Automobile Geschichte erleben - im August Horch Museum Zwickau
In ununterbrochener, facettenreicher Entwicklung gaben hier Techniker und Ingenieure vielen wegweisenden Konzepten, grundlegenden Erfindungen und ihrer Zeit weit vorauseilenden Ideen die Form, führten sie zur Reife und bestimmten dadurch die automobile Welt in bedeutender Weise mit. Bis heute ist der Kraftfahrzeugbau ein Motor der Wirtschaft in der Stadt und Region.
In diesem Zusammenhang wird die Bedeutung des August Horch Museums in besonderer Weise spürbar, ist es doch als Stätte der Sammlung, Erhaltung und Präsentation des reichen Erbes ein zentraler Punkt der gewachsenen automobilen Identität.
Darüber hinaus ist es eines der wenigen kraftfahrzeugtechnischen Museen Deutschlands, das seinen Sitz an einer früheren Fertigungsstätte hat. Denn die beeindruckende Ausstellung präsentiert sich im historischen Gebäudeensemble des früheren Audiwerkes.
Auf 3.000 m² Fläche werden Geschichte und Geschichten wach. Der Besucher gewinnt durch die Einbindung der 80 Großexponate sowie die Vielzahl automobilbezogener Kleinobjekte in auf ihre Entstehungszeit bezogene Hintergründe und Szenen einzigartige Einblicke. Von der Frühzeit der Kraftfahrt bis zum Beginn des Elektronikzeitalters reichen die Entwicklungslinien, die im wahrsten Sinne des Wortes für den Besucher erfahrbar sind.
Der erste Abschnitt der Darstellung des Zwickauer Automobilbaues widmet sich zunächst dem Namensgeber, dem Kraftfahrtpionier August Horch, der im Jahre 1904 den Automobilbau nach Zwickau brachte. Nach Differenzen 1909 zum Verlassen des Werkes gezwungen, gründete er in Sichtweite ein zweites Unternehmen. Da er seinen Namen nicht mehr verwenden durfte, wählte man als die Übertragung ins Lateinische - Audi.
Ein Horch 12/28 PS Phaeton aus dem Jahre 1911 sowie ein fünf Jahre jüngerer Lkw 25/42 PS der gleichen Marke, einst für den Einsatz im militärischen Bereich gefertigt, stehen als viel bestaunte, weil einmalige Raritäten für die Produktpalette des ersten Zwickauer Automobilunternehmens. Die Frühzeit der Marke Audi ist mit einem 11/28 PS Typ B Phaeton dargestellt. Der Wagen zeigt sich im Kontext der Österreichischen Alpenfahrten, des damals bedeutendsten automobilen Wettbewerbes. Audi konnte ihn – unter anderem mit einem solchen Fahrzeug – viermal in Folge gewinnen und errang mit dem Alpenwanderpreis ausgezeichneten Ruf.
Eine detailreich gestaltete Tankstelle der 1920er Jahre bildet den Mittelpunkt des nächsten Abschnittes der Entwicklung, in dem sich der Übergang von der handwerklichen Herstellung zur seriellen Massenfertigung vollzog. Bei Benzin- und Ölgeruch wird der Besucher in die Zeit zurückversetzt, in der Audi mit dem 1923 vorgestellten, wegweisenden Modell M die modernsten Konstruktionen des Kraftfahrzeugbaues anführte und in der Horch den Bau von technisch und gestalterisch auf höchstem Niveau angesiedelten Achtzylinderwagen begann. Sie ermöglichten den Aufstieg der Marke zum beherrschenden Hersteller der automobilen Oberklasse. Unter anderem sind ein Feuerwehrfahrzeug der Horch Werksfeuerwehr aus dem Jahr 1927 sowie ein Horch Polizeiwagen von 1930 zu sehen. Auch der seinerzeit als „Ruhmesblatt des deutschen Automobilbaues“ gefeierte Horch 350 ist vertreten.
Unter den noch heute bekannten Vier Ringen der 1932 gegründeten Auto Union präsentieren sich vier Fahrzeuge der damals zusammengeschlossenen Marken Audi, DKW, Horch und Wanderer. Damit wird der Wille symbolisiert, die angespannte wirtschaftliche Lage in Folge der Weltwirtschaftskrise mit geeinten Kräften zu überwinden. Zuvor war bereits 1928 die Übernahme der Audiwerke durch den DKW Konzern erfolgt, der unter anderem die damals größte Motorradfabrik der Welt in Zschopau betrieb.
Mit der Auto Union war nunmehr schlagartig der zweitgrößte deutsche Fahrzeugkonzern entstanden, der vom Einbauaggregat über Motorräder und Kleinwagen bis zu Mittelklasseautos und Luxuskarossen alle Kundenwünsche erfüllte. Eine gute Voraussetzung zur Konsolidierung, die letztlich auch gelang. Übrigens verzahnt sich durch die Einbindung der Automobilabteilung von Wanderer in Chemnitz auch die Historie dieser Marke eng mit der Zwickauer Entwicklung.
Mit dem Betreten des angrenzenden Kontorgebäudes erreicht der Besucher die eigentliche Keimzelle von Audi, in der große Geschichte authentisch spürbar ist. Denn in den erhalten gebliebenen Arbeitsräumen August Horchs meint man, der Konstrukteur habe seinen Schreibtisch nur eben einmal kurz verlassen.
Eine funktionstüchtige Transmissionswerkstatt sowie ein Motorenprüfstand, auf dem ein Horch Achtzylindermotor in Aktion gezeigt wird, demonstrieren in der angrenzenden Werkhalle die Fahrzeugfertigung der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Neben der Herstellung der Technik werden auch der Karosseriebau und die Gestaltung dargestellt. Das noble Image zeigt die Eingangssituation des „Grand Hotel Royal“ – eben sind zwei Horch vorgefahren, der Chauffeur ist den Herrschaften beim Aussteigen behilflich. Ein Rundkino setzt die Geschichte des Automobilbaues filmisch in Szene.
Der wirtschaftliche Aufschwung und die einsetzenden Rüstungsproduktion brachten der Auto Union in den 1930er Jahren Absatz und Gewinne. Rationalisierung, Standardisierung und Aufbau zentraler Strukturen erhöhten die Wirtschaftlichkeit und ebneten den Weg zum einheitlichen Bild unter Beibehaltung der anerkannten Marken. Man beschäftigte sich mit strömungsgünstigen sowie Kunststoffkarosserien und führte Crashtests durch. Über all dies können sich die Besucher auf einem nachgestalteten Messeauftritt zur Internationalen Automobil- und Motorradausstellung 1936 informieren. Die Fahrzeuge, darunter der größte in Zwickau gebaute Horch und das schönste Sportkabriolett Deutschlands, der Horch 853, gruppieren sich vor einem Ausstellungspavillon auf dem typisch schwarz-weißen Mosaikfußboden. Im Pavillon sind Filmausschnitte zu sehen, in denen Autos der Auto Union eingesetzt waren.
Auch den sensationellen Erfolgen und Rekorden der Silberpfeile wird gedacht. Gerade sie trugen den ausgezeichneten Ruf des Zwickauer Automobilbaus um die Welt. Der erhaltene erste Rennmotor aus dem Jahr 1933 ist hier unter anderem zur Aufstellung gelangt. Zwei „Silberpfeile“ stehen bereits am Start, um – multimedial – selbst ein Rennen auszutragen.
Der Krieg und seine Folgen setzten einen Schlußstrich unter den Aufstieg. Ein von Trümmern und Brandgeruch umgebener Kübelwagen Wanderer W 11 vor Bildern des zerstörten Werkes Horch versinnbildlichen das Ergebnis des Krieges, das durch die Demontage den Neuanfang noch schwieriger gestaltete. Mit Übergangsproduktion und Reparaturen wurde begonnen – eine Schrotmühle sowie Schlittschuhe belegen dies eindrucksvoll.
Erst 1947 lief bei Horch mit Lastkraftwagen, später durch Traktoren ergänzt, der Fahrzeugbau wieder an. Neben dem Traktor „Pionier“ ist der neu entwickelte Lkw H 3 A ausgestellt, der sich als besonders ausgereifte Konstruktion großer, auch internationaler Beliebtheit erfreute. Auch der sogenannte „letzte Horch“, der P 240 „Sachsenring“, vorrangig als Repräsentationsfahrzeug der Regierung und Großbetriebe der DDR im Einsatz, ist präsentiert. Auf der Grundlage dieses Fahrzeuges entstand 1969 in zwei Exemplaren der „Repräsentant“ für die Führung der NVA. Eines der beiden Fahrzeuge kann man im Museum ganz aus der Nähe betrachten.
Das Untergeschoß des Ausstellungsgebäudes widmet sich der Zwickauer Kleinwagenfertigung. In nur sechs Wochen entstand das erste Modell jener Fahrzeugreihe, mit der die Breitenmotorisierung in Deutschland begann und die Großserienfertigung des Frontantriebs einsetzte. Jener DKW F 1, geschaffen und endgefertigt im Werk Audi, legte den Grundstein einer Erfolggeschichte, die zur wirtschaftlichen Grundlage der Auto Union avancierte.
Die weitere Geschichte der DKW Kleinwagen ist innerhalb einer Straßenszene dargestellt, die einem Teil der Leipziger Straße in Zwickau entlehnt ist. Neben den hier gezeigten Modellen, zu denen unter anderem ein eleganter F 5 Roadster gehört, laden ein begehbarer Tante Emma Laden und liebevoll gestaltete Auslagen verschiedener Geschäfte zum Bummeln und Verweilen ein und macht eine wirkliche Zeitreise möglich. Besonders am Langen Donnerstag, an dem das Museum bis 21.00 Uhr die Pforten offen hält, läßt ein (Schaufenster-) Bummel beim Schein der Gaslaternen richtiges Zeitgefühl aufkommen.
Ein Zeitblitz im Pflaster führt in die 1950er Jahre, in denen die Kleinwagenfertigung nahtlos wieder aufgenommen wurde. Auch den vor dem Krieg als Konkurrenz zum KdF-Wagen entwickelten DKW F 9 verwirklichte man in jenen Jahren.
Am Ende der Straße wird dann die Ära des Trabant sichtbar, die mit der Entwicklung eines neuen Kleinwagens und des Duroplast begann. Nach Verschiebung des ursprünglichen P 50-Projektes aus produktionstechnischen Gründen, entwickelte das VEB Kraftfahrzeugwerk Audi auf DKW-Basis den Zwischentyp P 70, der als weltweit erstes serienmäßiges Fahrzeug mit vollständig erprobter Kunststoffkarosserie eine Weltsensation darstellte. Besonders das elegante Coupé bestach und besticht den Betrachter.
Nach einer sehenswerten Einführung in die Entwicklung und Produktion des Duroplast sind die verschiedenen Entwicklungsstufen des Trabant zu sehen. Ein P 50 aus der Nullserie führt die Modellpalette an. Neben einem Kombifahrzeug des P 601, das die letzte sichtbare Änderung am Produkt darstellte, präsentiert sich der erhalten gebliebene einmillionste Trabant in der speziell gemischten Farbe korallenrot.
Unter dem Motto „Abgesang in Vier Takten“ ist schließlich die Entwicklung und Fertigung des letzten Modells mit Vierzylinder-Viertakt-Motor nachgezeichnet, das unmittelbar mit Beginn der Volkswagen-Fertigung in Mosel in die Serie ging. Eine Limousine, gleichzeitig der dreimillionste Trabant, sowie der Prototyp des nicht mehr gefertigten Kübelwagens stehen für das Ende der Zwickauer Kleinwagenfertigung.
Ein Trabant P 800 RS dokumentiert die vielfältigen Aktivitäten auf dem Rennsportsektor, von Teilnahmeschildern aus ganz Europa und Filmausschnitten eindrucksvoll belegt.
Eine Inszenierung, die bei vielen Erinnerungen wach werden läßt, ist die hier angrenzende typische DDR-Garage mit ihren breit gefächerten Beständen an Werkzeug und Ersatzteilen.
Der letzte Bereich des Themas Trabant befaßt sich mit all jenen Entwicklungen, die nicht verwirklicht werden konnten, die aber von der ungebrochenen Innovationskraft der Zwickauer Automobilbauer Zeugnis ablegen. Stellvertretend für viele, aus den verschiedensten Gründen nicht realisierte Projekte, sind die Funktionsmuster des P 610 aus dem Jahre 1979 und des P 601 WE II von 1982 ausgestellt.
Mit dem Automobilbau der Gegenwart, die Fertigung von Volkswagen Sachsen am Standort Mosel, schließt sich der Kreis der Dauerausstellung. Der erste in Mosel gefertigte VW Polo sowie der einmillionste Volkswagen aus Sachsen, ein Passat aus dem Jahre 1999 sind hier zu sehen.
Text- und Bildquelle: August Horch Museum Zwickau
Adresse:
August Horch Museum Zwickau
Audistraße 7
08058 Zwickau
Internet:
www.horch-museum.de
google-maps:
Öffnungszeiten:
Täglich von 9:00 bis 17:30 Uhr
Jeden 1. Donnerstag im Monat bis 21:00Uhr geöffnet
Montags Ruhetag
Schließtage: 24.12., 25.12., 31.12.
Preise:
Erwachsener 5,00 Euro
Ermäßigt 3,50 Euro
Weitere Ermäßigungen sowie Gruppenangebote entnehmen Sie bitte der Internetseite des Museums.

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