Capri Perana: So lächelt der Raubfisch

Der Mann hat goldene Hände. Basil Green fertigte Nockenwellen und Auspuffkrümmer, mit denen Alltags-Fords ihre Leistung verdoppelten, setzte einen dohc-Zweiliter in einen Fiat 600 und walzte damit die Konkurrenz auf dem Dragstrip platt – und er baute den einzigen Capri mit V8, den Ford offiziell ins Verkaufsprogramm aufnahm.

Capri Perana: So lächelt der Raubfisch

Hätte er sein kleines Werk in einem Vorort von Coventry oder Köln gehabt, Basil Green wäre heute mindestens so bekannt wie AMG oder Zakspeed. Er ist jedoch Südafrikaner, weshalb er ein wenig abseits der Motorsportszene blieb und nie die Größe erreichte, die ihm in Europa sicher gewesen wäre.

Basil Green, Jahrgang 1937, machte eine Lehre zum Automechaniker in Johannesburg, bevor er nach Europa ging und Arbeit als Rennmechaniker beim Formel-1-Team Cooper fand. Besser hätte er es kaum treffen können, denn Cooper war Ende der Fünfziger einer der einflussreichsten und innovativsten Rennställe der Welt: Cooper führte unter anderem die Mittelmotor-Bauweise in die Formel 1 ein.  Green wechselte später zum Team Tojeiro, bevor er 1959 nach Johannesburg zurückkehrte und eine eigene Werkstatt eröffnete.

Mehr als nur Reparaturen 

http://www.capri-perana.co.za/images/BG_Himself.jpgAnfangs war dies eine normale Reparaturwerkstatt. 1962 aber tunte Green ein Kundenfahrzeug, einen Austin Mini, der danach dermaßen abging, dass Green sich vor ähnlichen Aufträgen kaum retten konnte. In Südafrika beschäftigte sich außer ihm niemand auf so professionelle Weise mit dem Tunen von Serienwagen. Daher hatte Basil Green Motors den Markt mehr oder weniger für sich allein und konnte in größerem Maßstab produzieren. Greens Tuningsätze zeichneten sich durch hohe Qualität und sorgfältige Fertigung aus. Am erfolgreichsten waren Anlagen für VW Käfer und die britischen Ford Anglia und Cortina Mk I.

Das Tuning-Geschäft brachte bald so viel ein, dass Basil Green 1964/65 mit einem Mini an Tourenwagen-Rennen teilnehmen konnte – mit beachtlichem Erfolg. 1966 setzte er sich in den Kopf, nach der Rundstrecke nun auf Drag-Rennen die Viertelmeile aufzuräumen. Dazu versah er einen Großserien-Zweilitermotor (das Fabrikat ist leider nicht überliefert, wahrscheinlich ein Ford) mit einem selbstgebauten dohc-Kopf, frickelte den Apparat ins Heck eines Fiat 600 und verbreitete eine Saison lang Angst und Schrecken auf südafrikanischen Dragstrips.

Vorsicht Perana! 

http://www.perana.org/images/abstract/cortinamk2.jpgIm selben Jahr brachte Ford in England den Cortina Mk II heraus (äquivalent dem Kölner 12m P6) und Basil Green zündete die nächste Stufe seiner Laufbahn. Parallel zum neuen Cortina hatte Ford UK auch das Topmodell Zodiac überarbeitet und mit einem Dreiliter-V6 ausgestattet. Diesen Essex-V6 installierte Green 1967 in den Motorraum eines Cortina Mk II GT und setzte eine verstärkte Vorderachse, eine Domstrebe und große Scheibenbremsen ein. Das Ergebnis war eine richtig böse Sportlimousine, ganz nach Basil Greens Geschmack.

Eigentlich wollte er das Auto Piranha nennen, ein trefflicher Name. Allerdings war der Name bereits geschützt, so formte er ihn um zu Perana. Die Serienfertigung des Cortina Perana begann Mitte 1969.

Damit längst nicht zufrieden, setzte Basil Green gegen Ende 1969 einen Essex-V6 in den Motorraum des brandneuen Ford Capri I. Vom Capri Perana V6 entstand eine kleine Serie – aber Ford brachte zeitgleich den Dreiliter-Capri in Serie heraus, weshalb sich der Perana V6 sehr schnell erledigte. Basil Green brauchte was Größeres. Wie gut, dass die Mutter in Detroit noch ganz andere Eisen im Motorenregal hatte!

Die Krönung: der Capri Perana V8 

http://files.capri.pl/capri/perana/perana-02.jpghttp://www.capriv8.de/wer3.458x598.jpgIm Verlauf des Jahres 1970 entwickelte Green den Capri Perana V8: Wichtigstes Element ist der Windsor-Small-Block-V8 von 302 Kubikinch oder 4949 ccm. Die Maschine erhielt das Ford-Motorsportpaket (Holley-Vierfachvergaser mit passender Ansaugspinne und offenem Luftfilter, dazu eine scharfe Nockenwelle), was die Leistung auf 281 PS bei 5800/min anhob. Dazu gab es Getriebe vom Ford Mustang, wahlweise ein manuelles Vierganggetriebe oder eine Dreigangautomatik, und die Hinterachse vom Ford Fairlane. Basil Green Motors steuerte einen Tieferlegungssatz (40 mm) und leicht verstärkte Bremsen bei.

Das klingt nach einem Motorenwechsel, wie ihn jeder ambitionierte Feierabendschrauber hinlegen kann. Tatsächlich gibt es bis heute allerlei private Versuche, einen Small-Block-V8 in den Motorraum eines Capri zu verplanzen. Doch mit einem Motorwechsel ist es nicht getan.

Perfekte Abstimmung - die Handschrift des Meisters 

Basil Greens größte Leistung beim Capri Perana ist dabei die sorgfältige Abstimmung. Der Perana ist ausgezeichnet balanciert und sorgfältig verarbeitet – im Gegensatz zu manchen späteren V8-Umbauten. Selbst mit Automatik ist der Perana in unter sieben Sekunden auf 100 km/h und schiebt selbst bei 150 km/h noch gnadenlos an. Die Spitze liegt bei 230 km/h. 1970 und 1971 gewann ein nur leicht modifizierter Capri Perana V8 die südafrikanischen Tourenwagenmeisterschaften dermaßen überlegen, dass ihm die Teilnahme für 1972 verboten wurde.

http://www.capri-perana.co.za/images/C_Factory.jpgDie Qualitäten des Capri Perana erkannte sogar die Ford-Zentrale an und nahm den Wagen offiziell ins Vertriebsprogramm auf – in der Markengeschichte einzigartig. Trotz Werksunterstützung jedoch erfüllten sich Basil Greens Hoffnungen auf eine größere Auflage nicht. Bis 1972 entstanden nur 535 Exemplare des originalen Perana V8.

http://www.perana.org/images/gallery/granadaperana02.jpgIm Frühjahr 1973 brachte Basil Green den Granada Perana heraus, gebaut nach derselben Formel mit 302 cui-V8 und sauber konstruierten Modifikationen. Der ausgezeichnet verarbeitete Granada Perana inspirierte Überlegungen bei Ford, die Produktion offiziell für Europa aufzunehmen. Dann jedoch kam die erste Ölpreiskrise und bereitete den genialen Schöpfungen des Basil Green ein bedauerliches Ende. Green blieb weiterhin aktiv, produzierte jedoch keine kompletten Autos mehr. Wäre der Mann doch bloß in Europa geblieben …

Der Heilige Gral für Capri-Fans

Unter Capri-Fans gilt ein echter Perana als eine Art Heiliger Gral. Es gehört zu den süßesten Träumen besonders englischer Capristi, nach Südafrika zu reisen und dort aus irgendeiner Garage einen originalen Perana zu ziehen. Leider bleiben das zumeist Träume, nicht zuletzt wegen der geringen Stückzahl und weil der Capri Perana immer eine leidenschaftliche Gefolgschaft behielt, weshalb kaum einer in Vergessenheit geriet.

http://www.perana.org/images/gallery/capri4.jpgEinen echten Perana zu fahren ist ein außergewöhnliches Erlebnis. Die wonnevollen Töne aus dem Motorraum, der gewaltige Schub, dazu eine Balance, die Werkscapris nie erreichten. Dank dieser Abstimmung bringt der Motor seine Kraft auch auf die Staße – ah! Als Perana erfüllt der Capri, was uns seine Optik schon immer versprach …

 

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Autor: Till Schauen (BatsBelfry) am 08.01.2010


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Diskussionen


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Gordini
Gordini 28.05.2008

Der Hai aus Rösrath-Kleineichen war später auch sehr interessant und trug den Namen MAKO V8!!

Grüße

BatsBelfry
BatsBelfry 14.02.2008

ja, alles Rechtslenker. Die originalen jedenfalls.