Mercedes-Benz 190 SL
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W121 ist die interne Bezeichnung des von 1955 bis 1963 produzierten Mercedes-Benz Roadster 190 SL. Die Modell-Zusatzbezeichnung „SL“ ist die Kurzform von „Sport Leicht“. Die Verwendung dieses Kürzels für den kleinen Sportwagen erfolgte aus Marketinggründen. Hier sollte der 190 SL näher an seinen „großen Bruder“, den berühmten 300 SL Flügeltürer, heranrücken.
Neben dem 300 SL, der im Februar 1954 in New York vorgestellt wurde, entpuppte sich der 190 SL nicht als kleiner Bruder des Über-Mercedes, sondern als sportlicher Aufschnitt der Ponton-Serie. Der eigens konstruierte 105-PS-Motor reichte jedoch allemal, um die überwiegende Mehrheit aller deutschen Verkehrsteilnehmer souverän hinter sich zu lassen. Die Mehrzahl der hergestellten Modelle entfiel auf den Roadster. Bei dieser Ausführung bestand die Möglichkeit, ein passendes Hardtop zusätzlich nachzurüsten Mit der teuersten Version, dem „Coupé mit Roadsterverdeck“, war man im Sinne eines ganzjährigen Fahrzeugseinsatzes am variabelsten unterwegs.
Der von Daimler-Benz verbuchte Absatzerfolg des Fahrzeugs bei seinen meist vermögenden Kunden lässt sich in folgenden drei Punkten zusammenfassen, die auch in zeitgenössischen Testberichten immer wieder gelobt wurden:
– bequemer Reisewagen mit sportlich angehauchter Optik des 300 SL und ansprechenden Fahrleistungen – im Vergleich zu anderen Tourensportfahrzeugen relativ anspruchslose Serientechnik und leichtes Handling sowie – Vielseitigkeit des Modells (als Roadster offen zu fahren oder repräsentativ als Coupé)
Das „Herz“ des 190 SL bildete ein OHCVierzylindermotor mit Doppelregistervergaser und 105 PS Leistung bei 1,9 Litern Hubraum – damit war man in den späten 1950er-Jahren sehr komfortabel motorisiert.
Die Karosserie des 190 SL wurde aus hochwertigem, dickem Stahlblech hergestellt, die Motorhaube, die Kofferraumklappe, die Türschwellen – und die Türhaut bestanden sogar aus Aluminium. Dennoch war der 190 SL mit 1180 kg (1200 kg bei aufgesetztem Hardtop) kein Leichtgewicht. Denn die notwendige Versteifungen an der Karosserie ließen das Fahrzeuggewicht ansteigen. Diese solidere Konstruktion führte zu einer etwas geringeren Spitzengeschwindigkeit als ursprünglich prognostiziert – in der Praxis wurden Werte um maximal 175 km/h erzielt anstatt der im Vorserienstadium errechneten 190 km/h.
Der Preis des 190-SL-Roadster-Modells konnte in der Coupé-Version inklusiv einiger Zusatzausstattungen bis auf 20.000 DM ansteigen. Exklusivität und ein hoher Anteil an Handarbeit in der Fertigung hatten ihren Preis. Die Konzeption eines Reisesportwagens mit Anlehnung an die Großserientechnik erwies sich mit einer Anzahl von 25.881 gebauten Fahrzeugen als äußert erfolgreich. Der 190 SL verkörperte in Deutschland das „Wir-sind-wieder-wer-Gefühl“ der aufkommenden Wirtschaftswunderzeit.
Die Bezeichnung „Nitribritt SL“
Der Kauf eines Mercedes 190 SL war wegen seines zeitgenössischen Preises im Gegenwert eines halben Einfamilienhauses ein gerade noch erfüllbarer Wunsch für wohlhabende Kunden. Neben den „oberen Zehntausend“ gab es u. a. einige Prominente, die dieses Fahrzeug seinerzeit kauften, z. B. Gina Lollobrigida, Grace Kelly, Frank Sinatra, Gary Grant, Alfred Hitchcock, Ringo Star, usw.
Über die bekannteste 190-SL-Besitzerin hätte Daimler-Benz gern geschwiegen, denn sie passte ganz und gar nicht in das saubere Image dieses schicken Wagens: die Frankfurter Prostituierte Rosemarie Nitribritt, deren gewaltsamer und bis heute nicht aufgeklärter Mord vom 29. Oktober 1957 als bundesweiter Skandal monatelang die Boulevardblätter füllte – eine damals hochbrisante Mischung aus Sex, hohem Barvermögen und geheim gehaltenen Freiern aus der Oberschicht.
Rosemarie Nitribritt hatte sich als moderne, mobile Kurtisane mit ihrem schwarz lackierten 190 SL und den roten Ledersitzen Zugang zu finanziell potenten Kunden in der High Society verschafft. Bis heute ist der „Sex-and-Crime-Faktor“ untrennbar mit diesem Mercedes-Modell verbunden – nicht ohne Erfolg: denn klassische Automobile überstrahlen erst dann ihre Konkurrenten, wenn sich Anekdoten und Histörchen darum gewoben haben.
Die Marktentwicklung
Im Jahresbericht 2004 des Kraftfahrtbundesamtes wurde als Gesamtbestand der in Deutschland gemeldeten 190-SL-Fahrzeuge 1368 Stück angegeben. Weltweit schätzt man den Gesamtbestand auf ca. 2000 Fahrzeuge. Vielen Interessenten an diesem Fahrzeug bleibt also nichts anderes übrig, als sich in Übersee nach Restbeständen des 190 SL umzuschauen. Aber auch in den USA ist der Markt an guten Exemplaren mittlerweile fast leer.
Der 190 SL gehört daher aktuell mit zu den begehrtesten automobilen Klassikern am Oldtimermarkt mit stark steigender Preisentwicklung (nahezu eine Verdoppelung der Marktpreise in den letzten 10 Jahren). Perfekt restaurierte Exemplare stoßen bereits in sechsstellige Euro-Regionen vor. Auf der Techno Classica 2008 in Essen wurde ein restauriertes gepflegtes, originales Cabrio für 138.000 Euro angeboten. Diese Entwicklung ist nicht verwunderlich, denn bei einer ehemaligen 190-SL-Exportquote von fast 80 % wurden in Deutschland nur knapp über 5000 Fahrzeuge ausgeliefert. Die meisten hiervon haben die Gebrauchtwagenära der 1960er/70er-Jahre infolge fehlender Rostschutzmaßnahmen nicht überstanden. Insofern ist es sehr selten, heutzutage noch ein originales unverbasteltes Modell in gut erhaltener Substanz am Markt zu finden.
Weitere Inhalte zum 190 SL auf Carsablanca:
Kaufberatung: Ein deutscher Stern in Amerika
Magazin-Artikel: Der Nitribitt-Knick






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