Aston Martin DBS


1958 zeichnete Touring, basierend auf ihrem tradierten „Superleggera“ Karosseriepatent, für den Entwurf des DB4 verantwortlich und lieferte damit einen atemberaubenden Fahrzeugentwurf, der mit nur geringen Änderungen, direkt als erste Serie umgesetzt und produziert wurde.

Als Mitte der sechziger Jahre nun der mit dem DB4 begonnene, bewusst feminin gezeichnete, Formenkanon im direkten Vergleich zur Konkurrenz formal überholt wirkte, versuchte man mit Hilfe der inzwischen sehr guten Kontakte nach Mailand – zur dort ansässigen Firma „Carrozzeria Touring“ – einen Nachfolger für den DB6 zu finden.

In der Absicht an den Erfolg des DB4 anknüpfen zu können, entwickelte Touring zwei vollständig neue, fließend gezeichnete Prototypen – Codename MP226 – die auf der 1966er Ausgabe der Londoner „Earls Court Motor-Show“ unter der Bezeichnung DBSC ausgestellt wurden. Insider sagten ihnen eine gewisse Ähnlichkeit zum Lamborghini 400 nach.

Der Entwurf der Karossiers aus Italien überzeugte den Firmeninhaber Sir David Brown allerdings nicht zur Genüge, sodass er eine werksintern parallel entwickelten Konzeption präferierte und mit allem Nachdruck serienreif entwickeln ließ.

Am 25. September 1967 lancierte der Stand von Aston Martin auf der „Earls Court Motor-Show“ in London das, ebenso straff wie revolutionär gestaltete, Modell mit dem Modellkürzel DBS.

Die als folgerichtig erwartete Modellbezeichnung DB7 – “DB” für die Initialen des Firmeninhabers David Brown – „7“ als zählende Erweiterung, hatte man gegen ein „S“ getauscht und wollte damit Reminiszenzen zum eigenen, von Mai 1953 bis Dezember 1956 in einer Stückzahl von nur 30 produzierten, sehr erfolgreichen Rennwagen DB3S herstellen.

Der Entwurf des neuen Aston stammte aus der Feder des erst seit 1966 bei Aston Martin angestellten Designers William Towns. Für den damals 31-jährigen Towns handelte es sich um sein Erstlingswerk, da er bisher im Bereich des Designs von automobilem Sitzmobiliar aussichtsreich wirkte.

Basierend auf dem um ein Zoll (2,54 cm) verlängerten und viereinhalb Zoll (10,16 cm) verbreiterten DB6 Plattform-Chassis, entwickelte er einen Karosserieentwurf, der durch eine klare Formensprache und prägnante Kanten überzeugte. Eineinhalb Zoll (3,81 cm) kürzer, dabei aber sechs Zoll (15,24 cm) breiter als der Vorgänger DB6, wirkte Towns Entwurf sehr maskulin und kompakt. Die Gesamtbreite des neuen Fahrzeugs betrug atemberaubende 1,83 m. Auf der Messe auf die außerordentlichen Maße angesprochen, soll David Brown die Situation mit einem Übertragungsfehler von den Zeichnungen auf die Fertigungswerkzeuge kommentiert haben. Tatsächlich aber resultierte die enorme Breite des DBS aber aus dem im Lastenheft formulierten Konzessionen, die ursprünglich die Aufnahme eines – bis zur Präsentation nicht mehr rechtzeitig fertig gestellten – leistungsstarken 5,34 Liter großen V8-Antriebes vorsahen. Die neue Leichtmetallkonstruktion mit jeweils zwei kettengetriebenen, obenliegenden Nockenwellen pro Zylinderbank und einem Zylinderwinkel von klassischen 90 Grad, gab eine Baubreite vor, die um einen akzeptablen Wendekreis zur Realisierung bringen zu können, die Mindestbreite des Fahrzeugs diktierte.

Das neue Fahrwerk des DBS führt die Vorderräder an einer aus dem DB6 bekannten Vorderachsaufhängung mit Dreiecks-Querlenkern und Schraubenfedern sowie einer Zahnstangenlenkung.

An der Hinterachse findet sich eine, von Albert de Dion bereits im Jahre 1893 patentierte, sehr hochwertige Konstruktion. Die nach seinem genialen Erfinder benannte DeDion-Achse sichert für beide Räder mittels eines verbindenden DeDion-Rohres beste Arbeitsbedingungen. Die Führung der Achse übernehmen in Längsrichtung vier Schubstreben, orthogonal hierzu – quer zur Fahrzeuglängsachse – wirken Wattgestänge. Das am Fahrzeugboden aufgehängte serienmäßige Salisbury Sperrdifferentialgetriebe und die sehr weit innen liegenden Scheibenbremsen reduzieren die ungefederten Massen der Konstruktion so überzeugend, dass eine optimale Übertragung der Antriebsmomente auf die Straße bei überragendem Federungskomfort und absolut konstant gleich bleibender Achsgeometrie sicher gestellt ist.

In den späten „Fünfzigern“ setzte Aston Martin die DeDion-Achse bereits sehr erfolgreich in ihren Rennwagen DB3S und DBR1 ein, musste aber bei den Vorgänger-Modellen des DBS – den Modellen DB4 bis DB6 – stets den Wunsch der Konstrukteure nach dieser Radaufhängung mit kaufmännischer Entschiedenheit aus Kostengründen ablehnen.

Der neue Wagen war ein echter Viersitzer, wie sie Ende der „Sechziger“ als so genannte 2+2 Coupés von allen Sportwagenherstellern auf den Markt drängten. Als Antrieb diente Tadek Mareks leichtmetallener Geniestreich, der aus dem DB6 bekannte 4.0 Liter Reihensechszylinder in zwei Leistungsstufen.

Newport Pagnell nannte 282 bhp für die mit 8,9:1 verdichtete Standardversion mit drei SU Vergasern des Typs HD8, respektive 325 bhp für die Hochleistungsvariante „Vantage“ mit einer Verdichtung von 9,4:1 und drei 45er DCOE Weber-Doppelvergasern. Letztere war nun erstmals ohne Aufpreis lieferbar.

Bedingt durch das höhere Gewicht, des deutlich erwachseneren Wagens und einer erheblich größeren Stirnfläche waren die Fahrleistungen erstmals in der Geschichte der Marke geringfügig niedriger als die des Vorgängers.

Die Ausstattung des DBS hatte ein bisher unerreichtes Niveau zu bieten. Connolly A-Grade Leder, Wilton Teppiche, Servolenkung, Borg Warner Automatikgetriebe, serienmäßiges Salisbury Sperrdifferential, elektromotorischer Antrieb für das Heben und Senken der Türverglasung sowie auf Wunsch eine Klimaanlage waren erhältlich.

Wer einen besonders audiophilen Geschmack pflegte konnte als Option ein – 1967 die brandneue technische Sensation – Voxson Radio Stereogerät mit 8-Spur Kassettenteil und einer elektrisch angetriebenen Teleskopantenne ordern.

Die Tradition des Hauses aus Newport Pagnell, den Agenten im Auftrage ihrer Majestät, mit einem geeigneten Automobil auszustatten, hatte im Jahre 1969 bereits mit dem Einsatz eines Aston Martin DB4 der Serie 5 im Kassenschlager und Welterfolg “Goldfinger” einen, für die kleine englische Manufaktur, sehr Umsatz fördernden Weg beschritten und wurde. Im neuesten Abenteuer Ian Flemmings, eben jener “Bond” wurde mit einem DBS Vantage für den Film „On Her Majesty’s Secret Service (OHMSS)“ ausgestattet.

Der deutsche Titel des Werkes lautete „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ und zeigte erstmals George Lazenby, in seinem ersten und einzigen Auftritt als Geheimagent in der Rolle des James Bond. Für seine filmische Leistung erhielt er eine Nominierung für den „Golden Globe Award“ als „Bester Nachwuchsdarsteller".

Das hier vorgestellte Fahrzeug wurde am 19.08.1970 von Aston Martin über ihren in Rothley in der Grafschaft Leicestershire beheimateten Händler Namens “George Lazenby” – eben jenen “James Bond” des Celluloid-Epos “OHMSS” – an den “First Owner” ausgeliefert.

Lazenby, ursprünglich aus Australien stammend, setzte seinen Namen nach dem Filmerfolg werbeträchtig als Namensgeber für einen Aston Martin Vertrieb in den “East Midlands” ein.

Mit einer ab 1972 leicht retuschierten Front, dem inzwischen serienreif entwickelten, ab 1969 erhältlichen V8-Antrieb und in der Hochleistungsvariante des Coupés, "V8 Vantage“, mit bis zu 432 PS, sollte dieses Karosserie-Design die Basis für alle Sportwagen der kommenden 17Jahre des renomierten Sportwagenherstellers werden.

1979 entstand eine sehr erfolgreiche Cabriolet-Version mit dem Namen „Volante“ und erst 1989 löste der Nachfolger „Virage“ Towns Entwurf ab.

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Bilder Aston Martin DBS

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Aston Martin DBS Vantage (1967) 



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