Aero


Am Anfang der Prager Marke standen Flugzeuge für die zivile Luftfahrt. Was noch bei der Werksgründung 1919 noch wie die Boom-Technologie der Zukunft aussah, geriet spätestens mit der Weltwirtschaftskrise 1928 ins Stocken. Es gab einfach nicht genug Geld für teuren Luftverkehr. Das Werk litt an Überkapazitäten – da entdeckte die Geschäftsleitung den Ingenieur Bretislav Novotny und seinen ENKA.

Das war ein winziges Auto, ein Leichtmobil mit 10 PS-Einzylinder-Zweitakter, gut für zwei Personen, dem deutschen Hanomag 2/10 PS “Kommissbrot” vergleichbar, wenngleich konventioneller in der Erscheinung. Novotny hatte kurz zuvor eine Kleinserie von handwerklicher Prägung begonnen, in einer kleinen Werkstatt, mit geringen Mitteln und wenig Personal. Die Wirtschaftskrise bedrängte nun auch ihn, daher kam das Angebot des Flugzeugherstellers genau zur rechten Zeit. Aero kaufte sein Auto, heuerte ihn selbst als Entwicklungsingenieur an und gab ihm den Auftrag, den ENKA zum Aero weiter zu entwickeln. Die Konstruktion und den Bau von Flugzeugen für die zivile Luftfahrt betrieb Aero derweil weiter.

Ein Aero für den schmalen Geldbeutel

Auf dem Prager Autosalon im Oktober 1929 stand nun der Aero 10 und erhielt großes Lob. Dass er tatsächlich besser war als Autos anderer tschechische Marken, darf man bezweifeln – die tschechische Republik befand sich auf einem technischen Höhenflug; Tatra , Walter und Škoda hatten sehr fortschrittliche Autos im Angebot. Allerdings keine Leichtmobile, die auch ein einfacher Arbeiters finanzieren konnte. Der Aero 10 war ein Volksauto für schmalere Geldbeutel, interessant zum Beispiel für Motorradfahrer, die sich mehr Komfort wünschten. Aero lag offensichtlich richtig, denn der Aero 10 verkaufte sich ordentlich und enttäuschte seine Besitzer nicht – bereits ein Jahr nach Produktionsbeginn gründete sich der Aero Car Club, dessen Mitglieder mit ihren Autos die erstaunlichsten Reisen unternahmen und stets begeistert zurückkehrten.

1931 entwickelte Aero einen neuen, eigenständigen Zweizylinder von 662 ccm, den Typ 18 – endlich konnte man auch vier Personen in einen Aero setzen, ohne am nächsten Berg zu verzweifeln. Dieses Auto steht ein wenig außerhalb der Kontinuität der Aero-Modellfolge, obwohl es auf die vergleichsweise ordentliche Stückzahl von 2575 kam. Der entscheidende nächste Schritt kam mit einem Zweizylinder, der direkt auf dem bewährten Einzylinder basierte, entsprechend den doppelten Hubraum von 998 ccm besaß und 20 PS leistete. Mit diesem Typ 20 war Aero auf dem Weg zum vollwertigen Auto. Das kam 1934 mit dem Aero 30 . Dieser Wagen war grundlegend neu, Aero fand damit Anschluss an das hohe technische Niveau der inländischen Konkurrenz. Basis des Aero 30 ist der äußerst fortschrittliche Plattformrahmen, kombiniert mit Frontantrieb. Der Motor brachte beachtliche 30 PS aus 998 ccm; er leitete seine Kraft vorwärts ins Dreiganggetriebe und weiter vorwärts ans Differential. Dank Plattformrahmen war der Aero 30 leicht, konnte mit beliebigen Karosserien versehen werden, die allesamt vergleichsweise flach ausfielen. Der Aero 30 war auf den ersten Blick als extrem modernes Auto zu erkennen. Entsprechend erfolgreich wurde er.

…ein weiterer Schritt

Aero ging 1936 noch einen Schritt weiter: Man verlängerte den Zweizylinder um zwei weitere Zylinder und hatte nun einen 50 PS-Motor von 1997 ccm. Damit ließen sich erstaunliche Fahrleistungen erzielen, den Aero 50 konnte man auf Wunsch sogar als Luxusauto erhalten, etwa vom fabelhaften Karossier Sodomka in Vysoké Mýto. Das Ende der Unabhängigkeit kam plötzlich, sowohl für die tschechoslowakische Republik als auch für Aero und andere Hersteller, nämlich mit der deutschen Okkupation ab 1939. Aero entwickelte noch zwei Fahrzeuge, den kompakten Pony mit Hinterachsantrieb und 750er-Zweizylinder, und den Rekord, ebenfalls heckgetrieben mit einem 1500er-Vierzylinder-Zweitakter.

Es blieb bei einer Handvoll Prototypen. Leider startete Aero die Autoproduktion nach 1945 nicht mehr. Die Herstellung von Flugzeugen, schon immer das Hauptgeschäft bei Aero, läuft dagegen bis heute. 1960 gründete sich der Aero Car Club neu, jetzt allerdings vor allem als Plattform zur Erhaltung von Vorkriegsautos. In den ersten Nachkriegsjahren entstanden einige Fahrzeuge unter dem Namen “Aero Minor”. Dies sind jedoch keine Aero-Produkte, sondern stammten vom Konkurrenten Jawa. Später hießen sie korrekt Jawa Minor.

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