An meine Ohren lasse ich nur…
Es ist neu. Es ist ein Becker. Ich habe relativ viel Geld dafür bezahlt, damit es wenige Knöpfe hat, nicht neonblaugrüngelb blinkt oder „Hello“ zu mir sagt. Ja, ich weiß, es ist kein Original und deswegen böse. Aber es macht mich glücklich, weil ich nicht mehr die Adapterkassette reinschieben muss, um dann den Adapter für das iPhone anzudocken, um dann das iPhone an den Adapter anzuschließen. Ging gar nicht.
Auf jeden Fall stellt sich seit gestern die Frage, was man in seinem geliebten Auto hört. Denn plötzlich dringen wohlklingende Noten an mein Ohr – und nicht mehr nur das Hochschalten der Automatik oder das atmosphärische Rauschen, das alle Mitfahrer dazu brachte, „Ah. Massefehler.“ zu seufzen.
Streng genommen dürfte bei mir nur die Titelmusik der Serie „Dallas“ laufen. Denn die meisten, die meinen Wagen sehen, quieken sofort: „Den hatte Bobby Ewing!“ Njein, Bobby fuhr einen kirschroten Mercedes-Benz 450SL, soweit ich weiß, aber das nur nebenbei. Ich könnte auch die Titelmusik zu „Hart aber herzlich“ hören. Oder dem Baujahr 1985 gemäß den Smash-Hit „One Night In Bangkok“ von Murray Head. Danach folgte in der Playlist „You're My Heart You're My Soul“ von Modern Talking und Sandra mit „Maria Magdalena“, die schafften es in diesem Jahr auch auf Platz eins der Charts. Man merkt: Es war ein gutes Jahr für Autos – und ein katastrophales für die Musikgeschichte. Wobei ich zugeben muss, dass es sich auch um ein fatales Jahr für meine Optik handelte. Was das Make-up anging, mäanderte ich zwischen mit Boy George und Marilyn Manson, die Frisur orientierte sich an diesen lustigen Büschen, die immer durch die Wüste rollen. Noch schnell einen Cowboystiefel übergestülpt und ein Kilo maisgelbes Plastikgebimsel an die Ohren gehängt, fertig war der modische Fallout.
Aber ich sprach über Musik. Sollten wir nur Jimi Hendrix erklingen lassen? Lalo Schifrin? „Benzin“ von Rammstein? Janis Joplin? „Road Trippin’“ von den Red Hot Chili Peppers? Vielleicht auch „Rental Car“ von Beck oder „Closer“ von den Nine Inch Nails. Andere lassen sich lieber von klassischer Musik berieseln oder zischen sich drei Stunden Wagners „Ring der Nibelungen“ in die Schnecke.
Aber wie wir wissen, ist der Soundtrack unseres Lebens viel profaner. So suchte ein Freund von mir einst ein gebrauchtes T-Modell. Bei Mercedes fragte er den Verkäufer nach einem Wagen mit CD-Player, da alle angebotenen Autos nur über einen Kassettenspieler verfügten. Daraufhin antwortete der freundliche Angestellte: „Naja, wissen sie, unsere Kunden, die hören dann eher Benjamin-Blümchen-Kassetten.“
Auch eine Form von „Highway to Hell“.
Autor: Wiebke Brauer
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Diskussionen
In allen meinen Autos sind die Radios nur zur Optik da. Entweder sind sie eh kaputt oder werden nie eingeschaltet.
Warum fahre ich einen Oldsmobile? Wegen dem tollen Big-Block-Sound. - Und warum einen Porsche 928? Richtig! Weil sich die Porsche-V8-Komposition einfach genial anhört. - Und warum den ollen Granada? Genau! Weil die Grauguss-Ouvertüre im Dauer-Replay einfach süchtig macht!
Heute musste ich in meinem Toyota Verso-Mietwagen doch mal das Radio anmachen, um mir nicht anhören zu müssen, wie sich das 1,6-l-Winzigmotörchen unter meinem Gasfuss abquält. Und was war? Hits, die immer noch als "neu" verkauft werden, obwohl man sie bereits nicht mehr hören kann. Alle halbe Stunde Werbung, bei der ich nicht weiss, wer darauf anspringen soll, weil sie so witzlos ist. Meldungen über alles Schreckliche und Unwichtige, was in der Welt passiert [was Schönes und Wichtiges ist heute wohl nicht geschehen]. Dazu debile Spiele und grauenhaft "lustige" Moderatoren. Ab 15h ist jeder zweite Satz: "ist ja bald Feierabend" und ab Mittwoch "ist ja bald Wochenende". Toll! Und dann die Verkehrsmeldungen. Leider war das Pferd nicht mehr auf dem Autobahnkreuz, obwohl ich zeitgleich zur Meldung da war. Ich hätte es gerne mitgenommen und zu Huftsteak und Bratwürsten verarbeitet...
Zuhause höre ich (nebst CD's) übrigens ausschliesslich meinen Kabel-Oldiesender ohne Werbung, Nachrichten, stumpfen Gewinnspielchen und Pferden auf der Autobahn.
Viele Grüsse von
Stefan
Originales Ablagefach statt Radio! Dann kann man in Ruhe dem asthmatischen Ächzen und Knirschen der Karosse lauschen, im Duett mit den mahlenden Radlagern.
Wie waer's mit Manhattan Transfer, Joe Cocker, oder die immer guten songs von Ray Charles, Frank Sinatra und James Brown?
...in meinem Rekord C ist kein Radio, und die Motor- und Auspuffgeraeusche etc sind meine Musik. Der Wind spielt auch schoen ab 45 Meilen. Es ist halt eine andere Welt im "guten Kameraden". Gelassen und gemuetlich.
Meine Tochter treibt mich gern den Baum 'rauf, indem sie den Mexikanischen Sender im Manta A findet...AAArgh!!