Mercedes-Benz


1956 brachte Daimler-Benz den 219 auf den Markt. Dies ist der Urmeter für Mercedes-Benz, der Typ, der die Philosophie der Marke während ihrer ersten 50 Jahre idealtypisch verkörpert.

Der 219 ist die Sparversion des 220a , bekannt als großer Ponton. Im Mercedes-Benz-Stammbaum ist dies die Linie, die zur heutigen S-Klasse führt. Der 219 verzichtet auf Zierat und hat eine stark abgespeckte Ausstattung. Man lasse sich das auf der Zunge zergehen: Ein S-Klasse-Mercedes in Magerausstattung. Heute völlig undenkbar – damals Ausdruck einer Philosophie, die Mercedes-Benz einzig unter Autoherstellern machte.

Überdurchschnittliche Autos

Daimler-Benz baute in seinen besten Jahren qualitativ überdurchschnittliche, wirtschaftliche, langlebige Autos. Diese Zentralwerte brauchten keinerlei Erläuterung, sie waren synomym mit der Marke, da gab es keine Ausnahme. Darum brauchte es auch keine Erläuterung, dass man den Spitzentyp in einer Version für all diejenigen anbot, denen Luxus gleichgültig war oder die nicht das Geld für die Vollausstattung hatten: Der 219 ist ein vollwertiger Mercedes-Benz, der ganze Schnickschnack ist zweitrangig.

Leider ist Schnickschnack generell augenfälliger als hervorragende Verarbeitung. Darum galt ein Mercedes-Benz lange als Luxusauto, womit das Publikum sich den hohen Preis erklärte. Der Preis jedoch ist Ausdruck der Sorgfalt, die in die Entwicklung und Herstellung jeder Baureihe einfloss. Dazu gehörte ein Verständnis von Wirtschaftlichkeit, das gelegentliche Besuche in der Werkstatt nicht vergisst: Wenn aus irgendeinem Grund die Hinterachse ausgebaut werden muss, dann soll das beim dritten Mal noch genauso problemlos gehen wie beim ersten Mal. Ein Mercedes-Benz ist eben langlebig, egal ob es ein magerer Ponton 180D ist oder ein flamboyanter 500K .

Badische und schwäbische Handwerkskunst

Diese Zentralwerte erwuchsen aus der Verbindung badischer und schwäbischer Handwerks – und Industrietradition. Die Daimler Motoren Gesellschaft in Cannstatt und Benz&Cie. , Mannheim, standen sich schon lange vor dem Zusammenschluss auf eigenwillige Weise nahe. Man könnte von einer Hassliebe sprechen, von herzlicher Verbundenheit in heftiger Konkurrenz. Tatsächlich erwog man in Cannstatt schon 1916 ein Zusammengehen, 1919 dann in Mannheim. Es hakte an Statusfragen: Wer soll der Seniorpartner werden? Die Deutsche Bank, die wesentliche Anteile an beiden Unternehmen besaß, musste die zwei Partner zu ihrem Glück überreden, so dass man 1924 zunächst den Vertrieb zusammenlegte, zwei Jahre später die Unternehmen verschmolz. Die Deutsche Bank lag natürlich genau richtig, denn separat hätten die Partner wenig Chancen gehabt. Die deutsche Autoindustrie war zu der Zeit noch tief in den Fertigungsmethoden der Anfangsjahre verhaftet; wenn eine Marke überleben wollte, musste sie tiefgreifende Veränderungen im Programm und vor allem in den Fertigungsmethoden vornehmen. Opel hatte diesen Sprung 1924 vollbracht und schickte sich an, zum größten deutschen Hersteller aufzusteigen.

Daimler und Benz allein hatten nicht die Kraft für solch tiefgreifenden Wandel. Doch auch nach dem offiziellen Zusammenschluss dauerte es eine Weile, bis die Daimler-Benz AG ihr Fundament gebaut hatte – erst mit dem Typ Stuttgart kam 1928 ein Mercedes-Benz, der die zentralen Werte der Marke für die kommenden rund 50 Jahre definierte.

Ob sich übrigens die Gründerväter Gottlieb Daimler und Carl Benz jemals getroffen haben, wird immer wieder gern spekuliert. Sie hatten sicherlich Gelegenheit dazu: Beide Herren besuchten die Pariser Weltausstellung von 1889, wo ihre Produkte ausgestellt waren. Sie waren sogar am selben Tag am Panhard – Stand. Dass sie sich allerdings die Hand geschüttelt hätten, dafür gibt es keine verlässlichen Belege, und Carl Benz schweigt darüber in seiner Autobiographie.

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