Zurück in die Zukunft

Was wird in zwanzig Jahren sein? Abgesehen von Dingen wie Umweltverschmutzung, dem Dritten Weltkrieg und einem noch schlechteren Fernsehprogramm. Werden wir in Elektroautos sitzen, die wir uns zu fünft teilen? Wiebke Brauer hat Angst.
Zurück in die Zukunft

Wie gruselig. Dabei bin ich gar nicht der Typ, der findet, dass früher alles besser war. Aber gerade finde ich die Vorstellung von mir in zwanzig Jahren sehr gruselig. Ich steuere dann stramm auf die sechzig zu, jede Faltencreme hat versagt, vielleicht habe ich mir die Dinger machen und die Stirn aufbügeln lassen und mir bleich gefärbte indische Haare in die meine Frise gedübelt, damit sie voller wirkt.
Aber das ist nicht das Schlimme. Ich habe Angst davor, schlimme Autos zu fahren und schlimme Autos gut zu finden. Es gibt Menschen, die ich für geschmackssicher hielt und die jetzt eine A-Klasse ganz okay finden.
Meine werte Mutter findet ja meinen SL sehr schön. Am besten gefallen ihr ja die fest gepolsterten Sitze, da sitzt man viel besser als im Coupé. Da kann man mal sehen, wie sich die Wertigkeiten nach unten verschieben. Physisch gesehen jetzt. Aber ich werde mit Sicherheit auch Rücken haben. Und Po. Und Beine. Und was man so alles hat im Alter.
Aber wahrscheinlich fahren gar keine Autos wie heute durch die Gegend. Wir werden alle in E-Mobilen, kurz iCars durch die Gegend flitzen. Ach, dann hat es sich wahrscheinlich ausge-eit und man hat den Wir-Gedanken wieder entdeckt – und weiß ist wieder en vogue, nachdem zwanzig Jahre alles grün und rot war. Wir fahren dann also weiße we-Mobile, die dann vMobes (sprich: Wiii-Moobs) genannt werden. Und alleine für sich hat man die auch nicht, die werden auf Menscheneinheiten á fünf Personen zugeteilt. Darin kann man dann gleichzeitig fernsehen, bügeln und vögeln, denn Zeit ist Geld.
Und weil ich in zwanzig Jahren natürlich immer noch ein Faible für das Rückwärtsgewandte pflege, werde ich für einen Mercedes der M-Klasse schwärmen, Baujahr 2003, da kann man dann auch seinen pensionierten Po prima reinschieben. Oder einen Audi. Die finde ich ja jetzt schon gut. Vielleicht einen Q7. Und dazu noch einen Cayenne. Und diese Autos werde ich dann auf Atomkraft umgerüstet haben. Oder Solarantriebe. Die Höchstgeschwindigkeit liegt dann bei 60 km/h, aber schneller darf dann eh kein Mensch mehr fahren.
Ja, könnte sein. Muss aber nicht. Denn manchmal sehe ich mich auf der Straße nach alten Damen um, die sich sehr lässig in ihren alten Sportwagen fläzen, das schlohweiße Haar weht im Wind – und auf ihrer Stirn steht: „Jetzt bin ich alt genug, um teure und schnelle Autos zu fahren und über allem zu stehen.“
So wird es sein. So werde ich sein. Sehr weiß, sehr alt und sehr schnell.

Autor: Wiebke Brauer 

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Autor: Wiebke Brauer (Wiebke Brauer) am 26.10.2009


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Xaver
Xaver 26.09.2009

Der Techno-Schrott der mit maximalem Umweltverschliss dem heutigen Autofahrer als vernuenftig unter die Nase gehalten wird, da "man Sprit spart", ist keine weiteren Gedanken wert...Flasche Wein 'raus, "original abgezapft und verkorkt von Talhuber und Soehne", Constipation Blues von Screamin Jay Hawkins an, gefolgt von Arm Pit #6 und dann eine kleine Ausfahrt im Rekord C mit Lenkradschaltung...aaaah!

stude
stude 25.09.2009

sehe die 4 gut gebauten Kerle bei Wiebke auch in einem anderen Licht.

da die Rentnergang imm mehr an Zahl zunimmt, die Jugend malges Autoindustrie nen vernünfigen Job braucht sehe ich das so :

4 Kerle, 4 Ecken (keine Ecken an Wiebke, die "Dinger" paasen) - sprich Wiebke wird mangels Sprit in einer Sänfte getragen.

Das ist doch mal was .......... :-))

crazy4citroen
crazy4citroen 21.09.2009

Einspruch, euer Ehren. Die Autohersteller verdienen doch vor allem an dem Krempel, den keiner im Auto haben will: Acht-Zonen-Klimaautomatik, Telematikmüll, Sitze für Leute, die sowieso zu wenig zu Fuß gehen, dazu ESP, Head-up-Display, Oma-Piepser, viel zu fette Reifen und bestimmt auch bald die vollautomatische Nasenputzmaschine. Sex-Appeal kriegt ein Auto erst durch die Macken, die man ihm heute systematisch auszutreiben versucht. Aber sicher nicht durch immer neue Sicherheitsmaßnahmen, die einen immer mehr zum gedankenlosen Fahren ermuntern. Und was rückwärtsgewandt ist, muss früher oder später sterben, und es wäre nicht einmal schade um die ganzen Potenzzäpfchen made in Germany, die heute gebaut werden...

pkabel
pkabel 20.09.2009

Es wird so sein: Die Autoindustrie wird in den nächsten Jahren nur noch auf Vernunftargumente setzen und sich damit das eigene grüne Grab schaufeln.

Vernünftig ist ein 1-Liter-Basis-Ausstattungsgefährt mit Tretantrieb - wenn überhaupt. Davon aber kann man als Autobauer nicht leben. Unvernünftig ist alles darüber und Unvernünftig ist Sexy. Autos sind unvernünftig und haben trotzdem und gerade deshalb eine Blüte hervorgebracht ohne Vorbild.

Leute aufgewacht: Wenn Autos nicht mehr Sexy sind, dann verkaufen die heimischen Hersteller vielleicht noch ähnliche Stückzahlen, verdienen daran aber nur noch einen Bruchteil und verlieren die volkswirtschaftliche Bedeutung.

Ich plädiere daher dafür den kommenden Elektroantrieben das Fauchen, Blubbern, Brabbeln, Trompeten und letztlich auch das Quitschen, Rattern und Schaben beizubringen. Wenn es sein muß mit Lautsprechern. Sound-Engeniering darf sich nicht auf das Zuschlag-Geräusch von Türen reduzieren. Der E-Antrieb muß funkten, fauchen und auch ein bischen Rauchen - wie im Zirkus. Gerne Umweltverträglich, aber weiterhin mit Sex Appeal.

Sonst ist alles vorbei.

crazy4citroen
crazy4citroen 20.09.2009

Ich glaub ja, die Ängste sind völlig unbegründet. Stell dir doch einfach mal vor, dir als dann älterer Dame werden vier gut gebaute junge Kerle zugeteilt. Da würdest du doch auch nicht nein sagen, wenn es hieße, dass von den fünf Personen auch immer drei tatsächlich im vMobe mitfahren müssten... Das wäre dann auch mal ein Schritt hin zu einer besseren Verständigung zwischen den Generationen ;-) Über die Vorteile von mehr Verkehr im Verkehr muss ich aber noch einmal nachdenken...