Alfa Romeo


“Cuore sportivo”. Ein Werbespruch, aber einer mit Gehalt. Ende der Neunziger fand Alfa Romeo zu sich selbst zurück, was nicht zuletzt an zunehmender Schwäche der Muttermarke Fiat lag. Eine Zeitlang hatte Alfa sein Profil verloren und schwer verdauliche Autos gebaut: Sie hatten die Ausstrahlung früherer Alfas verloren, aber an Qualität nicht gewonnen. Strategisch neu ausgerichtet – oder besser: wieder auf die alte Linie ausgerichtet, versucht Alfa Romeo heute wieder mit Sportlichkeit zu punkten.Es ist eine Rückkehr zu Wurzeln, die so tief reichen, dass man sich fragt, wie Alfa diese Wurzeln überhaupt vergessen konnte. Während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war der PKW-Bau bei Alfa Romeo vor allem eine sehr starke Rennabteilung mit angehängter PKW-Produktion. Alfas Straßenautos von 1950 hatten vor allem die Aufgabe, das ehrgeizige Rennprogramm zu finanzieren.

Viele große Namen 

 Wen das an Ferrari erinnert, der liegt richtig: Enzo Ferrari kam 1922 als Rennfahrer zu Alfa Romeo und wurde bald Rennleiter, ein einflussreicher Posten. Ferrari verließ Alfa erst 1939, als er sich gegen den technischen Direktor Wilfredo Ricart nicht durchsetzen konnte.Ricart war ein Konstrukteur von besonderem Format. Von denen fanden sich in dieser ersten Phase der Alfa-Geschichte noch mehr: Vittorio Jano zum Beispiel, ein wahrlich begnadeter Konstrukteur, dessen Rennwagen in den Zwanzigern europäische Rennstrecken wahrhaft dominierten. Oder Janos Zögling Gioacchino Colombo, ein inspirierter Motorenkonstrukteur, der später Ferraris ersten V12 bauen würde. Nicht vergessen sei der Werksfahrer Tazio Nuvolari , der 1929 zu Alfa Romeo kam, wo er sich zu einem Jahrhundertfahrer entfaltete.

Rettung durch Volumenproduktion

 Nach dem Krieg versuchte Alfa Romeo zunächst, an alte Erfolge anzuknüpfen, musste jedoch bald einsehen, dass es mit Rennsport und schnellen luxuriösen Autos kein Überleben gab. Man nahm also einen großen Schritt und führte neuzeitliche Konstruktions – und Produktionsmethoden ein. Der Alfa Romeo 1900, vorgestellt 1950, brachte selbsttragende Karosserien und Fließbandfertigung. Damit legte Alfa Romeo die Basis für sein Überleben.Der 1900 führte den dohc-Vierzylinder in die Volumenproduktion bei Alfa ein. Dieses Motorenlayout ist im Verständnis von Markenfans zum Alfa-Motor schlechthin geworden: drehfreudig, kraftvoll, von wundervollem Ton. Die populärsten Alfas hatten diesen Motor bis in die Neunziger. Er war jedoch bei weitem nicht der einzige wichtige Alfa-Motor. Ab 1972 gab es einen Vierzylinder-Boxer, der kompakte Alfas bis in die Neunziger antrieb; daneben allerlei schöne Sechszylinder.

Abstieg und Neustart

 Mit dem Alfasud versuchte Alfa Romeo, sich den wichtigen Markt der Kompaktwagen zu eröffnen, erreichte jedoch genau das Gegenteil: Verluste statt Stabilität. Dies lag zum Teil an äußeren Einflüssen, darunter die Ölpreiskrise 1973, aber auch an eskalierenden Qualitätsproblemen. Alfa rutschte in die roten Zahlen und fiel 1987 an den Fiat-Konzern. Dies rettete zwar die Marke, Alfa verlor jedoch massiv an Profil.Als Werbestrategen Ende der Neunziger das Cuore sportivo wiederentdeckten, war die Marke bereits auf dem Weg zurück zu sich selbst: In seinen ersten Jahrzehnten hat Alfa Romeo sich eine enorm starke sportliche Substanz geschaffen, die im Grunde bis heute trägt. Einer der bemerkenswertesten Alfas der Nachkriegszeit, die Alfetta, zeigt dies: Der Antriebsstrang mit dohc-Vierzylinder und Transaxle-Layout, ein exzellentes Fahrwerk – das ist sportliche Technik auf höchstem Niveau.

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