Seat Bocanegra: Debut mit schwarzer Schnauze
Benzin im Blut
Ein solches Auto hier in Deutschland zu besitzen und mit Begeisterung zu fahren, lässt vermuten, dass auch der Eigentümer von der iberischen Halbinsel stammt. Genauso ist es: José Vicente Remon Honrubia (den wir hier der Einfachheit halber José nennen wollen) ist gebürtiger Spanier, doch inzwischen seit längerem in Niedersachsen ansässig. Im Deutschen Norden steht er in den Diensten der Automobilindustrie. Wie viele Menschen in diesem Berufsumfeld auch, hat José einen gehörigen Schuss Benzin im Blut und fachsimpelt gern mit seinen Kollegen. Die teilen seine Interessen,auch wenn sie aus anderen Ländern stammen.
Der Stolz Spaniens
"Eines Tages habe ich mit einem britischen Kollegen über die Vorzüge und Nachteile der Fahrzeuge aus unseren jeweiligen Heimatländern diskutiert“, berichtet José. „Das war ähnlich, wie wenn Jungs Autoquartett spielen. Ich war dabei, etwas ins Hintertreffen zu geraten, bis ich begann, vom Seat Bocanegra zu berichten.“ Den kannte der Brite nicht, also musste das Internet als Wissensspender herhalten. „Danach hat mich der Gedanke an das Auto nicht mehr los gelassen“, gibt José zu. Was als Spielerei unter Männern begann, entwickelte sich zur Obsession.
Die kurze Karriere des Bocanegra
Doch in Deutschland war ein solches Fahrzeug nicht aufzutreiben. Zwar hatte der Importeur Walter Hagen von 1977 an das zweitürige Coupé nach Deutschland importiert, aber die wenigen verkauften Stücke sind mittlerweile alle verschwunden. Viele werden es ohnehin nicht gewesen sein, denn bereits zwei Jahre später wurde das Modell eingestellt, ohne einen Nachfolger zu bekommen. Dabei handelte es sich um die erste Eigenentwicklung der spanischen Autobauer, die bisher nur Fiats in Lizenz nachgebaut hatten. Auf Fiatteilen basiert auch der Bocanegra, der eine Kombination aus dem Fahrgestell des 127 mit den Motoren der 124er Reihe wart.
Der Fund in der Heimat
Nach langer Recherche fand der Mann aus Südeuropa in einer Online-Auktion sein heutiges Prachtstück in Spanien. Der Wagen stammte aus dem letzten von vier Produktionsjahren, also 1979. Der Verkäufer war erst der zweite Besitzer und selbst ein Auto-Enthusiast, der seine Sammlung verkleinern wollte. Das in „champagner-goldmetallic“ lackierte Coupé, dessen Seitenansicht manchen Betrachter an einen geschrumpften Oldsmobile Toronado mit gechoppter Front und koupiertem Heck erinnert, war laut Beschreibung in gutem Zustand. So kaufte José den Wagen nach den Angaben des Verkäufers, flog mit einer Billig-Airline von Hannover aus in die Heimat seiner Ahnen und stand dort seiner Neuerwerbung erstmals gegenüber.
Erster Kontakt
Es bestätigte sich der Zustand 2 – zumindest optisch. Technisch bestand allerdings noch etwas Handlungsbedarf, wie sich auf den ersten Kilometern heraus stellte: „Der Kühler begann zu kochen“, erinnert sich der Eigentümer. „Das war erst einmal ein Schock, doch die Ursache war schnell gefunden: Der Thermostat war defekt“. Es folgte die Zulassung in Deutschland, die – entgegen anfänglicher Befürchtungen – ohne große Schwierigkeiten von statten ging.
Ein Auto braucht Gesang
Das nächste Mal zeigte der „Schwarze Mund“ (diese Bezeichnung trägt das Seat Coupé aufgrund seiner schwarzen Kunststofffront, die ihn wie einen straßenzugelassenen Versuchsträger wirken lässt) seinem Fahrer eine lange Nase, als er einen Ausflug in den Harz machte. „Plötzlich war alles dunkel – Ausfall der Bordelektrik“, denkt José mit Schaudern an die Fahrt zurück. Ein Neustart des Wagens unter Streicheln und Absingen spanischer Lieder behob das Problem vorübergehend, doch kurze Zeit später trat das Phänomen auf der Heimfahrt vom Arbeitsplatz in Wolfsburg zu Josés Domizil in Braunschweig erneut auf: „Sobald ich das Bremspedal berührte, war alles im Auto aus – also spätestens bei jedem Ampelstopp“, erläutert José. „Das hieß: rechts ran rollen, neu starten, und weiter bis zur nächsten Ampel…“ Ein neues Zündschloss löste das Problem schließlich dauerhaft.
Ansonsten ist der kantige Seat weitgehend im Originalzustand, wenn man von den neu bezogenen Sitzen absieht. Die 77 Pferde unter der Haube können heute etwas besser atmen, seit der originale Vergaser durch einen 34er Weber in Kombination mit einem Sportluftfilter ersetzt wurde. Die nachgerüsteten CD 30 Crommodora Alufelgen stehen ihm ganz gut und sind zeittypisch. Und was freut José nun am meisten an seinem Seat Coupé? „Dass ich es besitze! Das ist, als hätte ich ein Stück der Spanischen Heimat nach Deutschland geholt.“
Autor: Michael Grote
Diese Heldengeschichte über den Seat 1430 Sport "Bocanegra" entstand mit freundlicher Unterstützung des Carsablanca-Mitglieds JO53.
Mehr Informationen zum Seat 1430 Sport "Bocanegra"
Seat Bocanegra im Carsablanca Magazin
Seat Bocanegra im Carsablanca-Lexikon
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Diskussionen
Mir gefällt das Teil auch sehr gut. Für einen Kleinwagen in jedem Fall ein sehr gelungenes Styling.
Durch das schlichte, aufgeräumte Design wird der Bocanegra wirklich sehr zeitlos. Fast schon ein wenig bullig und irgendwie gestaucht, so als sollte er eigentlich mal ein etwas längerer Wagen werden.