Fiat 128 Familiare: Der Würfel-Ferrari

Auf dem Turiner Salon im April 1969 wurde zur Tatsache, was zuvor monatelang als Gerücht kursierte: Fiat ersetzte die seit 1953 gebaute und immer wieder verbesserte Baureihe 103, bekannt als Millecento.
Fiat 128 Familiare: Der Würfel-Ferrari
Die Abkehr vom Gewohnten
Was da im Scheinwerferlicht auf dem Präsentierteller stand, war allerdings mehr als ein Nachfolger: Die komplette Neukonstruktion stellte alles auf den Kopf, was man bisher von dem bedeutensten italienischen Autoproduzenten in diesem Segment gewohnt war. Es handelte sich um den ersten Fiat mit Frontantrieb. Der quer eingebaute Frontmotor mit 1.116 ccm Hubraum und einer Leistung von 55 PS brachte das rund 800 Kilogramm leichte Auto auf eine Höchstgeschwindigkeit von über 140 Stundenkilometern - Ende der Sechziger Jahre ein in der Kompaktklasse respektabler Wert. Ein Durchschnittsverbrauch von rund 8 Litern Superbenzin pro 100 Kilometer kann auch heute noch als einigermaßen zeitgemäß durchgehen.
Der Kombi kommt später
Wenige Monate nach dem Berlina genannten Stufenheckmodell kam der stets nur dreitürig angebotene Kombi unter der Bezeichnung Familiare auf den Markt. Kaum vier Jahre später dann das erste vorsichtige Facelift: Die Hörner verschwanden von den Stoßstangen zugunsten einer Vinylleiste, ein schwarzer Kunststoffgrill mit schmalen Querstreifen anstelle des Wabengrills sollte die Fahrzeugfront vorteilhafter erscheinen lassen. So wurde auch das hier gezeigte Exemplar des 128 Familiare ausgeliefert. Es ist eines von heute nur noch knapp 30 beim Kraftfahrtbundesamt in Flensburg registrierten 128er Kombis deutschlandweit.
Ein treues Mitglied der Familie
Der limonengelbe Wagen verbrachte die ersten 25 Jahre seiner Existenz im tiefsten Süden der Republik. Er wurde innerhalb einer Familie über drei Generationen weitergegeben. „Sein Erstbesitzer hat ihn als Neuwagen hohlraumversiegeln lassen“, weiß sein späterer Eigentümer. „Von 1988 an war er dann jeden Winter abgemeldet. Das alles hat ihn gewiss vor dem gefährlichen Rostfrass bewahrt.“ Entsprechend ist der seltene Kombi in einem erstaunlich guten, bis heute unrestauriertem Zustand.
Das Auto trägt sein Alter offen zur Schau
Bis auf zwei unerhebliche Schweißstellen besteht er überall aus originalem Blech. Dabei handelt es sich keineswegs um ein „totgepflegtes“ Exemplar. Der Lack ist stellenweise verwittert, Chrom und Blech weisen einige Dellen auf. „Er erzählt halt die Geschichte von mehr als 30 Jahren Alltagsbetrieb“, bilanziert sein Eigentümer kurz den Zustand. Das sehen die Experten offenbar genau so: Der gelbe Familiare hat die Hürde der H-Abnahme für historische Fahrzeuge problemlos und auf Anhieb gemeistert.
Der Anti-Käfer?
Mit dem 128 ist Fiat ohne Zweifel ein großer und richtungweisender Wurf gelungen. Wir sehen in ihm den Kleinwagen der siebziger Jahre schlechthin“, schrieb die „Deutsche Automobil Revue“ anlässlich der internationalen Pressevorstellung im Frühjahr 1969. Andere zeitgenössische Tester äußerten sich ähnlich euphorisch. Vom „Anti-VW aus Turin“ war sogar die Rede. Dabei hatten die italienischen Autobauer den Käfer zu allerletzt im Visier, als sie ihre neue Baureihe 128 vorstellten. In Deutschland war an der übermächtigen Vorherrschaft des Wolfsburgers in den ausgehenden sechziger Jahren noch nicht zu kratzen, und im restlichen Europa spielte der deutsche Krabbler ohnehin keine entscheidende Rolle, war seine bevorzugte Exportstrecke doch der Weg über den großen Teich.
Moderner als die Konkurrenz
Die Konkurrenten des Fiat 128 an der Schwelle zu den Siebziger Jahren hießen vielmehr Simca 1100 und Peugeot 304, aber auch Ford Escort oder Opel Kadett.
Im Vergleich vor allem zu den letzten beiden Konkurrenten erwies sich der Fiat 128 als sehr agil. Sein drehfreudiges Triebwerk und das sportlich ausgelegte Fahrwerk mit McPherson Federbeinen vorn und Dämpferbeinen hinten mit dazwischen liegender Querblattfeder war bei seinem Erscheinen eine topmoderne Konstruktion und braucht sich auch heute nicht zu verstecken.
Viel Raum auf wenig Fläche
Besonders der hier vorgestellte Kombi ist zudem ein sehr praktischer Alltags-Oldie. Obwohl deutlich kürzer als beispielsweise ein Käfer der zeitgenössischen 1303 Serie, bietet er dank optimaler Raumausnutzung erheblich mehr Platz für Passagiere und Gepäck. Dazu kommt die leichte Beladbarkeit durch die große Heckluke mit niedriger Ladekante und die kombitypisch (komplett) umlegbare Rückbank. Außerdem weist der 128 Familiare einige bemerkenswerte Ausstattungsdetails auf: Wann haben Sie bei einem Zweitürer schon einmal Kurbelfenster im Fond gesehen? Dazu kommen ausstellbare Dreiecksfenster in den Türen und ein stufenlos fixierbares „Handgas“, sozusagen ein mechanischer Tempomat.

Trennungsgrund: Zu klein für große Hänger
Der Fiat 128 ist bis heute, was er bereits bei seiner Präsentation 1969 war: Ein vernünftig konzipiertes Auto.  Er weiß seit jeher durch seinen agilen Motor und sein sportliches Fahrwerk zu gefallen. Verbrauch und Fahrleistungen können auch heute noch überzeugen. Dennoch hat der Fiat-Fan, dem er über mehrere Jahre auch als Zugfahrzeug für einen kleinen Wohnwagen auf dem Weg zu Oldtimertreffen diente, ihn vor geraumer Zeit in andere Hände gegeben. „Wir wollten gern einen größeren Oldtimer-Caravan, und damit war der 128er als Zugfahrzeug einfach zu klein“, lautet die Begründung. Nun bereitet der limonengelbe Kombi dem nächsten Besitzer Freude – und so wird das vermutlich noch etliche Jahre bleiben.

Diese Heldengeschichte über den  Fiat 128 1100 Kombi Basis entstand mit freundlicher Unterstützung des Carsablanca-Mitglieds Reporter 

 

Mehr Informationen zum Fiat 128

Bilder vom Fiat 128

Fiat 128 im Carsablanca Magazin

Fiat 128 im Carsablanca Marktplatz 

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Autor: Michael Grote (Reporter) am 02.01.2010


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Reporter
Reporter 02.01.2010

Der Schuh hat aus drei Gründen seine Daseinsberechtigung:

1) klauen einem die Blagen alles andere von der AHK, selbst aufgeschnittene Tennisbälle.

2) hat der Schuh eine Fettfüllung, das schmiert den Kugelkopf und die Finger der Klaubrüder *fg*.

3) dient er beim zurücksetzen als Puffer: Der eng hinter mir Parkende hat keinen Düllen vom Kugelkopf, sondern lediglich einen fragmentarischen Sohlenabdruck. Damit kann (zumindest) ich gut leben...

youngtimer_freund
youngtimer_freund 02.01.2010

Geil...ein Speckiger alter Turnschuh an der Kupplung. Da muss ich gleich an meinen Vater denken, der hatte auch diese Art alte Schuhe noch mal nutzen zu können.

Grüße youngtimer_freund