Vice, Vice, Baby – Ferrari Testarossa
In jedem Fall bewirkte dieses Paradebeispiel von Product Placement im Zusammenhang mit den erstaunlich angenehmen Fahreigenschaften des Testarossa, dass dieser dem Lamborghini Countach den Rang als "das" Supercar ablief. Was nicht heißt, dass man das Styling des Testarossa, das sicherlich irgendwie irgendwo aufregend war, wirklich als gelungen bezeichnen konnte. Im Gegensatz zum schauderös mit der Heckenschere gestylten Countach allerdings konnte man selbst den riesigen und überladenen Testarossa fast übersehen.
Sei es, wie es sei: Auf dem fragwürdigen, die Karosse umlaufenden Grillrost konnte man prima die leistungsmäßig unterlegenen Verkehrsgenossen schwarzbrutzeln, in Fünfkommazwei war der Testarossa auf Hundert, als Spitze waren 290 km/h ausgerufen. Ersteres galt 1984 noch richtig was. Heute müsste man sich vor einem starken Audi-TDI in Acht nehmen. Aber wer einen Testarossa fuhr (oder fährt), tat dies weder um der reinen Beschleunigung wegen, noch um für einen mittelmäßig bis fragwürdig gekleideten Polizisten in Zivil gehalten zu werden. Allerdings weiß ich auch nicht, aus welcher Motivation heraus ein Testarossa tatsächlich bestellt wurde. Ich kann es mir bis heute nicht erklären. Außerdem habe ich auch viel lieber Magnum geschaut als Miami Vice.
Es zählte wohl schlicht die gefühlte Kraft der Zwölfzylinder-Mittelmotormacht, die ihre Reserven aus knapp fünf Liter Hubraum im Eiltempo in die Brennkammern schöpfte. Mit vier Ventilen pro Zylinder nahm auch der Ferrari-Boxer das beherrschende Technikthema der 80er auf. Auch im Innenraum war dieser Ferrari ein Kind seiner Zeit: Ziemlich charmbefreites, sich schnell abnutzendes Plastik dominierte, auch das immerhin handgenähte Leder der Sitze löste sich mit der Zeit gern auf.
Ein Ferrari ist ein grenzwertiges Auto, jedenfalls ein Testarossa. Er fährt munter in den geschmacklichen Grenzbereich. Andererseits passt er wunderbar zu den Sonnyboys von Monte Carlo bis Miami, ohne deren perfektes Klischee Nachbetrachtungen wie diese hier unmöglich wären. Hat noch jemand die "Pump up the Jam"-Single auf dem Boden?
Abgesehen davon verkaufte sich der auf seinem Vorgänger 512BB basierende Testarossa bis 1992 5.648 Mal – ein Traumwert für einen Exoten, jedenfalls für dessen Erbauer. Zum Glück fährt einem das derart verbreitete Gefährt nicht mehr täglich vor dem Yachtclub vor die Füße. Und wer, bitte, war noch mal Don Johnson?
P.S.: Aufgrund der regen Diskussion: Meine Ferrari-Testwagen nach Redaktionsschluss:
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Dieser Artikel erschien am 08.08.2008




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Diskussionen
Countach wie auch der Testarossa sind einfach Atemberaubend und spiegeln einfach das Design ihrer Zeit wieder...
Stilistisch schlimm wurde es erst mit dem "512m" getauften Facelift Modell des Testarossa!
Fernsehserien hin-oder her! Der Wagen ist Atemberaubend!
ich erinnere mich dass don johnson am anfang eine daytona replika fuhr. ich muss sagen, dass die replika mir allemal besser gefaellt als dieser testarossa...
@stefano: weil die hersteller sich nicht entblöden, die falschen entscheidungen zu treffen. so im falle testarossa. und im falle von simon templar ("the saint"), der keinen jaguar e-type fahren durfte. erschien der direktion nicht erfolgversprechend, so, wie übrigens auch niemand den bond-boom erahnte. da hatte aston martin mal ein gutes händchen. und derrick und 5er-bmw – ist doch genau so herrlich wie klaus schwarzkopf als kommissar finke im d-rekord in "reifeprüfung" – oder? und alles dies war zusammen allemal realistischer als testarossa-fahrende polypen. allein der malvenfarbene samtblazer von tubbs – huaah! einzig die nachtszene mit collins' "in the air tonight" mag ich durchgehen lassen. da reden die ferraristi nämlich mal nicht. :-)
Hallooooo??? Wie stark beeinflusst die Glotze unsere Wahrnehmung??? Testarossa wird auf Miami Vice, 308 auf Magnum, Aston Martin auf Bond reduziert. Der VW, Ford, Opel, BMW etc. ist vom Tatort, Derrick und Co. Wieso werden diese Autos immer auf mehr oder weniger geistreiche Fernsehserien reduziert? Ich denke, dass wir diesen Autos endlich mal eine Daseinsberechtigung jenseits der Mattscheibe geben sollten.
P. S.: falls jemand einen ca. 15 Jahre alten Grundig-Fernseher haben möchte: er steht bei mir im Keller und kann gratis abgeholt werden.... ;-)
Wenn es um Geschmacksfragen geht, steht man ja schnell auf verlorenem Posten, aber ich fand den Countach viel schöner. Bei Pininfarina-Kreationen im Brutalo-Sektor steht denen immer ihre eigene Eleganz im Weg.
Ok, an den 512 BB kommt er formal nicht ran, aber verglichen mit dem, was die Marke sich heute zu produzieren traut, sieht er noch verdammt gut aus. Und wenn ich mir einen Testarossa leisten könnte, würden mich sämtliche TDIs eh nicht interessieren...
Mach den Testarossa nicht runter.
Das war eine Ikone. Nur weil alle Assi-Nachrüst-Tuner das Teil als Urmeter genommen haben ist der Wagen nicht schlecht. Im Gegenteil. Absolut unterbewertet. Nix grenzwertig. Und auf die TDIs im Hausfrauenkostüm kann man sowieso scheissen.