Porsche


Der Neunelf. Andere Monokultur-Marken wie Volkswagen wechselten früher oder später auf ein anderes Auto – bei Porsche ist der 911 bis heute das Auto, das für die Marke steht. Der 911 regiert die Köpfe des Publikums, besonders die Lust – und Sehnsuchtszentren.

Das ist bedauerlich, denn Porsche ist nun gerade überhaupt kein Monokultur-Betrieb. Im Gegenteil: Bei Porsche entstand eine enorme Fülle von Dingen, die niemals die prestigeträchtigen sieben Buchstaben trugen und trotzdem waschechte Porsches sind. Porsche Typ 205 zum Beispiel, der Panzer Maus . Zugegeben, das ist wahrscheinlich das uneleganteste Monstrum, das sich Porsche jemals ausdachte: 188 Tonnen Eigengewicht, Verbrauch zweieinhalb Kubikmeter Benzin auf 100 km, brauchte einen eigenen Schienen-Spezialtransporter. Die Maus von 1944 war sicherlich das absurdeste, aber beileibe nicht Porsches einziges Militärprojekt, schon gar nicht das letzte. Der hochgelobte Kampfpanzer Leopard (Porsche Typ 806 , in der zweiten Auflage Porsche Typ 1906 ) zählt ebenso dazu wie der bizarre Radschlepper Ost (Porsche Typ 175).

Entwicklungsbüro mit eigener Autofertigung

Nein, Porsche ist oder war natürlich kein Haufen von Militaristen. Porsche ist im Grunde noch immer dasselbe Unternehmen, das Ferdinand Porsche 1931 gründete: ein Entwicklungsbüro für technische Konzepte im Bereich motorisierte Fortbewegung, gekennzeichnet durch Kompetenz auf höchstem Niveau, seit 1950 mit dem Bonus einer angehängten Automobilfertigung. Der mit Abstand voluminöseste Erfolg der Dr. Ing. h.c. F. Porsche GmbH (später AG) ist ihr Typ 60, bekannt als Volkswagen, vulgo Käfer . Aber Porsche steckt auch in anderen erstaunlichen Dingen, etwa im Auto Union-Grand Prix-Wagen von 1932: 16 Zylinder, Mittelmotoranordnung, 295 PS – Porsche Typ 22. Haben Sie sich schon mal gefragt, warum der unglaubliche Dreiachs-Flugmotor-Rekordwagen im Daimler-Museum als einziger Mercedes-Benz keinen W-Code trägt, sondern die Bezeichnung T80? Genau: kurz für Porsche Typ 80.

Nicht nur Kraftfahrzeuge

Während der Kriegsjahre schwoll die Zahl der Porsche-Projekte enorm an, beginnend mit dem Typ 82 , bekannt als Kübelwagen, über eine ganze Reihe von Panzern bis in die hohen zweihunderter Nummern. Dabei verbirgt sich natürlich nicht hinter jedem Porsche-Typ ein komplettes Fahrzeug. Viele Projektnummern gingen an Entwicklungen einzelner Baugruppen, viele davon für den Volkswagen und seine Ableitungen, wie der Typ 107 (Kompressormotor für den Volkswagen) oder Typ 160 (selbsttragende Karosserie). Zu den ersten Nachkriegsentwicklungen zählen solch wunderliche Dinge wie Porsche Typ 294 (eine Skibindung), Typ 335 (eine Seilwinde) und Typ 340 (eine zweirädrige Schubkarre). 1950 kam der Typ 356, dicht gefolgt vom Typ 360, dem fabelhaften Cisitalia-Rennwagen mit Mittelmotor und zuschaltbarem Allradantrieb, der seiner Zeit zwei bis drei Jahrzehnte voraus war.

Studebaker-Porsche

Ein wesentlicher Bestandteil der Porsche-Entwicklungen waren Aufträge von anderen Automobilherstellern. Während der Kriegsjahre war dies vor allem Daimler-Benz ; eine inzwischen vergessene Episode war das Studebaker – Projekt: Der flügellahme Konzern wünschte sich Anfang der Fünfziger ein volksnahes Auto in US-Format, und so entstand in Zuffenhausen 1953 der Typ 542. Das war nicht ganz einfach, denn Studebaker wollte möglichst viele Teile aus dem eigenen Baukasten im neuen Auto. Trotzdem erhielt der Typ 542 eine selbsttragende Viertürer-Karosserie, ein topmodernes Fahrwerk und einen V6 von 105 PS – besonders dieser Motor war außergewöhnlich, denn eine solche Anordnung gab es zu der Zeit nur bei Lancia . Als Ferry Porsche den fertigen Prototypen im November 1954 bei Studebaker vorstellte, hatte man dort ganz andere Sorgen: Studebakers Verkaufszahlen waren dramatisch eingebrochen, man hatte kein Geld mehr. Obwohl man den Typ 542 als sehr gelungenes Auto erkannte, lehnte man ihn ab – zu teuer … kurz darauf fusionierte Studebaker mit der ebenso kranken Firma Packard und war damit endgültig todgeweiht. Der Porsche-Entwurf dagegen hätte die Wende bringen können.

Und immer wieder Volkswagen

In anderen Projekten arbeitete Porsche immer wieder für Volkswagen. Notorisch ist der Porsche Typ 1966, bekannt auch als VW EA266: ein Viersitzer mit Unterflurmotor, von VW-Chef Nordhoff als Käfer-Nachfolger favorisiert. Der Typ 1966 zählt zu jenen bizarren Konstruktionen, bei denen man nicht weiß, ob man das Schicksal dafür loben und preisen muss, dass es dieses Monstrum nicht auf die Welt losließ, oder ob man ein außergewöhnliches Fahrzeugkonzept betrauern muss. VW EA425 dagegen kam zur Welt, wenn auch nicht als Volkswagen: Heute ist er bekannt unter seiner Porsche-Entwicklungsnummer 924 – wobei Fahrwerk und Antrieb von diversen VW – und Audi-Typen stammen. Zuvor kam schon der Typ 914, der sogar als VW-Porsche verkauft wurde; Porsche Typ 928 schließlich ist allein eine Porsche-Angelegenheit – leider kam er zu spät, der 911 war viel zu fest etabliert als definitiver Porsche. An dem führt halt kein Weg vorbei, wenn man über Porsche spricht. Welch trauriges Missverständnis.

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