Ford Mustang: Ein Pony erobert Amerika

Ob es nun der Triumph der Werbung oder das richtige Produkt zur rechten Zeit war, lässt sich im Nachhinein nicht mehr zweifelsfrei beantworten. Auf jeden Fall landete Lee Iacocca mit dem Mustang seinen grossen Wurf.
Ford Mustang: Ein Pony erobert Amerika
Neue Hoffnungen
Mit dem Debakel der Edelmarke Edsel hatte Ford einen schweren Rückschlag einstecken müssen. Danach war in Dearborn erstmal Schluss mit Experimenten und die traditionelle Tugend, vernünftige Fahrzeuge zu einem vernünftigen Preis zu bauen, trat wieder in den Vordergrund. Einer dieser besonders erfolgreichen Kompaktwagen war der Falcon, mit dem Ford zu neuen Höhenflügen in  der Zulassungsstatistik ansetzte. Doch nur mit Brot-und-Butter-Autos war die Schmach der Edsel-Pleite nicht Wett zu machen, weshalb der findige Ingenieur und General-Manager Lee Iacocca einem neuen Ansatz Rückenwind verschaffte, der schon auf einen jahrzehntelangen Experimentalstatus im Hause Ford zurückblicken konnte: Der Personal Car!

How to build an american sportscar
Ein Amerikanischer Sportwagen mit vier Sitzen, keiner exotischen aber durchweg brauchbaren Technik und angemessenen Fahrleistungen. Erste Erfahrungen sammelte Ford mit dem Thunderbird, doch der verkam mehr und mehr zu einem Spielzeug der Wohlhabenden. Der exotisch anmutende erste Träger des Namens Mustang, der sich übrigens auf das berühmte Jagdflugzeug P-51 bezog, hatte keine realistischen Chancen auf eine Serienfertigung, das lag weniger an dem V-4 Motor aus Deutschland, sondern eher an der Mittelmotor-Konfiguration, dem Trans-Axle-Getriebe, dem Gitterrohrrahmen und den Alu-Blechen der Aussenhaut. In der Fabrikation ein wahrer Albtraum. Der zweite Versuch, Mustang II, der sich schon der bewährten Konstruktion des Falcon annäherte, war nur noch wenig vom späteren Serienmodell entfernt, unter der immens langen Haube fand sich nun ein Motor, der seine Kraft an die Hinterachse weitergab.

Fast ohne Konkurrenz
Iacocca boxte den Entwurf durch einen zögernden Vorstand und die Bedenken seitens Henry Ford II durch. Für die Amerikanische Industrie völlig untypisch debütierte der serienreife Mustang im April des Jahres 1964 auf der New Yorker Weltausstellung. Der Wagen wurde zu einem sensationell niedrigen Preis von 2.368.- $ für die Basis-Ausführung als Hardtop-Coupé mit Sechszylinder Reihenmotor angeboten. Das einzige Konkurrenzmodell mit sportlichen Ambitionen am Markt war der Chevrolet Corvair Monza Spyder, der 231.- $ mehr kostete. Der Corvair hatte zwar einen stärkeren Motor, hatte mit seinem luftgekühlten Boxermotor im Heck aber einen schweren Stand gegenüber dem attraktiveren Mustang, den Ford auch mit potenteren V-8 Maschinen anbot. Der Corvair geriet noch zusätzlich unter Druck, da anhand seines Beispiels von Ralph Nader 1965 exemplarisch die Industrie für die Produktion unsicherer Produkte gegeisselt wurde.

Die Macht der Werbung
Der Mustang kam ungeschoren davon, hatten seine Schöpfer doch abgesehen von seinem neuartigem Aussehen auf jegliche technische Revolutionen verzichtet. Nach alter Väter Sitte kam eine angetriebene Starrachse zum Einsatz und der Motor war dort wo er hin gehörte, vorne. Beim Styling hatten die Designer ein glückliches Händchen bewiesen und den Geschmack der Kundschaft  getroffen. Mehr noch als günstiger Preis und ansehnliches Äusseres kam dem Mustang die Werbe-Lawine zu Gute, die Ford über den Amerikanischen Kontinent rollen lies. Keine Werbefläche, kein Magazin, kein TV-Sender blieb von der Präsenz des Neuen aus Dearborn verschont und der massive Werbe-Einsatz trug reiche Früchte: Der "Pony-Car" verkaufte sich wie warme Semmeln, besser als der zeitgleich von Plymouth auf den Markt gebrachte Barracuda.

Ford bleibt am Ball
Der Erfolg des Mustangs war so groß, dass die Fertigungskapazitäten in Dearborn bald an ihre Grenzen stiessen. Um der Nachfrage Herr zu werden begann Ford noch weitere Werke für dessen Produktion umzurüsten. Zu oft hatte eine anfänglich hohe Nachfrage nicht schnell genug bedient werden können, woraufhin sich die Kunden anderweitig orientierten. Doch hier war Ford auf Zack und ritt auf der anhaltenden Erfolgswelle des Mustang lange Jahre.  Mit dem Mustang war Ford zurück auf der Siegerstrasse und ebenso Lee Iacocca, der danach in der Automobilindustrie fast kultische Verehrung erfuhr. Und der Mustang war der erste rein Amerikanische Sportwagen für Jedermann, erschwinglich, mit zuverlässiger Technik und sportlichem Potential, dass kein geringerer als Carrol Shelby eindrucksvoll mit dem Mustang Shelby 350 GT weckte. Kein Wunder, dass noch 46 Jahre später der Glanz des Mustang ungezügelt leuchtet, selbst Ford hat dem ursprünglichen Modell mit der ansprechenden Neuauflage von 2005 seine Referenz erwiesen.



Autor: Frank Brendel (Peeperkorn) am 16.02.2010


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Jürgen-en-Mustang
Jürgen-en-Mustang 27.02.2010

@ nevergiveup: Tja - "those were the time my friend, we thought they never end .." Und heute: Stahlesel statt Mustang ;-) - ".. as time goes by" kann ich da nur sagen!

@ stude: 69er! Siehste, hab ich mir doch gedacht. Jedem das seine!

stude
stude 25.02.2010

das 69er Coupe war - meiner Meinung nach - das schönste Modell.

dann noch als Boss, oder gar einer der raren auf 8,7l aufgebohrten Monster mit erstmalig ram-air-System bzw. dem Cobra-Jet Ram-air, Leistung und Drehemoment satt, Verbrauch 25-40 l auf 100 Spass-km. Diese Variante hat Getriebe und Wandler am laufenden Band gemeuchelt...... Weiß ich, weil ich eine dieser Raritäten in jüngeren Jahren hatte betonung liegt heute auf "hatte" :-((

Mit dem neuen GT ab 2005 hat Ford ein herrliches Repro-Oldie hingestellt, der macht als Schalter und offen Laune zu fahren bei nur 11 l/100km (es sei denn, der Kompressor ist drauf und wieder 500 PS unter der Haube)

Jürgen-en-Mustang
Jürgen-en-Mustang 21.02.2010

Kleine Ergänzung:

Die Fahrwerks-Mechanik der ersten Versionen, also 1964 1/2 bis 1966 und 1967 - 68 wurde vom Ford Falcon übernommen.

Einer auch nur bescheidenen Vorstellung von aerobic-sportlichem Fahren entsprach das Fahrwerk in keiner Weise. Ich erinnere mich noch, wie ich mich als 13jähriger darüber wunderte daß auto motor und sport über den Mustang schrieb: "Hohe Kurvengeschwindigkeiten sind auf keiner Fahrbahnoberfläche möglich" Also auch nicht auf ebenen. Wieso das nicht? dachte ich mir, wenn die Fahrbahn schön eben ist, dann kann es doch egal sein ob die Hinterachse eine starre ist oder nicht? Dabei hatte ich aber nicht die weiche Führung der Vorderräder berücksichtigt, die bei höheren Querkräften die Achsgeometrie nicht einhielt vor lauter Gummidämpfungselementen. Das konnte man in gewissen Grenzen verbessern, indem man manche Gummimanschetten durch Messingmanschetten ersetzte und durch eine "vorbeugende" Einstellung von (leicht negativem) Sturz und Vorspur (null oder nahezu null). Da das nicht der Werkseinstellung entsprach war das bei dem ams Testwagen sicher nicht der Fall. Dazu kamen 1965 noch die hohen schmalen Reifen, die sich auf den Julius Weitmann Bildern von schmissig in die Kurve geworfenen Testwagen abenteuerlich verzogen.

Wer damals mit einem Mustang sportliche Wettbewerbe bestreiten wollte hatte am Fahrwerk einiges zu tun! Meist lief es darauf hinaus die Fordpferde bretthart zu machen und die breitest-möglichen oder zugelassenen Reifen zu montieren - ein Unterschied wie Tag und Nacht zur Straßensänfte!

Als viel später unsereiner die originalen 4 1/2 Zoll Felgen gegen 7 oder 8 Zöller tauschte und Formate zwischen 205 und 225 aufzog, zupackende Dämpfer montierte, da zeigten sich auch außerhalb der Rennstrecke Mustangs zu dynamischen Richtungswechseln fähig.

Als Chevrolet mit dem neuen Freund (= Camaro) in die Marktlücke hinein fuhr, wäre es für mein Dafürhalten angebracht gewesen darauf mit einer sportlichen Ertüchtigung des Mustang zu reagieren, nicht nur auf dem Motorengebiet, da waren sie schon recht gut, sondern mit einem Sportfahrwerk, das seinen Namen verdient. Das hätte für die "Normalkunden" auch in sanfter Abstimmung angeboten werden können, aber eben auch eine echte Sportvariante erlaubt, die zusammen mit den starken Motoren angeboten hätte werden können. Viel später musste Ford doch lernen wie man's besser machen kann, also warum nicht gleich so? Klar: der Kosten wegen! Aber: wer in letzter Sekunde auf einen abfahrenden Zug springt kann sich den Sitzplatz nicht mehr aussuchen, sprich: macht sich eben keinen Namen damit wenn er schließlich mit anderen gleichzieht die das vorgemacht haben. Schade.

Stattdessen haben sie das Styling-Thema 1969 / 70 bis nahezu an die Karikatur hin entwickelt und dann ab 1971 - jetzt bin ich im Begriff mich bei manchem unbeliebt zu machen, mea culpa, ich hoffe ihr habt Humor - das "dicke" Pferd herausgebracht. 1974 war ihnen dann aufgefallen, das es so nicht weitergehen konnte, besonders nicht bei dem administrativen Gegenwind der inzwischen gegen den hohen Flottenverbrauch wehte, daher verfielen sie ins andere Extrem und brachten - wenn ich schon dabei bin - das "Pony"-Car heraus (nie war der Ausdruck treffender).

Der heutige Retro-Mustang will wieder am Klassiker anknüpfen, aber trotz deutlicher stylistischer Referenzen hat er einen ganz anderen Charakter! Er ist mehr ein maskuliner, rauher "Kumpel" während die 1965 / 66 und 67 /68 Varianten in der Erscheinung etwas zierliches hatten, für mein Empfinden sogar verfeinert feminin wirkten (nein, das soll Sportlichkeit nicht ausschließen).

Allerdings: die Wirkung welche die Mustangs damals in ihrem automobilen Umfeld hatten in heutige zu übersetzen dürfte tatsächlich sehr schwer sein. Am ehesten ist diese Übertragung ins Heutige noch beim Ford GT gelungen - allerdings, bei DER Vorlage war es wohl nicht so schwierig: einfach den damalige GT-40 Prototyp im Maßstab 0,9 : 1 mehr oder weniger originalgetreu nachzeichnen und innen im aktuellen Stil "zivil" ausstatten - fertig. Nun könnte man sagen: schön, das ist dann aber ein "Repro"-Auto, nicht "Retro" (man beachte den feinen Unterschied zwischen "p" und "t")

Womit nach Jahrzehnten die damalige Klassenbezeichnung Prototyp ihre nachträgliche Rechtfertigung erhält.

Hätte es ein moderner (Repro-)Mustang mit ~500 CID Sauger sein dürfen? Ein Drehmoment-Athlet mit ersten Gang bis 96 km/h, mit einer V8-Maschine die bei leichtem Tritt auf's Gas "aus dem Bauch heraus" lacht: "den da überholen? wuhuhuhu!"

Was meint ihr?

Fragt völlig unzeitgemäß Jürgen