Audi F103
Nach der Vorstellung des F102 war bei DKW die Enttäuschung über mangelnde Nachfrage nach dem neuen revolutionären Modell groß. Obwohl das Fahrzeug technisch und gestalterisch zukunftsweisend war, konnte man den Kunden das Zweitaktprinzip nicht mehr schmackhaft machen.
Bei Daimler-Benz , seit 1958 Besitzer der Auto Union , hatte man einen neuentwickelten Motor im Regal. Der zeichnet sich unter anderem durch eine höhere Verdichtung als die Aggregate der zeitgenössischen Konkurrenz aus. Sein Wert von etwa 11:1 liegt zwischen der damals üblichen Verdichtung von Otto – (ca. 8:1) und Dieselmotoren (ca. 18:1). Idealerweise sollte sich dadurch ein deutlich höherer Wirkungsgrad ergeben, also höhere Leistung und bessere Wirtschaftlichkeit. Im Volksmund erhielt der Motor bald den Namen Mitteldruckmotor. Man entschloss sich, diesen Motor in den glücklosen DKW F102 einzubauen.
Da der Mitteldruck-Vierzylinder länger ist als der DKW-Dreizylinder-Zweitakter, musste der Vorderwagen verlängert und der Kühler seitlich versetzt eingebaut werden. Das Fahrwerk des F102 blieb dabei unverändert: vorne doppelte Dreieckslenker mit längs liegenden Torsionsstäben, hinten sorgt eine Starrachse mit in der Achse liegenden Torsionsfedern für präzise Führung. Die vorderen Scheibenbremsen liegen direkt neben dem Getriebe, was den Vorteil geringer gefederter Massen hat – die braucht es, denn wegen des schweren Motors weit vor der Vorderachse geriet der Wagen extrem kopflastig. Als Fronttriebler benötigt er keinen Kardantunnel, der Innenboden ist durchgehend glattflächig.
Erst bei Audi wird die Sache rund
Leider hängt den Mitteldruckmotoren zu Recht der Ruf an, mit Öl nicht ganz sparsam umzugehen und diesen wertvollen Schmierstoff auch im Motorraum zu verteilen – wo er sich dann auf die Bremsscheiben legt und schlimmstenfalls für eingeschränktes Verzögerungsvermögen sorgt.Dieses Auto trug zunächst den Namen F103. 1964 reichte Daimler-Benz die Auto Union weiter an Volkswagen . Unter dem neuen Dach wechselte die Auto Union den Namen, hieß fortan Audi und entwickelte den F103 fertig. 1965 erschien der Wagen als Audi, zunächst ohne weitere Modellbezeichnung.
Der Audi entwickelte ab 1966 eine Familie mit Motorisierungen zwischen 60 und 90 PS. Besonders der Audi Super 90 (F103) bringt Fahrleistungen, mit denen man BMW – Fahrer verblüffen kann – man darf bei ambitionierter Fahrweise nur nicht vergessen, dass der dicke Graugussblock in der Nase gnadenlos geradeaus zieht. Im normalen Betrieb fährt ein Mitteldruck-Audi komfortabel, der Motor läuft ruhig (nachdem man schon 1967 die Verdichtung auf üblichere 9:1 zurückgenommen hatte), der Kofferraum ist kavernenartig groß. Viele ehemalige Besitzer eines Mitteldruck-Audi weinen ihrem Fahrzeug nach, das sie aufgrund von anstehenden Reparaturen und der dringend nötigen Beseitigung von Roststellen nicht mehr halten konnten.

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