The bazar is open

Unser Oldie, eine Handelsware? So manch einem Oldie-Fan blutet dabei das Herz, ist doch das klassische Blech für viele von uns in erster Linie ein Liebhaberobjekt.
The bazar is open

Und doch, die Preise sind gerade gestiegen, warum den eigenen Klassiker nicht einfach mal anbieten? Viele von uns Klassikerfreunden sind vielleicht auch nicht unbedingt auf einen einzigen Autotyp festgelegt, sondern freuen sich über etwas Abwechslung. Oder eine Abfindung oder ein Erbe soll inflationsgeschützt angelegt werden. Die vielleicht noch Glücklicheren unter uns verfügen über ausreichend Mittel, um einen dynamischen Fuhrpark und die entsprechenden Unterstellmöglichkeiten ihr Eigen zu nennen.

Auf der anderen Seite stehen die Verkäufer, die sich entweder einen anderen Klassiker zulegen wollen, oder, noch schlimmer für das individuelle Schicksal, einfach Geld in der Finanzkrise benötigen.  

 


Wer sich verändern möchte oder muss, hat die Qual der Wahl. Welche Wege sind die besten, um zu einem Klassiker zu kommen oder ihn an einen glücklichen neuen Besitzer weiterzugeben? Beginnen wir mit dem Ersteren, dem Kauf.

Den Oldie kaufen


Auktionen
Ein Oldtimer ist schnell gekauft, am schnellsten in in einer Online-Auktion. Der weltweit größte Anbieter von Online-Auktionen ist eBay, wie jedes Schulkind weiß. Rund 600 Oldies stehen derzeit im deutschen eBay zum Verkauf.

So ein großes Angebot nur aus Deutschland, und dann auch noch per Mausklick die Angebote aus aller Welt? Dummerweise steigert die Globalität der eBay-Plattform die Lust, das Objekt der Begierde mal schnell zu kaufen: Wie verlockend und aufregend ist es, eine Überraschungspackung im Internet zu ersteigern, am besten unbesehen von einem Unbekannten in den USA. Nach dem Verschiffen offenbart sich dann das ganze Grauen, die „good showroom condition“ entpuppt sich als hässliches, verbasteltes Groschengrab. Solche Praktiken bringen eBay in Verruf, eine Plattform für Ramsch und garantiert ruinierte 5er-Oldies zu sein. In der Oldtimer-Szene genießt die Plattform deshalb keinen guten Ruf mehr.

Vielleicht ist aber nur der Ansatz falsch. Denn es kann anders laufen, wenn nämlich die Bietergemeinde vernünftig und das Auto in der Szene bekannt ist. Ein seltener Wanderer fand vor kurzem über eBay seinen Abnehmer, zu einer sechsstelligen Summe mit einer „2“ davor. Auch der ein oder andere Vorkriegs-Rolls Royce fand schon seinen Abnehmer. Für gängige Klassiker wie Porsche 911 oder Mercedes Pagoden sollte das auch gelten, ist aber noch nicht die Regel.



Der Weg zu einem realistischen Preis kann eigentlich gar nicht gerechter sein als über die hass-geliebte eBay-Plattform, wenn die Nachfrager annähernd über die gleichen Informationen verfügen – zum Beispiel durch ein detailliertes Angebot, Sachkenntnis der Käufer und einen Besuch vor Ort nebst Probefahrt. Hat ein Verkäufer ausreichend eBay-Punkte oder sogar einen eigenen Shop, wird er zudem um ein faires Angebot bemüht sein. Denn die Internetauktionsplattformen wie eben eBay sind die einzigen Verkaufs-Plattformen, bei denen die Verkäufer auch sichtbar bewertet werden.

Der andere Weg zur Auktion führt über ein bekanntes Auktionshaus wie Christie's, Sotheby's oder etwa Coys . Hier besteht meist nicht einmal die Möglichkeit zur Probefahrt. Der stolze Käufer eines Ferrari 246 zu einem ebenso stolzen Preis musste vor einem Jahr erfahren, dass sein Motor nicht lief (gezahlt hatte er einen 1-2er Preis). Die anstehende Motorrevision wird weitere circa 20.000 EUR kosten. Ein anderer Auktionsteilnehmer wartet bis heute auf die Papiere seines seltenen Lancia Zagato, den er bei Coys ersteigert hatte. Das Auto steht in der Garage und kann nicht zugelassen werden, weil der Eigentumsnachweis fehlt. Dem Auktionshaus ist der Mangel aber herzlich egal, denn nach englischem Recht ist die Auktion nur eine Vermittlung - alle Streitigkeiten müssen hinterher zwischen den Vertragsparteien ausgetragen werden.

 


Eine Ausnahme sind die Auktionen der Galerie Toffen. Das ist ein Schweizer Autohaus für Oldtimer mit angegliederter Auktion. Diese Autos können vorher besichtigt werden, auch im Internet. Hier finden auch weniger teure Klassiker zu akzeptablen Preisen neue Eigentümer.

Generell gilt bei Auktionen: Die Angebotsspanne ist sehr kurz. In diesem kurzen Zeitraum spielt sich der ganze Kauf ab. Bei der physischen Auktion sind es ein paar Hammerschläge des Auktionators, bei eBay eine Frist zwischen drei und zehn Tagen der Internetpräsenz. Je begehrter das Fahrzeug und je größer die Käufergemeinde ist, desto weniger besteht die Möglichkeit, ein Schnäppchen zu machen. Umgekehrt heißt das: Exoten können recht günstig sein – ob nun auf eBay oder im Auktionshaus.

Kauf beim Händler

Der Weg zum Händler war noch vor einigen Jahren der gängige Weg, um hochwertige Oldtimer zu erwerben. Dabei hatte der Händler die Oldies im eigenen Bestand, also dem Vorbesitzer abgekauft, meist etwas aufgebessert und zu einem ambitionierten Preis angeboten. Ist der Händler in der Nähe, lebt er zumeist auch vom zwangsläufig auftretenden Servicebedarf des Oldie-Käufers, was für beide Seiten von Vorteil ist: Der Händler kann keine unberechenbare Möhre verkaufen, und der Käufer hat eine Werkstatt mit Interesse am Kunden.

Die europäische Richtlinie für den Verbraucherschutz, eingeführt im Jahre 2002 in Deutschland, hat den professionellen Handel mit Oldtimern weitgehend unwirtschaftlich gemacht. Denn auch für Oldtimer gilt nun ein strikt formuliertes und ausgelegtes Verbraucherrecht mit Gewährleistungsansprüchen durch den Käufer. Die Beweispflicht liegt nun beim Verkäufer, der Käufer muss sich nur über den Mangel beschweren. Die Frist liegt bei minimal einem halben Jahr, ausgeschlossen werden kann die Gewährleistung nicht mehr – auch nicht per Vertragsklausel.

 


Diesen Überschwinger in der Gesetzgebung nur übereifrigen EU-Verbraucherschützern in die Schuhe zu schieben wäre ungerecht – die Kaste der Gebrauchtwagenhändler hat es eben jahrelang stark übertrieben – man denke an Zeiten der Wende, als den neuen bundesdeutschen Bürger auf den Gebrauchtwagenmarkt strömten und durch zahlreiche skrupellose Wildwest-Händler abgezockt und sogar ruiniert wurden.

Für die Oldiebranche gilt: Das Gegenteil von „Gut“ ist „gut gemeint“. Im Oldie-Handel hat die Regelung zu einer starken Auslese geführt. Kaum ein Händler kann sich Gewährleistungsansprüche leisten, wenn nach dem Verkauf eines äußerlich guten Mercedes W109 6,3 die Einspritzpumpe für ein paar zehntausend Euro überholt werden muss. Wohlgemerkt bestehen die Gewährleistungsansprüche gegenüber dem Händler und nicht etwa gegenüber dem Hersteller oder dem vorherigen Eigentümer. Daher verkaufen heute die übrigen Händler nur noch wirklich hochwertige Oldtimer mit geringen Risiken in eigenem Namen. Amazonen, Schneewittchensärge, Lancia Limousinen oder Heckflossen sind deshalb aus den Verkaufsräumen verschwunden.

Einige Händler haben ihre Nischen gefunden und sind zu Maklern geworden, die nur noch vermitteln. Der Käufer hat dabei die selbe Stellung wie in der oben beschrieben Auktion. Daher entwickelt sich das Geschäft der Automakler stark in Richtung Internet, der schicke Showroom in der belebten Einkaufsstraße hat ausgedient.


Kleinanzeigen


Immer noch mehr als einen Blick wert ist der Kleinanzeigenteil von Fachzeitschriften.
Gegen die Internetbörsen hält er sich wacker und bietet auch weniger internet-affinen Oldiefans eine gute Plattform. Die zahlreichen Bilder machen den Kleinanzeigenteil zu einem kleinen Katalog. Wer jedoch genaue Angaben wünscht, scheitert oft am Zeilengeiz des Inserenten: Jeder Buchstaben kostet, und ein Oldie ist nicht in drei Zeilen zu beschreiben. Vielen  Oldieliebhabern fällt es auch schwer, in so kurzer Form das Wichtigste aus Käufersicht zum Fahrzeug zu schreiben. Was folgt, sind zwangsläufig zahlreiche Telefonate und Besichtigungstermine.

 


Einfacher geht das über eine Internetplattform. Im deutschsprachigen Bereich bieten sich vor allem Mobile.de und Autoscout24 von der Masse der Annoncen an. Viele Angebote sind gut bebildert, und die Beschreibungen aussagekräftig. Autoscout24 bietet sogar eine internationale Suche an,  dafür fehlt ein Feld für weniger bekannte Oldies abseits der Typenlisten.

Im Gegensatz zu eBay gibt es nur spärliche Informationen zum Verkäufer. Keine der beiden Plattformen geben dem Käufer die Möglichkeit, den Verkäufer anhand von Bewertungen einzuschätzen. Für Einmalinserate von privaten Verkäufern mag das unerheblich sein, für die Inserate der zahlreichen gewerblichen Automakler wäre es aus Käufersicht ein Mehrwert.

 


Doch Mobile, autoscout und eBay (Links s.o.))sind noch nicht das Ende der virtuellen Fahnenstange: Das Zauberwort heißt Web 2.0. Die Weiterentwicklung des World Wide Web im Internet ist nicht etwa technischer Natur, sondern generiert sich aus Beiträgen der Nutzer. Aus gleichgesinnten Interessen entstehen so genannte „Communities“. Im Oldtimerbereich gibt es bislang nur Carsablanca, das diesem Gedanken folgt – auch im Marktplatz. Die Fahrzeugangebote in Carsablanca sind einen Blick wert, weil man sehr viel über den Verkäufer, seine Motive und seine Wahrnehmung in der Gemeinschaft erfahren kann.

Der Club
Eine gar nicht virtuelle Community ist der Fahrzeugclub. Gerade Neueinsteigern wird viel Hintergrund zum Fahrzeugkauf geboten. Eine Vermittlung von Fahrzeugen über den Club ist aber ein klarer Interessenskonflikt. Oft erfährt der Käufer erst Jahre später, was sich manche Vereinsseilschaften haben einfallen lassen, damit ein weniger gutes oder ungeliebtes Exemplar eines Vereinskollegen einen Käufer findet. Die meisten Clubs halten sich daher auch beim Kauf und Verkauf ganzer Fahrzeuge heraus, was nur konsequent erscheint.

Die Berater
Wer sich seiner Sachkenntnis nicht sicher ist oder denkt, zum Einkauf nicht ausreichend Zeit zu haben, der kann auch einen Berater gegen Honorar bestellen. Besonders begüterte Oldie-Liebhaber nehmen dessen Dienste in Anspruch. Über die Berater selbst ist meist nicht viel zu erfahren, die meisten Adressen werden unter der Hand in der Kaste der Vermögenden weitergereicht. Einige Gutachter bieten ihre Dienste auch öffentlich an, allerdings mehr zu technischen Belangen.

Im Grundsatz ist es nie falsch, jemanden zu fragen der sich auskennt. Es ist hier jedoch zu beachten, dass der Berater für seine Dienste entgolten werden muss. Wenn der Wagen dann vielleicht bei einem gewerblichen Verkäufer erworben wird, kommt nochmals eine Provision auf den Kaufpreis. Da der Werterhalt bei solchen Käufen im Vordergrund steht, muss genau durchgerechnet werden, ob die Beratungsleistung diesem Anlageziel gerecht wird.

Sleeping Beauties - Der Scheunenfund im Hinterhof

 

 

 

Der Traum vieler Oldie-Fans ist der Fund und günstige Erwerb eines vergessenen Automobils in der Scheune oder im Hinterhof. Doch dieser Traum ist spätestens seit der spektakulären Entdeckung der Sleeping Beauties zur Seltenheit geworden. Zu viele Schnäppchenjäger sind unterwegs, und zu viele Scheunenvermieter wissen schon um den Wert vergessener Blechhaufen, wie der Bericht von Alexander Köhnlechner beweist. Andere Nutzer berichten von Scheunenfund-artigen Angeboten im Internet, die bewusst naiv und voller Fehler abgefasst wurden, um einen unwissenden Verkäufer zu simulieren. Ein echter  Scheunenfund begegnet einem zufällig, er kann nicht gesucht werden. Deswegen spinnen wir diesen Traum hier auch nicht weiter.

Vernunft schadet nie
Wie beim Kauf aller Dinge gilt: Werden Sie sich erst klar, welchen Typ Sie kaufen möchten. Die erste Fahrt mit dem eBay-Schnäppchen ernüchtert unter Umständen, weil Sie mit Ihren 1,96m Körpergröße gar nicht in den schicken italienischen Oldie hineinpassen, oder er ihnen die angeschlagenen Bandscheiben endgültig ruiniert. Da wäre ein weich gefederter Franzose sicherlich die bessere Wahl gewesen.

 


Außerdem sollten Sie sich möglichst frei machen vom Reiz des Sofortangebotes – schnelle Auktionen führen laut psychologischen Tests nachweislich zu einem Verlust an Preissensitivität, der hinterher immer zu Enttäuschungen führt. Gut informiert lässt gut bieten – auch die Verkäufer danken es Ihnen, denn die Zahl der Spaßbieter ist hoch.

Wichtig ist auch die Identität des Verkäufers – je mehr Sie über ihn wissen, desto realistischer die Einschätzung des tatsächlichen Zustand eines Klassikers – fragen Sie also vorher an, bevor Sie Gebote abgeben. Bei Maklergeschäften oder bei Fahrzeugauktionen wird es dagegen schwierig und führt wie beschrieben zu Problemen.

In der nächsten Folge schauen wir uns an, welche Möglichkeiten es  zum Verkauf des Oldies gibt und geben Tipps dazu.

Autor: Jan Altmann

Alle Artikel von Jan Altman finden Sie hier

Bildquelle:  -Carsablanca Archiv




Autor: Jan Altmann (jaltmann) am 21.12.2009


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Diskussionen


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stefano1966
stefano1966 21.12.2009

Toller Bericht! Ich kann nur unterstreichen: man muss a) das Auto finden, das zu einem passt, und b) auch der Anbieter muss passen. Das ist ganz wichtig. Man muss die gleiche Sprache sprechen was Ansprüche, Erwartungen, Kosten etc. angeht.

Mit den Clubs ist das auch so eine Sache. Viele Mitglieder halten ihren Wagen oder sogar nur den von ihnen gefahrenen Jahrgang oder Modellvariante für das beste und schönste jemals gebaute Auto. Da ist Vorsicht geboten, weil einem solche Schwärmereien bei einer Kaufentscheidung nichts nützen.

Jeder, der verschiedene Oldies aus unterschiedlichen Jahrgängen, Marken und Herkunft gefahren ist, kann bestätigen: jedes (JEDES!) Auto hat Vor- und Nachteile, Stärken und Schwächen, technische Highlights und schlechte Lösungen. Die Optik ist sowieso Geschmackssache.

Letztlich sollte man nicht zu lange suchen, sondern sich finden lassen. Irgendwann "trifft" man ein Auto, und es funkt. Das können viele glückliche Oldie-Besitzer bestätigen... ;-)

webmatze
webmatze 09.07.2009

Wow. Sehr ausführlicher Bericht zum Thema Oldtimerkauf und Verkauf. Da hätte man ja fast zwei oder mehr Artikel machen können, die für sich genommen immer noch sehr informativ gewesen wären. :o)