Talbot Matra Rancho X: Der Französische Pionier
Vorläufiges Ende im Autohaus
Der Wagen stand im Hof jenes Nürnberger Autohauses, das im Auftrag des Erstbesitzers bis dato jede Reparatur und jeden Kundendienst an dem 1982 gebauten Kombi durchgeführt hatte. Der Wagen wurde 22 Jahre als Behindertentransporter gebraucht - er war bereits als Neuwagen entsprechend umgebaut worden - bis das auf einen Rollstuhl angewiesene Familienmitglied verstarb. Danach wollten die Hinterbliebenen den Wagen verschrotten lassen. Marcel Catalano, als Schriftführer im Matra Club Deutschland aktiv, hörte davon – und durfte, da auch der Werkstattleiter ein Herz für Matra hatte, den Wagen kostenlos mitnehmen: „Ein Rancho mit lückenlos ausgefülltem Kundendienstheft, originalen 84.000 Kilometern auf dem Tacho und mehr als einem Jahr TÜV für geschenkt – da konnte ich einfach nicht nein sagen!“
Rost trotz vollem Scheckheft
Das war im Herbst 2004. Bis zum Beginn der nächsten Saison hatte Marcel sich vorgenommen, ein paar Schönheitsreparaturen durchzuführen, um den seltenen Rancho in der X-Ausstattung, also der Luxusversion, zu optimieren. Da die vorderen Kotflügel an den neuralgischen Stellen Rost zeigten, wollte Marcel sie ersetzen. Dabei stieß er auf weitere Rostschäden an der A-Säule in Höhe der Türscharniere. „In diesem Moment fiel die Entscheidung: Sekt oder Selters!“ erinnert sich Marcel, der daraufhin den Plan fasste, den Rancho einmal gründlich– und dafür möglichst dauerhaft – zu sanieren. Das umfasste zunächst die vollständige Beseitigung der braunen Pest. Damit einher gingen der Nachbau der A-Säulen ebenso wie die Sanierung der Fahrertür und der Austausch der Außenschweller auf beiden Seiten. Die darunter liegenden Wagenheberaufnahmen wurden ebenfalls neu angefertigt. Abschließend erhielt der Rancho eine gründliche Konservierung und eine neue Lackierung im Originalfarbton.
Ungetrübte Anfangsfreuden
Die Technik hingegen ließ Marcel einstweilen unberührt, denn „der Wagen war regelmäßig gewartet worden, und viele Verschleißteile wie die komplette Bremsanlage waren fast neu. Warum hätte ich dort also heran gehen sollen?“
Die folgende Zeit gab Marcel Catalano Recht. Rund zwei Jahre lang brachte der kastenförmige Matra seinen Eigentümer während seiner Zulassungssaison störungsfrei ans Ziel, vom Ausfall eines Zündschlosses einmal abgesehen.
Der Einpark-Horror
Doch direkt zu Beginn der Saison 2007 brach das Unheil über ihn herein. Es nahte in Gestalt einer jungen Corsa-Fahrerin, die beim Rückwärtsfahren in einer Einbahnstraße die gesamte linke Seite des Matra entlang schrammte und beschädigte. Der Gutachter schätzte den Schaden am nächsten Tag auf rund 7.000 Euro. Die gegnerische Versicherung zahlte letztendlich, aber Marcel war die Saison dennoch verleidet, denn er wollte mit seinem silbernen Kombi unbedingt zum internationalen Treffen „30 Jahre Rancho“ ins mediterrane Saint Tropez. In einwöchiger Arbeit beseitigte Marcel, gemeinsam mit einem Clubfreund, in dessen Erdinger Lackier- und Spenglerwerkstatt die Unfallschäden.
Dringende Mission in St.Tropez
Auf der Heimfahrt spürte Marcel nachlassenden Bremsdruck. Ein undicht gewordener Bremskraftverteiler an der Hinterachse stellte sich als dessen Ursache heraus. Nach dem Austausch des schadhaften Teils schien alles in Ordnung zu sein, bis auf ein leichtes Quietschen beim Linksabbiegen. Dem schenkte Marcel zunächst keine weitere Beachtung, und so ging es zwei Tage später auf die lange Reise an die Côte d’Azur.
Rancho Fahren ist Abenteuer
Es sollte eine abenteuerliche Fahrt werden, die an dieser Stelle in Kürze Thema einer Carsablanca-Blechgeschichte werden dürfte. Nur so viel: Das erwähnte Quietschen war der Vorbote eines defekten hinteren Radlagers. Ein gebrochenes Kreuzgelenk an einer Antriebswelle und ein angescheuerter Bremsschlauch waren nur einige der weiteren Unbillen, mit denen der gelernte Offsetdrucker auf der Tour zu kämpfen hatte. „Aber das Treffen war es wert“, bilanziert Marcel. „So sind einige der hier gezeigten Fotos exakt an jenen Orten entstanden, wo 1976 die Aufnahmen für die Kataloge und die Pressemappen vom Rancho für Matra gemacht wurden“. So was hat nun mal nicht jeder…
Diese Heldengeschichte über den Talbot Matra Rancho 1500 Modell X entstand mit freundlicher Unterstützung des Carsablanca-Mitglieds Matracat
Mehr Informationen zum Matra Rancho
Matra Rancho im Carsablanca Magazin
Matra Rancho im Carsablanca Marktplatz
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Diskussionen
@Xaver: der Wagoneer und der Range waren doch eher luxuriös ausgelegte, aber immer noch im besten Sinne geländegängige Offroader. Das, was heute als SUV bezeichnet wird, ist ja eher ein Ding, das dem Aussehen nach an einen Offroader erinnert, ohne die großen Gelände-Fähigkeiten mitzubringen. Und da ist der Rancho, der auch auf die Spaß-Gesellschaft zielte, gedanklich doch etwas näher dran.
So toll wie der Rancho auch ist, der Urvater der SUV's ist er leider nicht: Jeep Wagoneer war einer (!) der ersten in 1963, aber viele moechten dem Range Rover (1970) diesen Ehrentitel verleihen.
Der Rancho ist wahnsinnig selten und ein echt auffallend tolles Gefaehrt!
Warte schon gespannt auf die Blechgeschichte der Reise!
Gruesse und Frohe Weihnacht aus Virginia!