DKW Monza: ein rarer Renner

2 Takte für ein Halleluja: Der DKW Monza ist ein schwer unterschätzter und ganz seltener Sportwagen. Carsablanca-Mitglied Bartholomäus Galter hat einen ergattert
DKW Monza: ein rarer Renner

Wenn dieser Mann von Autos spricht, dann meint er eigentlich Sportwagen. Dann erzählt er von Bestzeiten zwischen Luxemburg und der eigenen Haustür, von linken Fahrstreifen auf freien Autobahnen und von neun Litern, selbst bei Vollgas im vierten Gang. Dabei würde wohl niemand vermuten, das Bartholomäus Galter (easyberty) ausschließlich von Autos schwärmt, die längst schon Jahrzehnte auf Achsen sind.

„Ich fahre meine Autos, ich putze nicht nur“, sagt er mit einer Selbstverständlichkeit, die eher zum Besitzer eines Golf GTI passen würde als zu jemandem, der Zehntausende für historische Schätzchen berappt. Für einen Ferrari Dino GTS, zum Beispiel. Den wollte er unbedingt haben, weil Tony Curtis damit durch die Sendung „Die Zwei“ bretterte. Für den 195 PS starken Italiener aus dem Jahr 1973 ging ein Teil des Verkaufserlöses von Galters Eigentumswohnung drauf. Und als im Jahr 2006 eine auf zehn Stück limitierte Neuauflage des weitgehend unbekannten DDR-Sportflitzers Melkus RS 1000 für rund 50.000 Euro pro Stück verkauft werden sollte, stand Galter ganz vorn in der Reihe: „Zuerst sollte ich das siebte Exemplar bekommen. Dann sprang der Käufer für das erste Modell ab und ich hab natürlich sofort zugeschlagen. Was für ein Glück!“

Ein Schätzchen, das ist aber auch der DKW Monza, der kleinste der drei Flitzer in Galters Garage. Und das nicht erst heutzutage, da noch knapp zwanzig Modelle bekannt sind. Schon in seinem Entstehungsjahr war der Wagen eine Rarität: Nur 155 Modelle wurden überhaupt gebaut. „Ich habe immer von einem Monza geträumt“, sagt Galter. „Und nie daran geglaubt, tatsächlich einen zu bekommen.“

Wäre die Geschichte zwischen dem 57-Jährigen und seinem Monza die von zwei Liebenden, sie lieferte die gesamte Dramaturgie einer Romanze mit Happy End: Die Hoffnung auf die große Liebe längst aufgegeben, begnügt sich der Protagonist mit Vergleichbarem, bevor das Paar nach allerlei Wirrungen vollkommen unverhofft dann doch noch zueinander findet. „Ich hatte die Hoffnung auf einen Monza eigentlich begraben“, sagt Galter. „Aber vor fünf Jahren war es trotzdem mal wieder Zeit für einen DKW.“ Für einen Wagen der Marke, die er schon 1969 gefahren hatte, direkt nach dem Führerschein, als erstes Auto. „Ein DKW 1000 S“, sagt Galter. „Schöner Wagen, aber den kannte ich ja nun schon.“ Deshalb sollte es jetzt ein 1000 SP sein. Auch der schon eine Rarität, mit seinen Heckflossen, etwas so wie der Thunderbird in klein. „Doch das einzige, was ich fand, war ein Haufen Schrott zum Preis eines Haufens Kupfer.“ Und das war, sagt Galter heute, „ja nun mal überhaupt nicht das, was ich wollte“.

Ein Traum in desolatem Zustand


Nein, was er eigentlich wollte, schien unerreichbar. Trotzdem wagte er es, rief ins Blaue hinein beim Veteranenclub an, fragte dann aber doch nicht nach 1000 S und 1000 SP, sondern nach jemandem, der bei der Suche nach einem Monza helfen könnte. „Vollkommen naiv, eigentlich.“ Eigentlich, ja. Doch der Mann am anderen Ende wusste zu helfen, grub die Nummer eines Monza-Restaurators aus. Und der – Galter weiß nicht so recht, ob es Schicksal war oder Zufall – hatte just von einem gehört, der ein Exemplar des seltenen Stücks verkaufen wollte. „Das war dann auch noch in Versmold, 25 Kilometer von meinem Heimatort entfernt.“

Das Traumauto, das dort in einer Scheune stand und als kanadischer Re-Import 1996 zurück nach Deutschland gefunden hatte, war allerdings noch reichlich weit von der Straßentauglichkeit entfernt. Zustand 5, kein Motor, schön war anders. Sein Vorhaben, den Wagen zu restaurieren, hatte der Versmolder nicht umgesetzt. Galter schlug trotzdem zu und ließ den Wagen restaurieren. Ein halbes Jahr später sah der Monza aus wie gerade vom Band gelaufen.

Zusammentreffen einer seltenen Spezies 

„Inzwischen habe ich rund 20.000 Kilometer damit gefahren“, sagt der 57-Jährige. Vor zwei Jahren trafen sich er und elf weiter Monza-Fahrer in Tübingen, Anlass war das 50-jährige Jubiläum einer Serie großer Monza-Rekorde im Jahr 1956. Galter sagt: „Das ist schon etwas Besonderes, wenn man weiß, dass da so dicht beieinander knapp die Hälfte aller noch erhaltenen Modelle stehen.“ Bei der Eröffnung des Horch-Museums waren er und sein Monza dabei und auch bei Oldtimer-Rallyes ist der Monza gerne gesehen.



Die Rallyes, das sind Gelegenheiten für Galter, wieder einmal richtig Gas zu geben. „Man wird mit dem Wagen eigentlich immer unterschätzt“, sagt er. Einmal etwa, da fuhr jemand mit einem Opel Manta A mit, und der gab Galter noch Vorsprung. Ein bisschen nur, das wollte der Rivale mit seinem Rochen schnell aufholen, eine Chance hatte er aber nicht: Galter verlängerte den Vorsprung von Kilometer zu Kilometer, und schließlich war er eine Stunde früher am Ziel als alle anderen hinter ihm. „Das Auto ist zwar mehr als 50 Jahre alt, aber das kann der schon ab.“ Damals, als es gebaut wurde, da war es bei Beschleunigungsrennen sogar schneller als manch ein Porsche.

Nein, zaghaft fährt Galter sein Traumauto nicht. Er pflegt es akribisch, damit es immer in Schuss ist, wartet es regelmäßig, Motor, Getriebe, Kunststoffkarosse: Alles muss ständig tiptop sein, selbst beim Tanken achtet er penibel darauf, dass auf 40 Liter Sprit ein Liter Öl untergemischt wird. Was allerdings Um- und Anbauten anbelangt, ist der DKW-Fan kaum ein Vorkämpfer des Originalzustands. Was alt ist, muss alt bleiben, so weit ist das klar, außer, es ist unsicher. „Es ist ein Straßenauto, es muss funktionieren, und ich möchte mich sicher darin bewegen können.“  Deshalb hat er jüngst die vorderen Trommelbremsen durch Scheibenbremsen ersetzen lassen, einen ausfallsicheren elektrischen Kühlerventilator und eine elektronische Zündung eingebaut, der Luftfilter ist auch raus, weil „der nur blockiert und es jetzt bestimmt vier PS mehr sind“. Doch all das diene letztlich nur der Fahrtauglichkeit. Andere Eigenarten des Wagens nimmt Galter gern hin: Die verkehrte Lenkradschaltung und der fehlende Bremskraftverstärker erfordern Fahrpraxis. „Und das gehört doch irgendwie dazu“.



Wie besonders sein Wagen ist, das ahnen indes die wenigsten. „Mit dem Melkus wird man überall angesprochen, weil den keiner kennt, und er durchaus auffällt. Mit dem Ferrari schauen viele nur missgünstig. Und mit dem Monza, da passiert meistens gar nichts.“ Nur selten bleibe tatsächlich jemand stehen und betrachten den knuffigen Viersitzer auf seinen niedlichen 155/15-Reifen. Manchmal beginnt jemand zu lächeln und sich über das Auto zu freuen, den kleinen Wagen einfach nur nett zu finden. Galter sagt: „Aber kaum einer weiß, welch seltene Ringeltaube da eigentlich am Straßenrand steht.“

Dieser Artikel erschien am 14.05.2008


Diese Heldengeschichte über seinen DKW Monza entstand mit freundlicher Unterstützung des Carsablanca-Mitglieds easyberty

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Autor: Boris Glatthaar (Bobs1) am 14.01.2010


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