Heinkel
Ernst Heinkels Kabine sieht eigentlich nicht wie ein Flugzeug aus, dabei wäre es dem Flugzeugkonstrukteur nicht zu verübeln gewesen, sie so aussehen zu lassen, denn seine größten Erfolge und Erfahrungen sammelte er im Flugzeugbau.
Nach seinem Ingenieursstudium arbeitete er ab 1911 einige Jahre als Angestellter bei verschiedenen deutschen Luftfahrzeugunternehmen und konstruierte Flugzeuge. Im Jahr 1922 war es dann soweit, er gründete die Ernst Heinkel Flugzeugwerke in Rostock-Warnemünde. Zunächst konstruierte er für ausländische Auftraggeber Flugzeuge, da nach dem 1. Weltkrieg nur beschränkt eigene Konstruktionen in Deutschland erlaubt waren. 1932 erhielt er für seine Pionierleistungen auf dem Gebiet der Aerodynamik von der Rostocker Universität sogar den Ehrendoktortitel.
Nach der Machtergreifung der Nazis konstruierte der umtriebige Heinkel für die deutsche Luftwaffe Kampfflugzeuge und wurde 1937 zum Wehrwirtschaftsführer ernannt. 1939 startete dann das erste von Heinkel konstruierte Düsenflugzeug zu seinem Jungfernflug. Die Heinkel Werke hielten bis zum Ende des II. Weltkrieges 1352 Patente auf dem Gebiet des Flugwesens und 587 Schutzrechte im Triebwerksbereich, ein Beleg für den Erfindergeist Heinkels.
Am 1. Mai 1945 wurde die Flugzeugproduktion in den Heinkel-Werken gänzlich eingestellt und alle brauchbaren Produktionsanlagen von der Besatzungsmacht Sowjetunion als Beutegut demontiert und anschließend in das ehemalige Zarenreich abtransportiert. Im Jahr 1948 wurde gegen Ernst Heinkel wegen seinen Verstrickungen mit dem Naziregime ermittelt. Nach einem Berufungsverfahren wurde er jedoch von den Alliierten als Entlasteter eingestuft und wagte 1950 einen Neuanfang in Stuttgart mit der Neugründung der Heinkel-Werke.
Der Neuanfang nach dem Krieg
In den ersten Nachkriegsjahren wurden in den neu gegründeten Werken zunächst Motoren für Saab und Maico produziert, sowie eigene Produkte, wie das Moped „Heinkel-Perle“. Ernst Heinkel kam mit seinen neuen Konstruktionen recht schnell wieder auf die Beine. Ab 1953 wurden der bekannte Motorroller „Heinkel Tourist“ mit einem 150 ccm Viertakt-Motor produziert. Im Jahr 1954 gründete er dann in Karlsruhe die „Ernst Heinkel Motorenbau GmbH“. Nach diversen Entwürfen, darunter auch eine mit Schiebetüren, konstruierte er die „Heinkel Kabine“-Version, deren Vorbild die bekannte Isetta war. Jene „Knutschkugel“ hatte Heinkel auf dem Genfer Autosalon 1954 gesehen, und war von diesem Fahrzeugkonzept hell auf begeistert. Die Auslieferung der ersten Kabinenroller aus den Heinkel-Werken begann im März 1956 und endete vorläufig im Juni 1958, also nicht einmal 2 ½ Jahre nach Verkaufsstart. Der Grund dafür waren Fehlkalkulationen, da man pro hergestellter Kabine 400-500 DM verlor. Ernst Heinkel sah dies jedoch als Investition in die Zukunft, denn er beabsichtigte im Jahr 1958 wieder in die Flugzeugproduktion einzusteigen. Jedoch verstarb er im Januar 1958, und er erlebte das vorläufige Produktionsende seiner Kabine nicht mehr mit. Schließlich endete vorerst die Produktion der flinken Kabine nach insgesamt 11.975 gebauten Fahrzeugen in Deutschland und 2000 Lizenzbauten aus Argentinien, was allerdings nur knapp 10 Prozent der Stückzahlen der Isetta entsprach, die noch bis 1962 gebaut wurde.
Ein Ende auf Raten
Die Lizenzen und Fertigungsanlagen für die Kabine wurden zunächst im Herbst 1958 nach Irland verkauft. Die dort hergestellten Fahrzeuge wurden aber weiterhin unter dem Namen Heinkel verkauft. Im Jahr 1960 übernahm dann die englische Firma Trojan (Surrey, England) die Montageproduktion aus noch vorhandenen Teilen. 1961 wurde die Kabine dann in kompletter Eigenfertigung hergestellt, hieß jetzt „Trojan“ und bekam eine Rechtslenkung, blieb aber ansonsten unverändert. Das endgültige Aus der Kabine kam 1967, da sich Trojan nun der Produktion von Sportwagen widmete. Ab 1958 wendeten sich die Heinkel-Werke, wie vom Gründer geplant, im Werk in Speyer wieder dem Flugzeugbau zu. Die Ernst Heinkel Werke gingen schließlich 1964 in der Fokker GmbH auf, welche heute unter dem Namen PFW Aerospace AG bekannt ist. Somit erfüllte sich letzten Endes Heinkels Wunsch, zum Flugzeugbau zurückzukehren. Mit dem Kabinenroller hinterließ er ein interessantes und bewundernswertes Stück Fahrzeuggeschichte.
Die Gemeinde der Heinkelliebhaber ist auch heute noch groß, besonders erwähnenswert ist der Heinkel-Club Deutschland e.V. mit ca 4000 Mitgliedern, welcher sich seit seiner Gründung 1983 auch um die Neuproduktion und den Vertrieb von Heinkel-Ersatzteilen kümmert. (http://www.heinkel-club.de)




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