) brauchen nicht viele Worte verloren zu werden. Wer einmal in einem SAAB 900 eingestiegen ist und die Türe geschlossen hat, weiß wovon hier die Rede ist. Der satte Klang erinnert an eine Safetüre und es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass sich Mercedes-Benz an dem Klang orientiert hat.
Die Extravaganz des ganzen Entwurfs, die Steifigkeit der Karosse, die Blechstärken und die Qualität im Material und Detail erinnern sehr an den alten Porsche 911. Dies gilt auch besonders für das Fahrerlebnis im SAAB 900 Turbo. In den 80ern hatte SAAB in den USA folgenden Werbespruch: “What to buy, if your kids have outgrown the Porsche.”
Der Saab 900 war seiner Zeit weit voraus, weil er schon im Jahr 1978 über einige innovative und kostspielige Details verfügte, die damals keineswegs selbstverständlich waren. Hierzu zählten die innerhalb des Fahrzeugs verlegten Benzin – und Bremsleitungen, innerhalb des Kunststofftanks liegende Benzinpumpe und eine perfekt entschärfte Lenkanlage. Weiterhin gehört die serienmäßige und automatisch einsetzende Sitzheizung zum Sicherheitspaket, weil SAAB herausgefunden hat, dass ein frierender Fahrer bedeutend schlechter fährt. Der gesamte Innenraum wurde auch im Hinblick auf die Sicherheit konsequent durchdacht und galt damit seinerzeit als vorbildlich. So gab es serienmäßig ein ausgeprägtes Prallelement in Kniehöhe der Frontpassagiere und ein Zündschloss zwischen den Vordersitzen, welches jede Verletzung der Extremitäten des Fahrers ausschloss und zudem für den Beifahrer im Ernstfall leicht zu erreichen war. Da aus diesem Grund das Lenkradschloss entfiel, besaß der SAAB 900 eine Getriebesperre, die auch dem Diebstahl wirksam vorbeugte.
Die Windschutzscheibe des SAAB 900 war wie in einem Flugzeugcockpit extrem gewölbt, was aber nicht vorrangig der Ästhetik, sondern dem Schutz der Insassen durch eine möglichst große Entfernung der Windschutzscheibe vom Kopf der Frontpassagiere diente, den Windschutzscheibenkontakt als Folge dynamischer Bewegungsabläufe beim Unfall weitgehend vermied.
Der SAAB 900 besaß von Anfang an eine Sitzrampe mit “Durchtauchschutz” der vorderen Sitze zur Optimierung des Gurtschutzes im Beckenbereich. Weiterhin wurde der Wagen auch für den deutschen Markt mit speziellen Stoßstangen ausgeliefert, die nach US-Norm von 1972 einem Aufprall mit bis zu ca. 10 Km/h schadlos überstanden und dank einer regenerationsfähigen Wabenstruktur aus PU-Schaum nach einem Aufprall ihre Ausgangsform wieder annahmen. Diese Lösung war kostspielig, stellt aber im Alltagsbetrieb einen echten Vorteil dar.
Auch der an den Flugzeugbau angelehnte Aufbau der Karosserie hatte nichts mit anderen Herstellern gemeinsam. Als eine Besonderheit wäre hier das Gesamtkonzept des Seitenaufprallschutzes zu nennen, in das die Türen, der Boden und die Sitze einbezogen wurden. Das zentrale Element waren jedoch die Türen, weil sie über besondere Stahlträger im Prallbereich verfügten und bis in die Bodengruppe hinein reichten. Schließlich setzte sich der Aufwand auch im Fahrwerk fort: Doppelquerlenker für die Vorderachse stellten eine exklusive Lösung dar, die zumeist nur im Rennsport Verwendung fand.
An dem besonderen skurrilen Styling der Karosse erkennt man, dass schwedische Trolls ihre Hände im Spiel hatten. Viele verschiedenen Elementen und Details haben einen speziellen schwedischen Charme. Die Karosserievariante “Combi-Coupe” kann als eine von SAAB erfundene Form bezeichnet werden. Besonders hier wirkten die lange Haube, die steile Windschutzscheibe und die lange abfallende Heckklappe sehr harmonisch miteinander.
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