Rootes Group


Manchmal braucht man nur wenig technische Fähigkeiten, um ein Automobil-Imperium zu führen – kaufmännischer Instinkt kann genügen. Davon hatte William Edward Rootes jede Menge. 1919 gründete er mit seinem Bruder in Maidstone in Südengland eine Automobil-Handelsgesellschaft, die im Verlauf der folgenden Jahre so erfolgreich wurde, dass er 1931 die Aktienmehrheit der Humber/Hillman-Gruppe übernehmen konnte.

1935 konnte er Sunbeam und Talbot GB aus der Konkursmasse der STD – Gruppe erwerben und hatte damit die strategische Basis für die kommenden Jahrzehnte geschaffen. Zu William Rootes’ wesentlichen Errungenschaften zählen die frühe Einführung einer Markenhierarchie nach Vorbild von General Motors: eine Marke für jeden Bedarf. Hillman war dabei die zentrale, preisgünstige Säule, um die sich die sportlichen Sunbeam, die luxuriösen Humber und später die halbedlen Singer gruppierten. Damit ging eine Gleichteile-Strategie einher, die später den Namen badge engineering bekam, als die Autotypen der Konzernmarken im Grunde identisch waren und sich nur durch Ausstattung und Motorisierung unterschieden. Die Konkurrenz von BMC praktizierte das badge engineering später bis zum Überdruss.

Imperiale Phantasien

Nun war Sir William nicht der einzige Mann mit automobilen Imperial-Phantasien in Großbritannien. In den Vierzigern und Fünfzigern begannen die ersten Fusionen, die in letzter Konsequenz zur Selbstabschaffung der englischen Autoindustrie führten, angefangen mit dem Zusammengehen der Erzfeinde Austin und Morris 1952. Die Produkte der Rootes-Gruppe liefen stets neben dem Mainstream und gelten bis heute als ein wenig bizarr. Käufer waren leicht verschrobene Menschen, die sich weder bei Ford GB noch bei BMC aufgehoben fühlten. Am Anfang vom Ende stand 1963 der Hillman Imp , mit dem Rootes gegen den Mini antreten wollte. Der Wagen ist zwar kompakt, hat aber einen waschechten Rennmotor, den Coventry-Climax, im Heck. Das machte Heißsporne glücklich, aber wie man damit den Normalverbraucher in Strömen in die Hillman-Vertretungen locken wollte, konnte wahrscheinlich selbst im Werk niemand erklären. Der Imp ist ein kleiner Feuerteufel, war aber als Massenprodukt selbst Engländern schwer zu vermitteln.

Mitte der Sechziger, als der Imp die in ihn gesetzten Hoffnungen offensichtlich nicht erfüllte, wünschte sich die Chrysler Corporation, ewiger dritter auf dem US-Markt, ein europäisches Standbein nach Muster von Ford und GM. Die angeschlagene Rootes-Gruppe schien das richtige Ticket nach Europa, 1967 besaß Chrysler 100 Prozent. Der Rootes-Gruppe half das nicht. Die letzten Sunbeams sahen aus wie geschrumpfte Plymouth Barracudas (der Rapier) oder waren aufgemotzte Imps (der Stiletto), die dadurch nicht attraktiver wurden, dass man ihnen das Fünfeck verpasste und Chrysler UK drunterschrieb.

Als Chrysler sich 1978 nach schweren Verlusten in die USA zurückzog, gingen die Reste von Chrysler Europe an Peugeot – die traurigen Reste der Rootes Group verschwanden bald vom Markt.

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