Opel


Wie startet man eine Automarke? Vielleicht so: Man gründet eine feinmechanische Werkstatt zur Herstellung von Nähmaschinen und Fahrrädern, findet ein vielversprechendes Autokonzept und holt es ins eigene Werk. So machte es die Adam Opel GmbH anno 1899.

Insofern war der Pomp, mit dem die Adam Opel AG 1999 ihr Hundertjähriges beging, auf der Zeitachse ein wenig verrutscht, denn das erste Auto aus den Opelwerken war ein Lutzmann – im Prinzip die Kopie des Benz Victoria . Andererseits: Opel hätte es schwer gehabt, ein anderes Datum zu feiern. Die Markenchronisten können nicht recht festlegen, welches der erste originäre Opel-Typ ist. Den Lutzmann gab Opel bald wieder auf, er war veraltet; man suchte daraufhin in Frankreich und hatte mehr Glück.

Aus dem Darracq gewachsen

 Das zweite Auto aus dem Opelwerk, der 10/12 PS anno 1902, war ein Lizenzbau der Marke Darracq und absolut modern. Die Verbandelung mit Darracq hielt bis 1908, allerdings verbesserte Opel die Darracq-Wagen sehr bald nach eigenen Ideen. Unter anderem ersetzte man den urtümlichen Rohrschlangenkühler durch einen Bienenwabenkühler nach Mercedes – Vorbild. Aus den Darracq-Wagen wuchsen allmählich echte Opel.

Den ersten großen Schritt tat Opel also gleichsam in Zeitlupe: so gemächlich, dass ein erster vollständig eigener Opel schwer auszumachen ist. Strategisch war dies richtig, denn Opel erwarb sich durch die Darracq-Ableitungen bis etwa 1910 einen Ruf hervorragender Qualität und zählte dann zu den deutschen Edelmarken. Wie die meisten Hersteller der Zeit fächerte Opel sein Spektrum sehr breit, zu einer verwirrenden Typ-Palette – die nach Ende des ersten Weltkriegs Fortsetzung fand.

Es bedurfte der katastrophalen Inflation von 1923, damit Opel den nächsten großen Schritt tat. Die Produktion war inflationsbedingt nicht aufrechtzuerhalten, also schlossen die Opel-Brüder das Werk und nutzten die Zeit, gründlich über die Zukunft nachzudenken. Und sie dachten richtig. Als die Produktion 1924 neu startete, arbeitete das Werk nicht nur nach neuesten Methoden der Fließfertigung, auch war vom geblähten Typprogramm keine Spur mehr. Ein einziger, ganz neuer Typ rollte vom Band, der Opel 4/12 PS – der war zwar eine ziemlich dreiste Kopie des Citroen 5CV , verkaufte sich aber hervorragend. Das Publikum nannte ihn “Laubfrosch”, er war als wirklich volksnahes Auto der erste moderne Opel.

Der vitalste deutsche Autohersteller

 Der Laubfrosch war die Basis für große Prosperität – vier Jahre später war Opel der vitalste deutsche Autohersteller. Zu der Zeit suchte der US-Gigant General Motors nach Expansionsmöglichkeiten im Ausland. Dazu erwarb GM gut aufgestellte Autohersteller, um sie als weitere Marke in den Konzern einzustellen. Nicht überall hatte man ein so glückliches Händchen wie in Deutschland: Opel war sicherlich der beste Kauf, den GM damals tätigte. Die Opel-Brüder wandelten ihre GmbH in eine AG um, deren Anteile sie bis Herbst ’31 nach Detroit verkauften.

Während der folgenden zehn Jahre hatte Opel nun das Glück weitgehender Autonomie. Anders als der große Konkurrent Ford Köln verlor Rüsselsheim nie das Maß des deutschen Markts aus den Augen, weshalb Opel weiter Volksautos baute. Die beste Ausprägung dieses Gedankens war der Opel P4 – der nicht ganz zu Unrecht als der wahre Volkswagen gilt. Parallel zum konstruktiv eher konservativen P4 startete 1935 der Olympia , mit dem Opel eins der modernsten Autos der Welt im Programm hatte. Dieser Wagen schaffte den Sprung in die Nachkriegsproduktion und überlebte bis 1952, als Moskwitsch 401 sogar bis ’56.

Nach dem Krieg zog Detroit die Zügel erheblich an. Opel brachte US-Haifischmäuler nach Deutschland, während die technische Entwicklung nicht mehr die Zugkraft der Vorkriegsjahrzehnte hatte. Erst mit Bau des neuen Werks in Bochum und dem Start des Kadett A 1962 schloss Opel wieder an seine Zentralwerte der Vorkriegszeit an: moderne, preisgünstige Autos der unteren Mittelklasse zu bauen.

Wechselnde Fortüne



 Was heute so gut wie vergessen ist: Der Opel Kapitän war der einzige deutsche Autotyp, der einen ähnliches Prestige brachte wie die großen Mercedes-Benz . Leider hielten die großen Opel nicht mit dem Entwicklungstempo Schritt, das Daimler-Benz vorlegte, weshalb dieser Status Ende der Sechziger verspielt war. Mit dem Kadett B brachte Opel 1965 eins der besten Autos der Sechziger heraus. Das konnte zu der Zeit kaum einer ahnen, der B-Kadett war technisch oder gestalterisch schon damals nicht sehr aufregend. Aber inzwischen zählen B-Kadetts zu der Sorte Opel-Oldtimer , die bis heute nicht nur alltagstauglich und schrauberfreundlich sind, sondern den Alltag auch aushalten.

Im Verlauf der Siebziger blühte in Rüsselsheim immer wieder jene technische und gestalterische Kraft auf, die Opel heute zu einer der zentralen Marken im GM-Gefüge macht. Zwar regierte Detroit immer wieder mit verqueren Beschlüssen und zweifelhaften Personalentscheidungen dazwischen, aber spätestens unter der Führung von Carl Peter Forster (2001-2004) hat Opel die europäische Führung verdient gewonnen.

Die letzten 1 Mitarbeiter an diesem Eintrag

Bilder Opel

Opel
Zur Bilderstrecke?
ab 1964 



  • DIESE SEITE WEITEREMPFEHLEN


Seite empfehlen:

  • Misterwong
  • Oneview
  • Favoriten
  • Delicious
  • Digg
  • Stumbleit

Jetzt als Modellauto bestellen!

Opel_1964-1987_2375_thumb

Unser Partner Model Car World verfügt über das größte sofort lieferbare Sortiment in Deutschland. Über 10.000 Modelle!