Walter Schock: Der MCS erinnert an seinen Sieg bei der Rallye Monte Carlo 1960
Im Schalensitz Nr. 17
Für Mercedes-Benz war dies der erste Deutsche Gesamtsieg überhaupt und der einzige Dreifachsieg bei der Königin aller Rallyes. Walter Schock (†) und Rolf Moll fuhren den grossen Erfolg ein und legten hier auch den Grundstein für ihren Gewinn der Rallye-Europameisterschaft am Ende der Saison. Die Plätze zwei und drei belegten die Fahrerteams Eugen Böhringer/Hermann Socher und Eberhard Mahle/Roland Ott, ebenfalls mit „Heckflossen“. Eine weitere deutsche Fahrerpaarung waren Werner Kühner (†) und Hanns-Horst Hölder.
Alle deutschen Fahrer starteten zudem in der Clubwertung für den Motorsport-Club Stuttgart e.V. (MCS). Grund genug für den bereits 1913 gegründeten Club im Rahmen des traditionellen Rennfahrertreffs auf der CMT (16. bis 24. Januar 2010, neue Messe Stuttgart) an diesen für den Motorsport in Deutschland so wichtigen Sieg zu erinnern. Übrigens ist der MCS, dem hauptsächlich alle aktiven Motorsportler angehörten und angehören, mit über 400 Mitgliedern heute noch der größte ADAC-Ortsclub in Baden-Württemberg.
Von den damaligen Mercedes-Teams waren Eberhard Mahle (77) und Hanns-Horst Hölder (81)auf den MCS-Stand gekommen, und ließen alte Geschichten über diesen einmaligen Erfolg wieder wach werden. Walter Schock (* 3. April 1920 - † 21. Dezember 2005) und sein Beifahrer Rolf Moll (heute in der Schweiz lebend) konnten den Gesamtsieg bereits in der ersten Runde des rund 280 Kilometer langen Rundkurses im Hinterland von Monte Carlo durch einen Reifenpoker festmachen. Sie fuhren, so erinnert sich Mahle, auf Sommerreifen, um während der trockenen Etappen Zeit gut machen zu können; und da lediglich auf den hohen Pässen wie dem Col de Turini Schnee lag, ging die Rechnung auf. Schock/Moll fuhren in dieser nächtlichen Runde die absolute Bestzeit. Zweitschnellster Mann war Eugen Böhringer, der übrigens an dem Erinnerungswochenende seinen 88. Geburtstag feierte und deswegen fehlte.
Obwohl die Rallye Monte Carlo im Jahr 1960 insgesamt 3.567 Kilometer lang war, fiel die Entscheidung damals schon früh auf dem deutlich kürzeren Rundkurs, „da diese Prüfung mit dem Faktor zehn gewertet wurde“, erinnert sich Hölder. „Taktiert wurde aber nicht nur bei der Reifenwahl, sondern bereits mit der Wahl des Startortes“, fügt Mahle hinzu. Die Mercedes-Mannschaft startete 1960 in Warschau, um bei der Fahrt zum gemeinsamen Startort in Chambery (südlich vom Genfer See bei Grenoble gelegen) keine hohen Pässe überqueren zu müssen. „Beispielsweise wurde das Zentralmassiv in den Jahren zuvor einigen Teams mit anderen Startorten zum Verhängnis, da diese durch die dortigen Schneemassen die Sollzeiten nicht schafften“, erinnert sich der Wahl-Leonberger heute noch genau. Mahle erzählte auch, dass er auf Pirelli-Spikes gestartet sei, diese aber durch die starken Belastungen Schaden nahmen und bereits während der Warschau-Chambery-Etappe gegen die bewährten Dunlop-M&S-Reifen ausgetauscht werden mussten.
Die Mercedes-Teams waren auf eigene Gefahr und Rechnung gestartet, konnten sich jedoch auf die Unterstützung des Werks und der perfekten Serviceorganisation von Mercedes-Sportchef Karl Kling verlassen. Und der Deutsche Triumph wurde auch in Untertürkheim stürmisch gefeiert. So war es auch kein Wunder, dass der Ruf nach einem Wiedereinstieg der Untertürkheimer in den Rennsport laut wurde. Nach dem werkseitigen Rückzug von Mercedes-Benz aus der Formel-1 und der Sportwagen-Meisterschaft fuhren Privatfahrer wie Schock und Moll ab 1956 verschiedene Mercedes-Modelle im Motorsport, um die Zuverlässigkeit der Serienfahrzeuge zu testen, doch auf ein offizielles Engagement des Konzerns mussten sie verzichten. Nun forderte die Sportpresse, Mercedes-Benz solle wieder mit dem kontinuierlichen Einsatz von Werksfahrzeugen auf die Rennstrecken der Welt zurückkehren. Doch Kling machte damals deutlich: „Dieser Erfolg wird uns ermutigen, weiter erhebliche Anstrengungen in Rallyes zu machen. Doch Mercedes hat nicht die Absicht, wieder zum Rennsport zurückzukehren.“ Es sollte noch fast vierzig Jahre dauern, bis diese Absage widerrufen wurde.
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