BMW E21 Dreier
BMW E21 “Dreier”
Schweres Erbe
Nachfolger haben es oft nicht leicht: dies gilt besonders für die Nachfolger von Erfolgsautos.Dass die BMW 02er-Serie im Carsablanca-OldtimerLexikon">>BMW 02er-Serie ein Erfolgsmodell war, ist unumstritten: rund 800.000 mal verkaufte sich der sportlich-minimalistische Mittelklassewagen – so oft wie kein anderes BMW-Modell zuvor. Und genau an diesen Erfolg wollte BMW anknüpfen. Stand bei der 02er-Reihe überwiegend das ungefilterte Fahrvergnügen im Vordergrund, wollte BMW ab 1976 mit dem Nachfolger E21 neue Wege beschreiten. Erster bayrischer Staatsakt war hierbei ein umfangreicher Eingriff in die Linienführung des neuen Dreiers: wo noch einst Chrom und eckige Kanten blitzten, überraschten nun auffallend glatte Flächen und weiche Rundungen. Obwohl die 02-Serie noch bis 1977 im Produktionsprogramm blieb, wirkte sie rein äußerlich schlagartig gealtert.Der Gesamtauftritt des neuen Dreiers signalisierte der Käuferschaft, dass BMW hier mehr zum Kauf anbot, als noch bei seinen sportiveren Ahnen: eine hochwertige Kompaktlimousine, mit technischen Neuerungen und deutlich mehr Komfort.
Das Klassen-Novum
In Sachen Fahrleistung, sollte sich der E21 ebenfalls Respekt unter seinen Mitstreitern verschaffen: deshalb startete die Motorenpalette wieder genau dort, wo die der Konkurrenzmodelle endete: jenseits der 90 PS-Marke. Also wurden erneut die altbewährten Vierzylinder-Vergasermotoren aus der 02er-Serie verbaut, die mit ihren Kettenantrieben und der 5-fach gelagerten Kurbelwelle ohne Frage zu den robustesten und laufruhigsten Vertretern ihrer Zunft gehörten.Die M10-Reihenmotoren mit Leistungen zwischen 90 und 109 PS, waren für ihre vehemente Kraftentfaltung ab ca. 4.500 Touren bekannt. Beim BMW E21 320/4 im Carsablanca Oldtimer-Lexikon">320/4 war der Sprint von 0-100 Km/h somit in rund 11,5 Sekunden erledigt: der neue Dreier konnte sich also bereits in der Vierzylinderversion, problemlos mit leistungsstärkeren Modellen anderer Hersteller dieser Zeit messen. Zusätzlich zauberte BMW ab 1977 zwei Sechszylinder-Asse aus dem Ärmel. Neben dem 122 PS starken BMW E21 320/6 im Carsablanca-Oldtimer-Lexikon">320/6, startete der 323i mit Bosch K-Jetronic Benzineinspritzung als Spitzenmodell des E21. Mit gefährlich wirkenden Doppelscheinwerfern und properen 143 PS, dauerte der Sprint von 0-100 Km/h im BMW E21 323i im Carsablanca-Oldtimer-Lexikon">323i gerade einmal 8,9 Sekunden: in den 70ern ein Klassewert. Zum Vergleich: ein Porsche 924"war da nur einen winzigen Hauch schneller! Auch wenn das Fahrwerk selbst mit aufpreispflichtigen Stabilisatoren nicht die gleiche Direktheit der 02-Serie vermitteln konnte, hatte es BMW doch erneut geschafft, einen dynamisch-dezenten, fünfsitzigen Mittelklassewagen zu bauen, der auf Wunsch sportwagenähnliche Fahrwerte bot : Unterstatement pur!
Ergonomie und Herzschmerz
Die Nachfrage nach dem neuen Dreier bestätigte, dass BMW mit dem Bau der neuen 3er-Reihe ein gutes Händchen bewiesen hatte. Die positiven Verkaufszahlen jedoch nur auf die Fahrcharakteristik des E21 zurückzuführen, wäre durchweg falsch: der E21 wusste zusätzlich durch seine inneren Werte zu überzeugen. Ziel bei der Innenraumgestaltung war es vor allem, weg vom blechernen-klapprigen Flair des Autos der 60er Jahren zu kommen: daher wurden alle Innenraumteile der Karosserie komplett verkleidet. Um den Fahrtlärm zu reduzieren, verbaute BMW rund 35 KG Dämmmaterial, außerdem wurde großes Augenmerk auf Ergonomie gelegt: das Armaturenbrett wurde fahrerorientiert ausgerichtet und präsentierte sich mit modernen und hochwertigen Kunststoffen. Zusätzlich wurde beim E21 verstärkt Wert auf die Fahrzeugsicherheit gelegt: computerberechnete, mehrstufige Knautschzonen und eine steifere Dachkonstruktion verbesserten bei schweren Unfällen, die Überlebenschancen der Insassen signifikant. Dreipunkt-Automatikgurte, Sicherheitsglas und ein Lenksystem, dass bei einem Frontalaufprall nicht in den Fahrerraum eindrang, waren Meilensteine des passiven Insassenschutzes. Es war jedoch gerade die Summe seiner positiven Eigenschaften, die dem E21 zum Verhängnis wurden: mit einer nach 30 Jahren noch überraschend modern wirkenden Karosserie, wurden ca. 95 Prozent aller gebauten Fahrzeuge aufgrund ihrer hervorragenden Alltagstauglichkeit einfach rücksichtslos verbraucht. Die letzten, gepflegten Exemplare sind nur noch schwer zu bekommen: diese Klassiker wechseln ihre Besitzer meist unter größten Herzschmerzen.








