Lancia Lambda
Der technikversessene Firmengründer Vincenzo Lancia war unermütlich in der Entwicklung und Umsetzung neuer Ansätze für seine geliebten Automobile. Lange schon hatte er mit dem seiner Meinung nach zu hohen Gewicht seiner Fahrzeuge gehadert. Die in den Zwanzigern übliche Bauform mit separatem Fahrgestell und aufgesetzter Karosse ließ zwar viel Raum für individuelle Karosseriegestaltung, konnte dabei aber die Autos schwer machen. Sportliche Fahrleistungen ließen sich mit den damals zur Verfügung stehenden, insgesamt leistungschwachen Motoren nur mit brutaler Gewalt, sprich ungeheurem Hubraum erzielen.
Weg mit überflüssigen Pfunden
Lancias Überlegungen liefen auf eine konsequente Einsparung überflüssiger Pfunde hinaus. Erster Ansatzpunkt war die Zusammenfassung von Fahrgestell und Karosserie zu einer Einheit aus Stahlblechen. Damit gelangte er zu einer selbsttragenden Karosserie, die bei gleicher bis höherer Festigkeit eine große Gewichtsersparnis bringt.
Auch beim Motor wurden Komponenten sinnvoll zu einer Einheit verschmolzen, die vorher durch getrennte Bauteile zu Mehrgewicht geführt hatten. Lancia legte seinen Vierzylinder als V-Motor mit engem Zylinderwinkel an, damit die Zylinderbänke einen gemeinsamen Zylinderkopf bekommen können. Zugleich genügt für die Ventilsteuerung eine einzige obenliegende Nockenwelle, die durch eine Königswelle angetrieben wird.
Das Fahrwerk war geradezu revolutionär, nicht nur wegen seiner Einzelradaufhängung an beiden Achsen (zum Vergleich: MG stattete seine Roadster bis 1950 mit zwei Starrachsen aus). Vincenzo Lancia verstand es auf meisterhafte Art, die ungefederten Massen der Vorderradaufhängung auf ein Minimum zu reduzieren: Die Vorderräder sind in einer Geradwegfederung von Hülsen an einem senkrechten Rohr geführt. Dazu kommen fortschrittliche Schraubenfedern sowie erstmals hydraulische Stoßdämpfer, die Lancia speziell für sein neues Auto entwickelte.
Wie ein Hochleistungssportler unter Finanzbeamten
Der Lancia Lambda stand unter den Autos seiner Zeit wie ein Hochleistungssportler unter Finanzbeamten: sehnig, geduckt, gestreckt. Er war mit seinen technischen Konzepten seiner Zeit viel zu weit voraus; die anspruchsvolle Kundschaft mochte nicht auf die Freiheit verzichten, ihren Wagen nach eigenen Wünschen zu entwerfen – man wollte sich nicht dem gestalterischen Diktat eines Fabrikanten beugen. Auch der mühsame Einstieg über die kleinen Türen, ein Tribut an die selbsttragende Struktur, fand wenig Beifall bei Komfortsuchenden. Die sportlich orientierte Kundschaft goutierte indes die technischen Lösungen und die überdurchschnittlichen Fahrleistungen; hatte der kleine, kraftvolle Vierzylinder doch relativ leichtes Spiel mit dem leichten Wagen, der mindestens 115 km/h schnell war. Über 10000 Exemplare konnten an solvente Liebhaber sportlichen Fahrens verkauft werden.
Es soll nicht verschwiegen werden, dass Lancia mit dieser Konstruktion nicht ganz zufrieden war, da es ihm nicht gelang, die Reibung zwischen Hülse und Führungsrohr der Vorderradaufhängung auf ein erträgliches Maß zu senken, auch ist der erzielbare Lenkwinkel bei dieser Konstruktion begrenzt. Trotzdem finden sich ähnliche Konstruktionen in heutigen Morgan-Modellen.
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