Gestatten, mein Name ist Jensen. Herr Jensen.
„Ja, wer bist Du denn?“ Kaum hatte ich das schwarzgelbe Geschoss am Straßenrand entdeckt, ging ich in die Eisen, kehrte um und robbte mich an den Wagen heran. Nachdem ich ihn betätschelt, berochen und mein Telefon zu Rate gezogen hatte, wusste ich, wen ich vor mir hatte. Einen Briten. Ein Spritschlucker, eine pornöse PS-Maschine mit einer Lackierung wie Biene Maja. Aber das Beste: Er hieß Jensen. Schlicht, klassisch, unprätentiös. Spontan wünschte ich mir ein solches Modell, allein, um einmal auf die Frage: „Was fährst Du denn?“ zu antworten: „Einen Jensen.“ Aaaaaaaargh, wie lässig, danach sollte man um die Ecke schlendern, dann sofort auf den Boden werfen, sich in seiner Coolness suhlen und jensende und glucksende Geräusche von sich geben.
Wie dem auch sei. Namen finden wir offenbar für Autos unabdingbar, wir personalisieren und vermenschlichen, wir lieben den Geist in der Maschine, den Freund auf vier Rädern. Und das Kind braucht einen Namen: So fuhr eine Freundin von mir lange „Die Aubergine“, welche Farbe der Golf hatte, muss nicht extra erwähnt haben. Andere Wagen heißen Mandy, Bonz oder gar Wickert, wie ich neulich in einem Buch las, natürlich deswegen, weil das Gefährt wickerte, wenn es nicht ansprang. Bei Mandy, Bonz und Wickert handelte es sich übrigens um Modelle der Marke Mercedes-Benz, wobei ich mich frage, wie man einen Mercedes „Mandy“ nennen kann. Mein braunes 123er Coupé wurde zumindest von der Vorbesitzerin „Schoke“ genannt. Aber die kam auch nicht aus den blühenden Landschaften. Höre ich da ostzonale Intoleranzen heraus? Aber sicher! Wobei ich einen „Erich“ oder „ Ho Chi Minh“ mit rotem Stern durchaus gelten lassen würde.
Andere Kraftfahrzeuge wiederum bekommen ihren Namen aufgrund des Nummernschildes verpasst. So hieß ein mir bekannter Wagen mit dem Kennzeichen HH SE nur „Der Hase“, der Peugeot 206 eines Freundes mit Kennzeichen HH UR entsprechend „Die Hure“, wobei die Bezeichnung auch auf die schlechte Behandlung des Fahrers und die Gefügigkeit des kleinen grauen Peugeots zurückzuführen war.
Und wie heißen meine Autos? Gar nicht. Und ich bin nicht allein. Eben verfolgte ich in einem Forum eine Diskussion darüber, wie Menschen ihren Wagen nennen. (Streuner, Blackwolf, Scheißerchen, Moppel, Hammeriteratte).
Ein Teilnehmer schrieb nur: „mein auto heißt vectra und ist von opel.“
Das hat Charme.
Autor: Wiebke Brauer
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Diskussionen
Ja-ja, stimmt schon, da ist was dran. Aber Du vergißt: MB und BMW sind deutsche Automarken. Da muß doch alles sauber einzuordnen sein: anhand der Zahl kannst Du dann genau überprüfen - oder Dein Chef! - welches Auto jetzt für Deine Carriere-Stufe angemessen ist.
Das ist ja das Schlimme mit den Oldi-Leuten: Steht nun so ein alter MB 300-6.3 über dem aktuellen E-300 hyper-turbo-weiß-ich-was, oder wie oder nicht? Oder der Barock-Motor-Wagen mit dem alten 3,2 ltr V8: trotz der nicht respektlos dem oben raus überleistungswillig-hochdrehenden aktuellen 3-dingsda? Und das noch bei lässiger Verweigerung eines Ampelstart-Rennens!
Wie soll sich da einer auskennen?
Nein, ich plädiere eindeutig für die komplett durch-numerierte Typisierung: am Anfang der Buchstabe des Hauses, Bindestrch, dann eine dreistellige Typen-Ziffernkombi, Bindestrich, eine zweistellige Baujahrs-Kennziffer, Bindestrich, abschließend die einstellige EDV-Kontrollziffer.
Wie, wozu Kontrollziffer? Also das ist doch bei uns-zulande keine wirkliche Frage, oder?
Meint Jürgen
Das Thema Autonamen ist unerschöpflich und immer wieder spannend! Ich ziehe schöne Namen diesen blutleeren Zahlenkombinationen definitiv vor: Wie wollen BMW oder Audi mit solchen blöden Codes nur "Freude am Fahren" aufkommen lassen?
Das heisst aber noch lange nicht, dass ich meinen eigenen Autos persönliche Namen gebe -- vielleicht fehlt mir einfach die Phantasie dazu? Wie sollte ich sie denn nennen? Jaguarinho, Sprintli, blauer Wahn, Mr. Bean? Weiss nicht, das überzeugt mich eben auch nicht.
Testosteron: Du würdest deinen Espada sicher auch fahren, wenn er "48-4" oder so heissen würde, oder? Aber Espada klingt schon viel viel edler, da stimme ich dir zu. Und über die Namen der Farben nachzudenken, finde ich ebenfalls eine interessante Idee (aber dann bitte auch mal auf deutsch übersetzen, um zu sehen, ob hinter den Namen auch Substanz steckt oder nur ein hohler Marketingspruch).
Mein Jaguar trug übrigens die inoffizielle Farbe "salamirot" und mein Mini "senfgelb".
E S P A D A.
Den Wagen fahre ich nicht zuletzt wegen seines Namens.
Ausserdem muß man aus meiner Sicht auch auf die Farbnamen der Fahrzeuge achten:
Verde Aacqua außen, Verde Chiaro innen
Bei meinem Espada beispielsweise.
Da braucht es keine Extranomenklatur.
Wie heißen die Farben eurer Autos?
Den Jensen in Biene-Maya-Kriegsbemalung habe ich übrigens auch unlängst in Hambrg gesehen. Sehr, cooles Stying - aber echt! Hut ab!
da hat jemand, mit einer sehr eigenwilligen farbkombination, dem JI nicht gerade eine gute tat erwiesen...
... wobei ich es ja ehrlich gesagt noch um einiges feister finde, das das gute Stück auch noch den Nachnamen "Interceptor" hat.. das kommt fast an "Defender" ran :-)
Also ich weiß nicht recht...nachdem ich sie fragte, haben mir meine Fahrzeuge immer ihre Namen gesagt.
Was eine Seele hat, verdient auch einen Namen!
Ob albern oder nicht, es gibt einfach Autos, bei denen es zu helfen scheint, wenn man ihnen gut zuredet, damit sie anspringen oder mit sonstigen Zicken aufhören. Und da bietet es sich schon an, dem Kind einen Namen zu geben. Dass der dann für andere nicht immer sinnvoll erscheint, kann dem gemeinen Oldtimerfan, der bei der Ausübung seines Hobbys als letztes die Vernunft befragt, wurscht sein. Mein GSA heißt jedenfalls "Madame Pierrette" nach seiner greisen Erstbesitzerin, die ihn mir mit 87 überlassen hat - und da steh ich dazu... ;-)