British Leyland Princess
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Gut gemeint und völlig missraten – wieder einmal: British Leyland , Mitte der Siebziger ein Riese auf zerbröselnden Füßen, wollte eine neue Reihe für die obere Mittelklasse. Motor, Antrieb und Fahrwerk sollte der neue Austin 1800/2200 von seinem Vorgänger übernehmen, der denselben Namen trägt und optisch sehr nah am kleineren Austin 1100 ist. Die Verwechslungsgefahr sollte jetzt durch ein radikal neues Karosseriedesign gebannt werden. Gestalter Harris Mann, damals tief in seiner Phase “Kantiger Keil” entwarf ein Auto, das in seinen Grundlagen und für diese Klasse um Jahrzehnte voraus war.
Der 1,8-Liter-Vierzylinder ist ein unauffälliges Triebwerk aus der BMC-B-Serie. Der größere Motor hat es dagegen in sich: Der 2,2 Liter-Sechszylinder war das einzige Triebwerk seiner Zeit, das spezifisch für Quereinbau und Frontantrieb entwickelt wurde und ein echtes Glanzstück. Mit diesem Motor und der hypermodernen Karosserie hatte wieder einmal ein BL-Auto die Anlagen zum Überflieger. Und wieder einmal fiel BL nichts Besseres ein, als das eigene Produkt zu torpedieren. Das begann mit der Heckklappe, die der Wagen aus konzerntaktischen Gründen nicht erhielt, obwohl das Heck für heutige Augen förmlich danach schreit. Dazu kam eine katastrophale Verarbeitung, die sich vor allem den unablässigen Streiks verdankte.
Wo bleibt die Heckklappe?
Der neue Wagen wurde 1975 unter drei Marken präsentiert: Austin , Morris , Wolseley . Die Unterschiede liegen in Ausstattungsdetails. Doch schon ein halbes Jahr nach dem Start war es mit der Markendifferenzierung vorbei, die alte Markenbezeichnung Princess kam aus der Klamottenkiste – und half dem Auto auch nicht weiter. Die Öffentlichkeit zuckte vor der Karosserie zurück und griff lieber doch zum Ford Granada ; die Presse verriss den Wagen vor allem wegen seiner schlampigen Verarbeitung.
Und wegen der mysteriöserweise fehlenden Heckklappe. Besonders dieser Kritikpunkt stieß bald eine Weiterentwicklung des Princess an, die dann aber in innerbetrieblichen Querelen bei BL die Richtung verlor. Als der überholte Wagen 1982 fertig war, hieß er Austin Ambassador , hatte eine Heckklappe und sah ansonsten genau aus wie der Princess. Allein, er war es nicht – einzig die vorderen Türen hatte man von der Urform übernehmen können, der Rest war völlig neu. Dieser Facelift kostete so viel wie eine Neuentwicklung – und nachher stand ein Auto da, das nur Kenner vom alten unterscheiden konnten. Der brillante Sechszylinder war nicht mehr erhältlich und auch sonst sprach nicht viel für den Amabassador, der schon ’84 stillschweigend aus der Produktion fiel, um dem ebenso traurigen Montego Platz zu machen.
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