Veteran Car Run 2011 Nachbericht - von London nach Brighton

Sage und schreibe 600 Oldtimer waren beim Veteran Car Run 2011 am Start, alles Autos die noch vor 1904 gebaut wurden. Der älteste war ein Daimler Victoria aus dem Jahr 1894.
Veteran Car Run 2011 Nachbericht - von London nach Brighton

Der Veteran Car Run 2011 war auch in diesem Jahr wieder ein unvergessliches Ereignis für die Teilnehmer und die zahlreichen Zuschauer am Streckenrand. Es gab jede Menge Dampfautos, säckeweise rußfreie oder fast rußfreie Kohle speziell für Kesselbefeuerung und große Mengen Wasser. Man kann sich vorstellen, wie solch ein Gefährt daherkommt. Qualmend zischend und mächtig quält es sich durch Londons Suburbia und erntet von Herzen kommenden Beifall. Überhaupt stehen die Fans der Vorzeitkarawane tief gestapelt am Straßenrand und freuen sich über das Spektakel.

Mittendrin war auch Rennsport-Legende Jochen Mass der unter anderem schon mehrmals bei der Mille Miglia mit am Start war. Ich fuhr mit einem Autocar aus den USA, mit französischem Charakter und der war eigenwillig. Die beiden Jahre zuvor war ich mit dem Mercedes Simplex gefahren, und das waren hervorragende Autos, wirkliche Autos, mit einem Motor, der genug Kraft hatte, um auch vier schwere Mitfahrer einigermaßen leichtfüßig über die Hügel zwischen London und der Küste in Richtung Brighton zu bewegen. Selbst die Bremsen hatten mehr als nur symbolische Wirkung.

Nun, der oder das Autocar, zwei Zylinderchen mit insgesamt knappen 1200 Kubikzentimetern Hubraum, tat sich da freilich ein bisschen schwerer, was nicht überraschte. Dass aber drei Hände notwendig sind, das Auto zu fahren, dann doch. Der Ingenieur von damals war ein Spaßvogel. Links unter dem Lenkrad befindet sich ein Multitask-Hebel der nach vorn geschoben die Kupplung freigibt, Gas muss nach vorn, nicht motorradmäßig nach hinten, gedreht und so ständig in Position gehalten werden, rechts ein Schalthebel, mit einer mit dem Daumen zu betätigenden Entriegelung für den eingelegten Gang. Der Wunschgang wird dann mit einem gewissen Kraftaufwand gesucht und hoffentlich erfolgreich schnell eingerastet. Denn in den, einen wie Minuten erscheinenden Zeiträumen dazwischen fährt das Auto, wohin es will, wenn man nicht das Glück hat, mit einem beherzten und lenktalentierten Beifahrer unterwegs zu sein.

Das Auto spürt jede noch so geringe topographische Unebenheit auf, lange bevor man sie gesehen hat und möchte dann auch primadonnenhaft die Kraft von Männerhänden spüren, die den gelegentlichen Explosiönchen in den Zylindern unter die Funken greifen. Aber alles hat seinen Charme, so eben auch dieses Autocar.

Fotos/Quelle: Auto-Medienportal, The Royal Automobile Club




Autor: Carsablanca (MarktBeobachter) am 14.11.2011


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