Ferrari 250 GTO: Klassenprimus der alten Schule

Als der Ferrari 250 GTO 1962 auf die Rennstrecken der Welt los gelassen wurde, schien er mit seiner altertümlichen Starrachse, die zudem noch mit Blattfeder-Packeten daherkam, dem damaligen Entwicklungsstand hinterher zu hinken.
Ferrari 250 GTO: Klassenprimus der alten Schule
Der Sportwagen
Aber der Konkurrenz verflog bald schon jedes mitleidige Lächeln und viele ärgerten sich im Nachhinein, nicht gegen die Freigabe zur Homologation durch die Rennsportbehörde FIA Einspruch erhoben zu haben. Denn von der neuen Wunderwaffe aus Modena entstanden nur 36 Exemplare, eigentlich viel zu wenig für eine Zulassung. Der Commendatore Enzo Ferrari hatte aber argumentiert, der 250 GTO sei nur eine Variante des 250 GT, von dem ja einige Hundert bereits verkauft seien. Dieser anfechtbaren Argumentation folgte die FIA bereitwillig und erlaubte Ferrari den Renneinsatz des 250 GTO. Hätten die Verantwortlichen den Wagen näher in Augenschein genommen, wären sie möglicherweise zu einer anderen Auffassung gelangt. Im Rennwagen kam zwar auch der Zwölfzylinder Colombo-Motor zum Einsatz und auch die Fahrwerkskonstruktion stimmte auf den ersten Blick mit den zivilen Modellen überein. Aber der leichtgewichtige Rahmen hatte sich der neuen Aufgabenstellung  stark anpassen müssen. Der Motor war für eine ausgeglichene Balance weit nach Hinten verschoben worden, der Starrachse half ein Wattgestänge auf die Sprünge, die leichtgewichtige Karosserie aus Aluminium-Blechen war nach aerodynamischen Gesichtspunkten gestaltet worden und der erste Heckspoiler an einem Serien-Fahrzeug verbesserte den Anpressdruck bei hohen Geschwindigkeiten.

Abgespeckt und fit gemacht
Für zusätzliche Gewichtseinsparungen bestand der eingesetzte Leiterrahmen aus Stahlrohren mit ovalen Längsträgern. Auch die Verkürzung des Radstandes um 20 Zentimeter half Gewicht zu reduzieren, nur 1.100 kg brachte der durchtrainierte Ferrari auf die Waage. Der geniale Giotto Bizzarrini hatte mit viel Gefühl einen wunderbaren Sportwagen entwickelt, geriet aber kurz darauf mit dem Commendatore aneinander und verlies grollend das Unternehmen. Enzo Ferrari übertrug nun die Leitung des Projektes 250 GTO Mauro Forghieri, der nun die Wünsche des Patriarchen umsetzen durfte. Dem konservativen Fahrwerk zum Trotz bezauberte der Ferrari seine Fahrer mit seinen guten Manieren und seiner hervorragenden Beherrschbarkeit. Der Ferrari liess sich auf den Rennstrecken sehr schnell und auf normalen Straßen sehr angenehm bewegen, nicht wenige Fahrer fuhren auf eigener Achse zum nächsten Rennen. Grund für diese Alltagstauglichkeit war der Motor. Der V12 debutierte schon im ersten Ferrari 125 von 1947 mit einem Hubraum von nur 1,5 Litern, entwickelt hatte ihn Giocchino Colombo. Das Aggregat war der große Wurf des ehemaligen Alfa Romeo Ingenieurs, das mit jedem Entwicklungsschritt an Reife und Ausgewogenheit gewann. Im 250 GTO war der Hubraum verdoppelt worden, eine Batterie von sechs Weber-Doppelvergasern versorgte ihn mit Treibstoff. Schon bei geringen Drehzahlen konnte der Motor mit beachtlichem Leistungsvermögen aufwarten, welches sich harmonisch zu höheren Drehzahlen steigerte. Mit 300 PS war er zudem außerordentlich potent und machte seiner Konkurrenz das Leben schwer.

Ende einer Ära, Anfang einer Legende
Doch sein Stern begann zu sinken, als mehr und mehr Mittelmotorsportwagen ins Renngeschehen eingriffen, die Zeit der Frontmotoren näherte sich ihrem Ende. Nachdem der Ferrari 250 GTO bei Rennen keinen Stich mehr machen konnte, begann für ihne eine kurze Zeit des Vergessens, teilweise wurden die altgedienten Renner zu Preisen gehandelt, die denen einer gut ausgestatteten Mittelklasse-Limousine entsprach. Wer sich damals einen 250 GTO sicherte, konnte wenige Jahre später sein Glück kaum fassen, denn im Zuge des großen Ferrari-Hypes stiegen die Preise alter Ferrari in astronomische Höhen. Der Zusammenbruch des Hypes brachte für die meisten Ferrari dann ein bitteres Erwachen, nicht so aber dem 250 GTO, der plötzlich zum schönsten Ferrari-Sportwagen aller Zeiten geworden war und sich immer noch großer Sympathie erfreut. Im Jahr 2008 wurde ein Exemplar für die Rekordsumme von 28,5 Millionen US-Dollar versteigert.
Er ist damit eines der teuersten Autos überhaupt.



Autor: Frank Brendel (Peeperkorn) am 02.01.2010


  • 5.0 BEWERTUNG ABGEBEN

  • DIESE SEITE WEITEREMPFEHLEN

  • NACHRICHT AN DEN AUTOR


Seite empfehlen:

  • Misterwong
  • Oneview
  • Favoriten
  • Delicious
  • Digg
  • Stumbleit

Diskussionen


Beiträge sortieren nach
Lilian
Lilian 07.01.2010

@cavallino:

; )

Das mag auf den Ferrari zutreffen...

cavallino
cavallino 07.01.2010

@Lilian:

Hallo Lilian - das ist nicht unökonomisch, sondern äusserst ökonomisch. Was sehr knapp und gleichzeitig sehr begehrt ist, ist in der Regel sehr teuer und was reichlich vorhanden ist und niemand will, ist (ökonomisch) nichts wert.

Lieber Gruss

Christof

Lilian
Lilian 07.01.2010

Danke. Dann wundere ich mich weiter. Dass man(n) (auch Frau) manchmal verleitet, wird für ein Auto absolut unökonmische Entscheidungen zu treffen, weiß ich ja auch aus eigener Erfahrung... grins, aber 28,5 Millionen...

Peeperkorn
Peeperkorn 07.01.2010

Hallo Lilian,

Nei, das Komma ist nicht verrutscht, obwohl meine Quelle nicht über alle Zweifel erhaben ist:

http://www.bild.de/BILD/auto/2008/09/teuerste-auto-der-welt/ferrari-250-gto-fuer-20-millionen-euro-bei-versteigerung-verkauft.html

Lilian
Lilian 06.01.2010

Hallo Frank,

ernsthaft? Da ist nicht das Komma verrutscht? 2,85 Millionen wäre doch schon wahnsinnig viel. Aber 28,5? Dafür kann man sich doch ein echtes Schloss kaufen... hmmm....

webmatze
webmatze 02.01.2010

Mist. Da hätte ich mir damals wohl auch einen sichern müssen. :)

Bin ja sonst nicht so der Ferrari Fan, aber dieser 250 GTO ist wirklich ein schönes Gefährt.