ISO
Die Isetta stammt nicht aus Bayern. Ihre Heimat ist in Turin, zwischen Kühlschränken und Mopeds.
Kühlgerätefabrikant Renzo Rivolta fand zu Anfang der Fünfziger mit Motorrollern und Mopeds ein lukratives neues Geschäftsfeld. Aus dem erwuchs die Isetta – die er aber nie selbst herstellte, sondern nur auf dem Turiner Salon 1954 ausstellte. Dort inspirierte sie den Produktmanager von BMW , der verzweifelt nach einer Idee für sein Werk suchte, ebenso wieErnst Heinkel . Letzterer entwickelte die Isetta-Idee weiter, während BMW eine Fertigungslizenz kaufte. Renzo Rivolta litt also nicht an persönlicher Armut. Im Gegenteil liebte er komfortable schnelle Autos, weshalb er vor allem Engländer fuhr – die Ferrari der Zeit waren ihm zu krude. Ein Auto von Format selbst zu bauen war ihm also nicht zwingende Notwendigkeit, sondern eher persönliches Anliegen.
Und so ging er denselben Weg, den einige Jahre später Ferruccio Lamborghini einschlug: Er nahm die Sache selbst in die Hand. Zunächst nahm er Kontakt zu Gordon Keeble in England auf, die an einem eigenen Projekt arbeiteten, einem eleganten GT. Der Gordon Keeble bekam keinen rechten Start hin, eine Zeitlang erwog Rivolta, die Produktion zu übernehmen – was aber am harten Urteil seines Ingenieurs Giotto Bizzarrini scheiterte: Das bekämen sie selbst besser hin.
Lauwarme Presse für ein tolles Auto
Mit dem neuen ISO folgte Rivolta dem Konzept des Gordon Keeble: Design von Bertone , US-V8, 2+2 Plätze, viel Holz und Leder im luftigen Innenraum. Der inspirierte Bizzarrini zauberte dazu ein hervorragendes Fahrwerk. 1962 präsentierte Rivolta seinen IR300 , erhielt aber nur lauwarme Presse. Das Auto war sicherlich eins der besten in seinem Segment, jedoch litt es an seinem Status als Hybrid, wie man den Begriff damals verstand: als europäisches Luxusautos mit US-Großserienmaschine. Darin unterscheidet sich ISO nicht von anderen Hybriden, etwa dem DeTomaso Mangusta oder Jensen Interceptor . Der Grund: Herz und Hülle standen sich im Weg, vor allem auf dem entscheidenden US-Markt: Für Liebhaber von italienischen Heißblütern war der Motor indiskutabel, Freunde amerikanischer Technik wollten nichts mit italienischen Marken zu tun haben. Europäische Playboys verstanden derweil nicht, warum sie sich einen proletarischen Detroiter Motor unter die Haube packen lassen sollten, wo es doch reinblütige Jaguar , Maserati und Ferrari gab. Renzo Rivolta folgte dennoch dem Konzept, von dem er überzeugt war.
Nach seinem frühen Tod 1966 führte sein Sohn Piero das Unternehmen weiter, allerdings gelang auch ihm der Sprung in eine stabile Serienfertigung nicht. 1974 war ISO pleite. Jeder der rund 1700 gebauten ISO ist eindrucksvoll, besonders der gewaltige Grifo . Trotzdem werden sie bis heute nur von wenigen Sportwagenenthusiasten auf Anhieb der richtigen Marke zugeordnet. Im Nachhinein allerdings kann man Enzo Rivolta nur Recht geben: Italienisches Design und US-Technik harmonieren wunderbar.






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