Fiat 600 Multipla
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Hopsa – ist diesem Fiat 600 der Fahrer beim Bremsen nach vorn gerutscht?
So ähnlich. Einem Auto den Motor ins Heck zu packen, war eine Zeitlang sehr modern, nicht zuletzt wegen des großen Einflusses durch den VW Käfer . Wenn man allerdings einen Kombi oder Transporter aus einem Heckmotorauto bauen möchte, wirds schwierig. Daran arbeitete sich VW ab und kam zu Lösungen von mäßiger Schlüssigkeit. Fiat ging es nicht anders: Nachdem man Ende der Fünfziger die alten Vorkriegsbaumuster abgelöst hatte, fuhren die kompakten Fiat mit Heckmotor. Sie verkauften sich trotzdem hervorragend – einen Nachfolger für den Kombi-Topolino (offiziell 500C Giardiniera) hatte man aber nicht parat.
Giacosa verschiebt den Passagierraum nach vorn
Der Fiat 600 , Topolinos Nachfolger, etablierte sich ziemlich schnell als Großstadtaxi – kaum vorstellbar aber wahr – brachte aber auch Nachfrage nach einer Version mit ein wenig mehr Stauraum. Die Fiat-Direktion sah das ein, stellte aber kein Geld für eine Neukonstruktion zur Verfügung. Das Auto würde mit der 600-Plattform auskommen müssen.
Fiat-Konstruktionsgenius Dante Giacosa fand die Lösung: Wenn man den nutzbaren Raum nicht nach hinten erweitern kann wie bei einem Frontmotor-Kombi, dann erweitert man ihn eben nach vorn. Die erste Sitzreihe wandert auf einen Platz über der Vorderachse, was die sparsame 600-Plattform plötzlich zu einem Raumwunder macht, mit gleich zwei Sitzreihen hinten, bestehend aus je zwei einzeln umklappbaren Sitzen. Das gibt genug Knieraum für 2 amerikanische Basketballspieler, alternativ 1 römische Familie samt Samstagseinkauf, oder ½ Umzug. So oder so – der Wagen verträgt knapp eine halbe Tonne Last bei dreieinhalb Metern Länge, das bekam sonst keiner hin.
Das verstand wieder keiner
Der Winzbus erhielt eine Gestaltung, die die Formensprache des 600 gekonnt aufnimmt und entwickelt, so dass seine Wurzeln auf Anhieb erkennbar sind; dazu als Hinweis auf seine Universalität den Namenszusatz Multipla. Konstruktiv war nicht viel zu tun, lediglich die Vorderachse des 600 wich der stärkeren des Fiat 1100 . Der Motor kam ohne Veränderungen vom 600. Ab 1956 beglückte der Multipla seine Kundschaft, die allerdings weniger umfangreich war als erhofft. Parallel zum Basis-600 erhielt der Multipla 1960 eine Überarbeitung, die vor allem 6 PS brachte (jetzt also 25).
Bis 1965 verstanden nur knapp 130.000 Käufer den intelligenten Witz des Multipla, ein enttäuschendes Ergebnis für Fiat-Verhältnisse. Heute finden die Qualitäten des Multipla natürlich viel mehr Resonanz, weshalb er zu den praxistauglichsten Oldtimern zählt, die man finden kann. Interessanterweise kam BMW zur selben Zeit mit dem 600 zu einer ähnlichen, ebenfalls missverstandenen Lösung.
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