Ford (F)
Ford hatte insgesamt recht ordentlich Erfolg mit seinen Unternehmungen in Europa. Nur in Frankreich nicht. Vielleicht lag es daran: Ford France war gewissermaßen die Tochter einer Tochter, eine Gründung aus der englischen Ford Motor Company .
Ab 1916 produzierte das Werk in Bordeaux das T-Modell , zog 1925 nach Asnieres im Pariser Umfeld und stellte wie die Zentrale in Detroit 1927 auf Ford A um, vier Jahre später auf den englischen Typ Y. Allerdings konnten die Franzosen mit diesen Autos nichts rechtes anfangen, der Absatz blieb hinter den Erwartungen zurück. So ging Ford eine Allianz mit dem schwächelnden Hersteller Mathis aus Straßburg ein: Ab 1936 konnte man den Matford Alsace kaufen, mit Karosseriegestaltung nach französischem Geschmack und Ford-V8. Das brachte endlich den gewünschten Erfolg, zumal es sonst keinen V8 auf dem französischen Markt gab (ausgenommen ein Chenard-Walcker, der ebenfalls mit Ford-V8 lief).
Im Verlauf des Jahres 1939 wurde den Chefs des Straßburger Werks die Nähe des aggressiven Dritten Reichs auf der anderen Rheinseite zu unangenehm. Man suchte und fand ein neues Werk in Poissy bei Paris und beendete die Zusammenarbeit mit Mathis. Der Umzug nutzte nicht viel – im Juni 1940 stand das neue Werk unter deutscher Kontrolle und stellte auf Kriegsproduktion um.
Endlich ein französischer Ford
1948 stellte Ford France die erste Eigenkonstruktion vor, den Vedette . Dieser Typ besitzt den bewährten V8 und zeichnet sich durch zweierlei aus: Die Karosseriegestaltung nimmt den 1949er Mercury vorweg, vor allem aber ist die Vorderachse nach Ideen des Ford-Konstrukteurs Earl MacPherson ausgelegt. Das MacPherson-Federbein , heute eines der am weitesten verbreiteten Aufhängungssysteme, debütierte also in einem halb vergessenen Ford.
Die französische Gesetzgebung begann zu Anfang der Fünfziger, Klein – und Kompaktwagen zu fördern – nicht ohne Grund, immerhin war der Kleinwagenspezialist Renault seit 1945 in Staatsbesitz. Autos mit großvolumigen Motoren unterlagen einer zunehmend harten Besteuerung, weshalb die Verkaufszahlen bald einbrachen. 1955 kam die Ablösung des Vedette – allerdings nicht mehr als Ford. Im Jahr zuvor hatte Ford das Werk an die aufstrebende Marke Simca verkauft, das neue Auto wurde als Ariane bekannt.
Warum warf Ford die Flinte ins Korn? Für heutige Begriffe ist das kaum nachvollziehbar – aber damals operierten die Ford-Werke noch weitgehend separat. Die Idee eines Europa-Autos entwickelte sich erst ein Jahrzehnt später – dann aber ohne Ford Frankreich.



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