Bernd Rosemeyer: Vernissage zum Hundertsten im Keller von PROTOTYP

Dem nach wie vor populären Auto Union Piloten Rosemeyer widmete das Hamburger Automobilmuseum PROTOTYP in der Hafen-City eine Ausstellung. Zu deren Eröffnung kam der Sohn des berühmten Rennfahrers zu Wort und gab Einblicke in das Leben des früh Verstorbenen.
Bernd Rosemeyer: Vernissage zum Hundertsten im Keller von PROTOTYP

Zum hundertsten Geburtstag des nach wie vor populären deutschen Rennfahrers Bernd Rosemeyer hatte sich das Automobilmuseum in der Hafencity etwas ganz Besonderes einfallen lassen und anlässlich einer Ausstellung von Fotos und Memorabilia zum Leben und Wirken des frühen Medienlieblings eingeladen. Höhepunkt und Auftakt des Abends bildeten die Ausführungen von Bernd Rosemeyer junior. Skeptiker mögen einwenden, ein zum Todeszeitpunkt des Rennfahrers zehn Wochen alter Säugling könne doch wohl wenig über das Leben seines berühmten Vaters beitragen, doch weit gefehlt.

 

Überzeugend wurde in dem amüsanten und herzlichen Vortrag ein Mensch lebendig, dessen Bekanntschaft keiner der Anwesenden Gäste jemals gemacht hatte. Die Ausführungen von Bernd Rosemeyer wurden durch zahlreiche Bilder des Auto Union Fahrers und seines Umfeldes veranschaulicht. Von Kindesbeinen an wurde Bernd Rosemeyer junior mit dem Wirken seines Vaters vertraut gemacht, sodass er kenntnisreich über die einzelnen Stationen  von dessen  Karriere berichten konnte. Die am Ende seines Vortrags geäusserte Behauptung, sein Vater sei Zeit seines Lebens im Hause Rosemeyer präsent gewesen, hatte der Vortragende damit eindrucksvoll bewiesen.

Menschlich von dem tollen Helden gänzlich eingenommen, traf der Vortrag von Uwe Day über die Verstrickungen des jungen Idols mit den Umtrieben der nationalsozialistischen Machthaber die Zuschauer wie ein gut gezielter Schlag in die Magengrube.

 

Denn Day machte deutlich, dass nur innerhalb der Propaganda der braunen Herrscher der kometengleiche Aufstieg des Lingeners erklärbar werde. Anhand von Beispielen wurde der Rolle des charismatischen Aufsteigers, der stellvertretend für die Gesamtheit der Deutschen mit den fortschrittlichsten Maschinen rang, die Nützlichkeit Rosemeyers für das Aussenbild des neuen Weltbildes begründet. Natürlich schmälert dies in keinster Weise die sportlichen Erfolge Rosemeyers, dennoch verdankt er seinen Aufstieg zum Liebling der Nation eben nicht reiner Eigenleistung, sondern der unheiligen Allianz mit den Mächtigen, so Day.

 

Nach solch gehaltvoller Kost lenkte der anschliessende Vortrag vom Chefredakteur der Motor-Klassik, Malte Jürgens, über das frühe Dahinscheiden jugendlicher Helden auch nicht gerade in elysische Sphären, obwohl Jürgens auf Erzählungen griechischer Sagen zurückgriff und noch nicht einmal vor einem Schiller-Zitat zurückschreckte. Ob sich Bernd Rosemeyer über die Gesellschaft von Janis Joplin, Jim Morrison oder Jimie Hendrix gefreut hätte, in die er während des Vortrags gerückt wurde, mag angezweifelt werden. Zumindest mit James Dean hatte er die Leidenschaft zum schnellen Autofahren und die Liebe zu Porsche-Sportwagen gemein.

Anschliessend kamen mit Peter Weidmann und Hans Heinrich Pünjer zwei Männer zu Wort, die dem Phänomen Rosemeyer einen privateren Anstrich geben konnten. Der eine hatte den damaligen Radio-Übertragungen  zum Grand-Prix Geschehen gelauscht und somit zumindest mittelbar den Rennfahrer zu seiner aktiven Zeit erlebt. Der Andere als Sohn eines Mechanikers des Auto Union Rennteams gab Erlebnisse des Vaters aus dem beruflichen Umfeld des Europameisters zum Besten. Während Pünjer damals gar nicht mit Rosemeyer mitfieberte sondern eher dem Mercedes-Benz fahrenden Carraciola zuneigte, da sein Vater ein Auto eben dieser Marke besaß, wurde doch die soghafte Faszination des Renngeschehens für den damals Vierzehnjährigen deutlich. Einem Sog, dem sich damals große Teile der Bevölkerung gerne ergaben. Die Erzählungen Weidemanns nahmen dann wieder für den tollkühnen Wagenlenker Rosemeyer ein, der auch nach glücklich überstandenen Unfällen sofort einen neuen Wagen zum Weiterfahren verlangte.

Zum Abschluss der Veranstaltung wurden noch bislang ungezeigte Aufnahmen vom Weltrekordversuch Rosemeyers vom 28. Januar 1938 gezeigt. Zu sehen war der Stromlinien- Rekordwagen der Auto Union auf einem Teilstück der Autobahn zwischen Frankfurt und Darmstadt. Der Film datiert kurz bevor Bernd Rosemeyer bei einem tragischen Unfall ums Leben kam.

Autor: Frank Brendel

Bildquelle: Aufnahmen aus der Prototyp-Ausstellung




Autor: Frank Brendel (Peeperkorn) am 16.11.2009


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