Ford (USA)
Henry Ford verkaufte sein erstes Auto, ein Model A , am 15. Juli 1903 – vier Wochen nach Gründung der Ford Motor Corporation. Fast ein Vierteljahrhundert später, am 25. Mai 1927 endete die Herstellung des Modells T mit einer Stückzahl von 15.007.033 (nicht gezählt die Auslandsproduktion). Henry Ford war ein außergewöhnlicher Geschäftsmann.
Er war auch ein schwieriger Mensch. Das Jahr 1927 hätte auch den Untergang der Ford Motor Corporation bringen können, wenn Ford sein bewährtes T-Modell nicht aufgegeben hätte. Als er 1947 starb, hinterließ er einen Konzern, dessen Kombination aus Größe und Dynamik in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts höchstens eine Parallele hatte, den Erzfeind General Motors.
Ford beeinflusste den weltweiten Markt
Ford wusste die unerschöpflichen Weiten des US-Marktes als erster anzuzapfen, bis Mitte der Sechziger konnte die Ford Motor Corporation immer wieder Meilensteine setzen. Und wenn Ford Meilensteine setzte, dann waren sie groß genug, den Weltmarkt auf Jahre zu beeinflussen: das T-Modell, der Großvolumen-V8, das Pony Car . Natürlich ging auch mal was daneben – der Versuch, 1958 mit Edsel eine Tochtermarke oberhalb von Lincoln zu positionieren ist bis heute Gegenstand großer (und hämischer) Belustigung.
Insgesamt hatte die Ford Motor Co. jedoch eine glückliche Hand mit ihren Töchtern. In den zehner und zwanziger Jahren gründete sie weltweit nicht weniger als sieben Werke im Ausland, die mit einer Ausnahme (Ford France) bis heute als eigenständige Marken aktiv und vital sind: Ford Kanada, Großbritannien , Frankreich , Deutschland , Australien, Argentinien, Brasilien. Zu guten Teilen speiste sich der Impuls zur Gründung dieser Ableger aus den Aktivitäten von General Motors. In jenen Jahren expandierte nämlich auch GM, verfolgte dabei aber eine fundamental andere Strategie (GM kaufte existierende Marken).
Die herzliche Konkurrenz zu General Motors brachte Ford auch zur Gründung zweier inländischer Töchter: Wo GM “eine Marke für jeden Geldbeutel” bot, setzte Ford 1920 Lincoln als Luxus – und Technologiemarke ein und füllte die Lücke zur Ford-Basis 1938 mit Mercury . 20 Jahre später kam die unglückliche Marke Edsel hinzu; nicht minder kurzlebig war 1985 Merkur, der halbherzige Versuch, europäische Entwicklungen in den USA zu vermarkten.
Neben dem T-Modell konnte Ford zwei weitere Male Vorlagen liefern, die GM und andere Hersteller sprachlos machten: 1932 die Einführung des massenproduzierten V8 und 1964 die Erfindung des Pony Cars. Der erste Ford-V8 war ein überdurschnittlich kraftvolles, kompaktes Aggregat, das nach etablierter Ford-Praxis für wenig Geld zu haben war. Während der Dreißiger gab es kaum ein vergleichbares Angebot auf dem US-Markt, zumindest was das Preis-Leistungs-Verhältnis anging. Der Flathead-V8 wurde, in den Grundzügen unverändert, bis 1954 in Neuwagen eingebaut und zählt zu den erfolgreichsten Motoren der Geschichte.
Das erste Pony Car schlägt ein wie eine Bombe
Die bisher letzte Großtat war die Einführung des Ford Mustang . Die Idee geht zurück auf den Automanager Lee Iacocca , damals bei Ford, der sportliches Prestige mit einer massenproduzierten Bodengruppe paarte. Der Mustang schlug ein wie die sprichwörtliche Bombe und blieb für zehn Jahre das erfolgreichste Pony Car.
Mit den Siebzigern setzte auch bei Ford der Verfall ein, der die gesamte US-Autoindustrie bis heute lähmt. Ford fand weder auf die Flut günstiger und funktionabler Importe aus Europa und Fernost noch auf die US-Umwelt – und Sicherheitsgesetzgebung eine rechte Antwort. Spätestens Anfang der Achtziger hatten die Autos von Ford die Strahlkraft der Dreißiger oder Fünfziger verloren, ohne das qualitative und technische Niveau von Importen zu bieten. Die Gründung der Premier Automotive Group durch Übernahme von Jaguar , Volvo und Aston Martin führte nicht wie erhofft zu einer Stärkung des Gesamtkonzerns, sondern im Gegenteil zu einer Schwächung der neuen Töchter. Zu Anfang des 21. Jahrhunderts hätte die Ford Motor Corporation ohne ihre dynamische Tochter Ford Europe kaum überlebt.









