Essen auf Rädern
Hart gekochte Eier. Graubrotschnitten mit Streichmargarine und grober Kalbsleberwurst. Burger von McDonalds. Burger von Burger King. Taco Chips mit scharf. Chipsfrish mit der Geschmacksnote Oriental. Nudelsalat mit Haut. Kommt mir alles nicht ins Auto. Das Essen im Personenkraftwagen halte ich persönlich für eine Unsitte – und ich rede jetzt nicht davon, was mit dem frisch gebrühten Kaffee im Pappbecher passiert, wenn man auf der Tanke wieder in seinen Oldtimer steigt und sich den Kaffee zwischen die Beine klemmt. Früher gab es nämlich keine Getränkehalter. Früher gab es auch keine Schlaglöcher. Ich fühle mich seit neuesten auf Hamburg Straßen wie auf Helgoland nach dem Zweiten Weltkrieg – aber das nur nebenbei.
Ich weiß nicht genau, ob es daran liegt, dass ich das Essen in der Bewegung nicht schätze. Ich liebte es früher auch nicht, im Gehen zu Rauchen. Im Auto raucht es sich hingegen ganz formidabel. Aber Abbeißen, Schlucken, Schlürfen und Krümeln? Nein. Nicht im Zug, nicht im Bus, noch nicht einmal im Flugzeug. Still muss es sein. Die Umgebung darf sich nicht verändern, nichts darf vorbeiziehen und Unruhe verbreiten. Schmatzen in der Statik, das ist mein Ding.
Dabei ist das „To Go“ gerade schwer in Mode. Als ob wir keine Zeit mehr dafür hätten, uns mal für eine Stulle hinzusetzen, gibt es alles auf die Hand. „Zum Mitnehmen oder für hier?“ heißt es dann, wahlweise auch „To go oder Inhouse?“ Und schon hasten wir weiter. Ich bin kein Freund der Entschleunigung und der Geschwindigkeitsbegrenzung. Von der Slow-Food-Bewegung halte ich wenig, weil ich gern schlinge. Für mich auch zwei Wildschweine! Es ist lecker, mjam, schnell rein damit! Buarps, knurps, satt.
Aber wer in mein Auto steigt, hat bitteschön keinen Whopper in der Hand – von Drive-ins ganz zu schweigen. Der Gestank nach Gurkenersatz, Käsegelb und Fleischplaste hängt noch Tage im Himmel. Und gänzlich verboten ist das Croissant, frankophiler Feind der Innenausstattung, gebackene Inkarnation des nutritiven Bösen. Also ob es nicht reichen würde, dass sich Croissants auf das Infamste in großen Krümelplacken häuten, die man auch gerne noch Jahre später unter dem Sitz findet – dieser teigige Abrieb ist auch noch ein lipophiler Albtraum. Heißt, das Croissant an sich krümelt UND fettet.
In den 80er Jahren hießen die Dinger zumindest noch Hörnchen und waren so staubig wie die Straßen von Kairo. Die Hörnchen von einst fetteten zwar nicht, wurden aber dafür gern mit Mohn ziseliert. Nach dem Genuss hingen die Mohnkörner dann nicht nur zwischen den Zähnen, sondern auch noch zwischen den Sitzen.
Bin ich spießig? Sicher! In meinem tiefsten Inneren träume ich von einem Kissen in meinem Auto mit gesticktem Sinnspruch. Kunstvoll eingearbeitet steht da zu lesen: „Kein Verzehr im Verkehr“. Herrlich.
Dieser Artikel von Wiebke Brauer erschien am 28.02.2008
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Diskussionen
Ja klar... Ich esse sowohl im Oldie als auch in meinem Alltagsauto die angesprochenen Dreieck-Sandwichs, weil man sie klecker- und krümelfrei einhändig verzehren kann.
... es gibt die tollen dreieckigen Sandwichs auf einem labbrigen (ungetoasteten) Toast. Die sind sogar halbwegs gesund, und ich esse sie ausschliesslich auf deutschen Autobahnen.
Der Grund ist, dass das Speisenangebot in deutschen Autobahn-Self-Service-Restaurants leider ganz düster aussieht im Vergleich zu Österreich oder der Schweiz (ich will den Namen hier nicht nennen. Ihr wisst, welche Kette ich meine: sind sehr weit verbreitet).
Es gibt Raststätten, welche nebst dem genannten Self-Service-Restaurant noch McD oder BurgerKing haben. Bei den letzteren ist immer eine lange Schlange, während bei ersteren gähnende Leere herrscht.
Deshalb gibt es bei mir immer nur dreieckige Toast-Sandwichs... ;-)
Ich finde auch, dass beim Fahren nicht gegessen werden sollte, und bei mir gilt das nicht nur für den Fahrer, sondern auch für den Beifahrer. Selbst auf langen Strecken finde ich es viel angenehmer zum Essen anzuhalten.
Die Diskussion bezieht jetzt schon sehr verschiedene Komponenten mit ein: LKW und Schlaglöcher, Kaffee mit Pommes und Handy mit Bockwurst. Aber Moment, Joro, Stichwort Mallorca-Rohr! Wie war das doch gleich in der Formel eins: die Piloten (!) haben doch auch so ein Trinklutsch-Röhrchen "an Bord" - sebstverständlich high tech, ganz extrem, sodaß es möglich ist daß es auch mal versagen kann und der bis dahin führende zurückfällt und auf den verknarksten Funkspruch von der Box "Hör auf zu zuzeln der Schnuller ist leer, gib lieber Gas!" versteht: "Du mußt nochmal zum Tanken reinkommen, das ist kein Spaß!" So entstehen kurz vor Schluß die beliebten Überraschungsmomente eines F-1 Gleichmäßigkeitsrennens, leider erleben sie zuweilen nurnoch wenige Zuschauer im Wachzustand. Übrigens soll die F-1 Trinkspeise nicht coffeinhaltig sein, da die FIA, also Max, nur Tee trank. Ob sich das unter dem Weinliebhaber und ex Ferrari Teamboss Jean Todt ändert, wird sich zeigen. Wie? Ja klar: wenn es die erste Disqualifikation auf P1 wegen Trunkenheit am Steuer gibt.
Aber, nevergiveup, ich meine ja: die Mampferei hat auch was für sich: zum Beispiel, wenn Du ins anregende Handy-Gespräch vertieft am Boden nach Deiner aus der Hand geflutschten Bockwurst suchst - ich muß doch Bitten das jetzt nicht mißzuverstehen! - dann wirst Du ja nicht mitbekommen wie Du bei Rot unter dem quer kommenden Sattelschlepper durchgeflutscht bist und wundest Dich nur wieso jetzt mit diesem lauten Ratsch das Dach weggeflogen ist .. Naja, manche machen das mit der Flex, mancher mit Reflex ;-)))
Tipp am Rande: eher nicht ausprobieren, sowas geht nur in Filmen gut.
Jürgen
Es ist durchaus damit zu rechnen, dass sich die Anzahl und Variation der Schlaglöcher auf die Art- und Weise der Nahrungsaufnahme im PKW auswirkt. Vereinzelte Schlaglöcher mit Tiefen um die 5 cm dürften selbst den Kaffee zwischen den Beinen unbeeindruckt lassen. Schlaglöcher im Blumenkübelausmaß, nach dem Zufallsprinzip auf der Straße verteilt, kann schon zu kurzen und ruckartigen Lenkmanövern führen, wobei der Kaffee bedingt durch die Schwerkraft seinen Weg nach rechts, links oder vorn suchen wird. Die erreichbare Weite ist hier sicher abhängig von Geschwindigkeit, Bremsverzögerung und Lenkeinschlag. Hinweis: Sollte man mit Rücksicht auf den Kaffee lieber das Schlagloch geradlinig passieren wollen, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass der Kaffee bis in den Sichtbereich nach oben spritzt. Man muss sich dann zunächst auf ein flexibles Vorbeischauen einrichten. Der Ort des Auftreffens ist dann nicht mehr vorhersehbar, dürfte aber nur zu einem geringen Prozentsatz im Kaffeebecher enden und entgegen den Brems- und Lenkmanövern seinen Weg nach hinten suchen. Das Verhalten von Pommes oder breiigen Nahrungsmitteln dürfte analog sein. Zu empfehlen sind Lebensmittel, die fest umgreifbar sind (z.B. Bockwurst mit Brötchen), möglichst ohne Senf oder Ketchup, weil sich diese Beilagen wieder wie Kaffee verhalten. Für Getränke eignet sich am Besten ein Behälter im Fussbereich in Verbindung mit einem Mallorca-Rohr oder Trinkschlauch, der allerdings fest mit dem Gesichtsfeld zu verbinden ist, weil er sonst bei Lenk- oder Bremsmanövern eben wieder der Schwerkraft folgt und aus dem Mund geschleudert wird.
Also, alle die auf den Verzehr beim Verkehr nicht verzichten können, müssen in den nächsten Monaten noch recht kreativ sein, bis vom Bundesverkehrsminister die erforderlichen Mittel zur Herstellung einer verzehrsfreundlichen Fahrbahn bereitgestellt worden sind. Guten Appetit
Wie recht Du doch wieder mal hast, Wiebke. Wenn's drauf ankommt (und beim Autofahren kommt's drauf an) bin ich ein ausgesprochener Freund sequentieller Tätigkeiten; nichts von multitasking. Mach' das, was Du tust und tue es gut (oder lass es ganz) Beim Fahren wird gefahren, beim Essen wird gegessen. Es ist demnach auch klar, dass wir während dem Autofahren nicht telefonieren (eigentlich nicht mal mit einer Freisprechanlage). Wenn ich jedoch beobachte, wie schlecht der Durchschnittseuropäer Auto fährt, zwingt mich das zur Annahme, dass er neben dem Essen und Telefonieren wohl noch weitere Dinge gleichzeitig tut, die ihn ablenken. (Aus political correctness Überlegungen muss ich wohl die Durchschnittseuropäerinnen mit einschliessen)
Lieber Gruss aus der Schweiz
Cavallino
Was ich momentan auch so erschreckend finde, sind die vielen Mariannengraben tiefen Schlaglöcher in Hamburgs Straßen. Gerade auch neben meinem Fenster befindet sich solch ein 1m langer und 50cm Breiter Riss bei dem jedes mal das komplette Gebäude erschüttert wird, wenn ein LKW - die irgendwie immer versuchen mit Höchstgeschwindigkeit auf die Ampel zuzufahren - darüber fährt.
Also: Was den frisch gebrühten Kaffee angeht, da wird es sehr unterschiedlich sein. Der Eine Kaffee wird sich sehr wohl fühlen und der andere Kaffee möchte sicher nur weg. "Kein Verzehr beim Verkehr" das halte ich schon immer so!! Auch Rauchen beim Sex finde ich sehr unangemessen. Aber das Leben ist dynamisch und viele Sitten ändern sich. Essen im Auto beschränke ich auf sehr wenige begründete Ausnahmefälle, aber beim Naschen bin ich viel flexibler......
Eigentlich wollte ich heute keine Schokolade mehr aufmachen - aber bei d-e-m Foto .. ok, ist ja nur vor dem Bildschirm!
Dein striktes "No to go nuitrition" hat etwas für sich! Die Folgen von Pommes mit Ketchup beim (Taxi-)Fahren hatte mal Dieter Hallervorden in einer seiner Kommödien herrlich ausgebreitet: abends "frei" durch West-Berlin streifend auf der Suche nach Fahrgästen hatte er ein Tüte vor sich und warf sich einen Stengel nach dem anderen ein. Da! Zwei Männer winkten, ein beherzter Tritt auf die Bremse, nichts wie rechts ran! Mit Ketchup am Pulli aber direkt vor den Leuten gehalten. Ein offenbar schwer betrunkener wurde ihm eingeladen, der andere nuschelte etwas von "wichtiger Militär, Party, Diskretion - Sie wissen schon" Na klar doch! Eine Adresse in Ost-Berlin wurde auf einem kleinen Zettel gereicht, die Fahrt im Voraus gut bezahlt. Alles Bestens - oder? Na, was weiter geschah (damit ging's ja erst los), das schaut euch am Besten in dem Film an, wo immer ihr ihn mal sehen könnt!
In einem jetzt nicht mehr aktuellen E-Klasse Mercedes den ich rein jobmatisch fuhr, verspürte ich nach stundenlangem Kilometer abspulen des Nachts heftiges Verlangen nach einem heißen Café. In einer Tankstelle fand sich eine richtige Café-Maschine, da nahm ich mir einen Becher 'to drive' mit! Zwei Portiönchen Milch, zwei Päckchen Zucker, gut gerührt. Nein, ich klemmte es nicht zwischen die Beine, ich stellte es auf der Mittelkonsole der Automatik ab - was in Stellung P problemlos möglich war. Angelassen, den Wahlhebel ganz intuitiv auf D und mein Becher ging ex! Schräg über das Panel verlief sich die Hälfte der hellbraunen Brühe. Was soll ich sagen? Anderntags fragte man mich warum die elektr. Rückspiegel sich nicht mehr einstellen ließen. Mir schwante etwas. Bald darauf hieß es, der Benz sei bei Mercedes, die Automatik spinnt. Ich konnte es kaum glauben! Sollte die deutsche Wertarbeit unter 1/2 Becher Café versagen? Das darf doch nicht wahr sein! War's aber. Wo lassen Sie testen, wenn ich fragen darf? Gut, die Automatik haben sie in der Werkstatt wieder flott gemacht, aber die Rückspiegel blieben beleidigt mit auf den Türgriff gesenktem Blick.
Also: trinke nie Café in einem E! Gegen Mineralwasser soll die Elekronik nichts einzuwenden haben, aber wohl auch nur Überkinger, sanft ...
Grüßt noch immer kopfschüttelnd Jürgen
Ich gebe zu, ich esse oft im Auto. Asche auf mein Haupt. Auch meine Familie krümelt das Auto so voll, dass es einmal im Jahr ein Grundreinigung braucht.
Aber wenn man eine amerikanische Burgerschmiede anläuft, so kann man außerhalb des Fahrzeugs sein Menü nur zwischen kichernden Teenagern und am Rande einer Katastrophe balancierenden Familien mit quengelnden, unerzogenen Rotzlöffeln goutieren.
Da bestelle ich doch lieber an einem schwer verständlichen Lautsprecher und kann in aller Stille oder beim Klang der von MIR gewählten Musiktitel meine Beute aus der Papiertüte verschlingen. My home is my carstle!!!
Lüften kann man während der Weiterfahrt und saugen muss man das Auto sowieso demnächst mal wieder.....