Opel Air – Keinath Monza C5

Sascha Hehn servierte in gestärktem weißen Steward-Outfit schmalzig-grinsend Cocktails auf dem Traumschiff. Giorgio Moroder krächzte sein furchtbares "Reeach out!" aus den Blaupunkt-Boxen schneeweißer Cabriolets, Bobbele Becker schlug in Wimbledon erfolgreich auf, ebenfalls ganz in Weiß, bis hin zu den Tennissocken, die uns noch heute in unseren Alpträumen verfolgen. Und dann kam Keinath und sägte dem Pseudo-Oberklassecoupé Monza von Opel das Dach ab, verlangte 85.000 Mark dafür und wunderte sich, warum weder Hehn, Becker noch Moroder bei ihm anriefen. Die hatten halt keinen Geschmack.
Opel Air – Keinath Monza C5

1985 lagen die glücklosen Opel Senator und Monza in den letzten Produktionszuckungen. Nie war es ihnen gelungen, das Hosenträger-Image ihrer konstruktiven Stammzelle Opel Rekord E abzustreifen. Die Verkäufe sanken ins Bodenlose, ein Debakel, das Opel 15 Jahre später mit dem Omega noch einmal und noch schmerzvoller erleben sollte. 

Dabei konnte man Senator und Monza alles nachsagen, nur nicht Eines: unkultivierte Automobile zu sein. Das gegenüber dem Rekord deutlich verbesserte Fahrwerk (statt Starrachse gab's bei den Topmodellen Schräglenker-Hinterachsen, mit denen man Mercedes und BMW in scharfen Kurven lässig stehen lassen konnte) besaß eine fast schon dynamische Abstimmung, die kultivierten, teils recht durstigen Sechszylinder machten den Monza bis zu 215 km/h schnell. Damit ließ sich mitreden im Pulk der Oberklasse.

Innen hatten mittelschwere Plüschexplosionen unübersehbare Opfer bei Sitzen, Seitenverkleidungen und sogar Armaturenbrett gefordert. Opel schickte kein Katastrophen-Hilfsteam in Sachen Ästhetik, sondern forcierte die endgültige Erosion des guten Geschmacks mit einem unglaublichen visuellen Overkill in Gestalt der Farbgebungen des biederen Interieurs aus Knarzplaste. Ein Grün, das so aussah, wie Ahoi Brause Waldmeister schmeckte, ein Blau, bei dem einem genau so schlecht wurde wie von Blue Curacao, ein Gelb, das noch Stunden nach einer Fahrt im Monza hektische Phantomflecken auf der Netzhaut hinterließ – nun ja, heute finden wir das alles klasse.

Der von Keinath zum Vollcabriolet umgebaute Monza darf als Diamant in der Krone automobiler Alpträume gelten. Die mühsam aufgeplusterte Korosse des Bochumer 70er-Jahre-Beaus verwandelte der Tuner in einen schwülstigen Traum in Cremeweiss: Verdeck, Lederlenkrad, Innenverkleidungen – nichts entrann dem Stilempfinden des Dettinger Unternehmens, das ungefähr so zurückhaltend war wie Harald Juhnke nach dem achten Whisky. Dazu funkelte einen das LCD-Mäusekino des Cockpits an. Wow. Wir waren beeindruckt von so viel Magenverdrehen. 

Dabei befand sich Keinath in guter Gesellschaft: Auch Kollegen wie Zender, Gemballa oder Irmscher fielen über die Serienautos der 80er her wie marodierende Horden aus grauer Vorzeit. Naja. Damals steckte man sich ja auch den Lacoste-Pullover noch IN die Jeans von Le Frog. Und alle fanden's toll. Würg.

Und heute? Heute ist der Keinath Monza C5, der übrigens ein noch größerer Flop war als seine Basis Monza A2, keinen Deut hübscher geworden. Allerdings haben die Herren aus Dettingen zumindest von der Verarbeitung her allerhöchste Güte abgeliefert. Das Cabriolet, das zudem in einer Zeit angeboten wurde, in der haufenweise Kleiderbügel-Autos à la Golf und Ritmo ihren Siegeszug machten, besitzt eine von den Proportionen her extrem gefällige Linienführung, die Verdeckkonstruktion war ein kleines Meisterwerk aus zuverlässiger Elektrik und Hydraulik. Hinten hatte eine leichte Kunststoffklappe den Blechdeckel ersetzt, alles in allem war der Keinath Monza C5 nicht nur verwindungssteif und schnell, sondern auch nur 20 Kilo schwerer als das Seriencoupé.

Also: Wer sich heimlich vor dem Kleiderschrank mit seiner alten Le Frog-Jeans in der Hand und den weißen Modern-Talking-Lackslippern an den Füßen ertappt, während sich ein leise gesummtes "Reeach out!" den Weg durch die Mundhöhle bahnt – nicht erschrecken. Der Keinath C5 ist Ihr Auto.

Autor: Knut Simon

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Autor: Knut Simon (knutzimonster) am 23.09.2009


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