Horst von Saurma: Was gut ist, währt lange
Im Schalensitz Nr. 15
Die wohlverdiente Beweihräucherung in eigener Sache steht bei diesem Heft dabei gar nicht so sehr im Vordergrund. Vielmehr gilt es den thematischen Bogen zwischen dem, was die Redaktion im Gründungsjahr 1969 umgetrieben hat und dem, womit sich das Team heute beschäftigt, zu schlagen. „Wer sport auto über diese lange Zeit begleitet hat, wird feststellen, dass sich in der Art der Herangehensweise an den Themenkomplex Auto und Rennsport in den vier Jahrzehnten gar nicht so viel getan hat, wie man meinen könnte“, fasst Horst von Saurma seine Erfahrungen zusammen. „Die Sportwagen, die damals gefahren und getestet wurden, unterscheiden sich zwar technisch enorm von dem, was uns heute in die Hände gegeben wird. Auch der Rennsport hat sich stark verändert. Geblieben aber ist die Freude an der Thematik“, erläutert der sport auto-Chefredakteur weiter und verweist noch auf die Zeitlosigkeit einer Porsche-Anzeige in Heft 1/1969. Der Sportwagenhersteller bewarb auf zwei Seiten den damals neuen 140 PS starken Porsche 911 E Targa mit den Worten: „Es wird immer mehr Leute geben, die von diesem Auto träumen, als Leute, die ihn besitzen.“ Wohl wahr.
Einen 40-jährigen Brückenschlag bildet auch der Porsche 908/02 Spyder, der 1969 im Rahmen einer Pressevorstellung bei winterlichen Bedingungen auf dem Hockenheimring präsentiert wurde. Dabei entstand das schon durch die schiere Anzahl bedeutender Werksfahrer so beeindruckende Bild vor der tristen Kulisse verschneiter Ränge. Zum Team gehörten damals elf Fahrer, namentlich Gerhard Mitter, Hans Herrmann, Jo Siffert, Rolf Stommelen, Kurt Ahrens, Udo Schütz, Brian Redman, Richard Attwood, Gerard Larousse, Pauli Toivonen und Björn Waldegaard (zum Vergleich: Heute hat Porsche sechs Werksfahrer, siehe im schalensitz Nummer 14).
Horst von Saurma bekennt im Editorial der Jubiläumsausgabe, dass er 1969 – 15-jährig – Mitter-Fan gewesen war und – die Rennlegende aus Leonberg nachahmend - ein 908 Coupé auf einer Stabocar-Modellrennbahn steuerte.
40 Jahre später brachte das Porsche-Museum den authentischen 908/02 Spyder für eine Story im Jubiläumsheft auf den Hockenheimring. Modernstes Renngestühl gewohnt, nahm Horst von Saurma erstmals in der so erfolgreichen Flunder Platz und nimmt für ein Foto exakt die Haltung des Formel 1 Fahrers Graham Hill ein, der das Titelbild der ersten sport auto-Ausgabe schmückte. Saurma nutzte das Shooting auch, um sich zu überlegen, was anlässlich des 40-jährigen Jubiläums gesagt werden muss. Dazu gehört für den Journalisten an oberster Stelle eine Danksagung an seine langjährigen Mitarbeiter Cordelia Haymann (33 Jahre im Sekretariat), Wolfgang Brettschneider (28 Jahre als Chef vom Dienst und Grafiker dabei), das Test und Technik-Team mit Anja Wassertheurer, Marcus Schuric und Uwe Sener (zwölf, zehn und neun Jahre in der Redaktion) sowie die inzwischen zur Mutter auto, motor und sport abgewanderten aber immer noch für sport auto tätigen Motorsport-Spezialisten Claus Mühlberger (25 Jahre dabei) und Michael Schmidt (22 Jahre im Boot). Ein kleines Team, das Großes leistet, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Ein großes Kompliment und herzlichen Glückwunsch zum 40-jährigen Jubiläum.
Noch eine persönliche Anmerkung: Der Autor war ebenfalls neun Jahre in dem Stuttgarter Verlagshaus in verschiedenen redaktionellen Funktionen tätig, genau genommen bis 1993. Horst von Saurma lenkte damals schon höchst engagiert das Magazin für die schnellsten und sportlichsten Autos - und seine Geschichten machten damals schon Spaß, den Kollegen ebenso wie den Lesern. Als wir dann 16 Jahre später das Aufmacherfoto für die Ausgabe im schalensitz Nummer 15 auf dem Hockenheimring fotografierten, kam mir die Begegnung wie eine Reise mit der Zeitmaschine vor. Horst hatte immer noch das gleiche Interesse an den Sportwagen und ist immer noch begeisterungsfähig geblieben; obwohl die Materie nach so vielen Jahren in Fleisch und Blut übergegangen sein muss, ist seine Arbeit keinesfalls zur reinen Routine verkommen. Der Redaktion stand an diesem Vormittag der Rennkurs nur für eine Stunde zur Verfügung. Wie entfesselt ermittelte er die Rundenzeiten von sechs neuen Fahrzeugen - und fand trotzdem noch genügend Zeit, sich behutsam dem Porsche 908 zu nähern, jenem klassischen Fahrzeug, mit dem Gerhard Mitter und Udo Schütz im Jahr 1969 die Targa Florio gewonnen hatten. Für den bevorstehenden Fototermin hatten wir dann einige schnelle Runden von ihm erwartet, doch weit gefehlt. Horst von Saurma fuhr bedacht, viel langsamer als von den Spezialisten des Porsche-Museums empfohlen. Er wollte bei den kalten Temperaturen keinesfalls diese automobile Kulturgut gefährden.
Bei allem, was er in dieser Stunde auf dem Hockenheimring anpackte, wirkte er überlegt und dabei freudig und engagiert – und das nach fast zwei Jahrzehnten am Steuer von sport auto! Das tut gut in dieser kurzlebigen Zeit. Ich erlaube mir deshalb an dieser Stelle, die Umkehrung eines Spruchs aus einem seiner Editorials zu wiederholen: „Was gut ist, währt lange.“
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