Mittelstürmer – Fiat X1/9

Nicht nur, dass seine Silhouette einer leicht geöffneten Bratwurstzange glich und man dank überhitzten Vergasern auf seiner Mittelmotorhaube tatsächlich prima hätte grillen können – auch abseits dieser Qualitäten war der Fiat X1/9 ein heißes Eisen im Feuer der kleinen, frechen Sportwagen der 70er. Irgendwie der Ferrari für Anfänger, den Enzo nie gebaut hatte.
Mittelstürmer – Fiat X1/9

Und fast hätte auch Fiat kalte Ansaugkanäle bekommen, denn als Nachfolger des 850 Spider sollte der neue 128 Pate stehen – ein dementsprechender Entwurf stand im Hause Fiat bereit. Doch Nuccio Bertone, der Armani des Automobildesigns, sandte seinen Knappen Marcello Gandini, ein trojanisches Pferd namens Runabaout Barchetta auf den Laufsteg des Turiner Salons von 1968 zu hieven. Dieses Ding sah aus wie von einem anderen Stern – der vier Jahre später tatsächlich geboren wurde, wenn auch in irdischer Gestalt des X1/9. Bertone hatte den hoch angesetzten Prototypen-Poker gewonnen. Und die autobegeisterte Menscheit einen weiteren Liebling.

Für knapp 12.000 D-Mark gab es den Flitzer mit 1300er Maschine, die, drehfreudig bei Laune gehalten wie jedes authentische Fiat-Triebwerk, den Zweisitzer mit dem kecken Targadach in zwölf Sekunden auf Tempo 100 und wenig später auf maximal 170 brachte. Dabei verlangten die ordentlichen 75 PS selten mehr als zehn Liter, also nur rund ein Drittel bis die Hälfte von dem, was die "echten" Mittelmotorsportwagen à la DeTomaso Pantera, Lancia Stratos oder Dino 246 GT in ihren Brennräumen versoffen. Der X1/9, den man so schnöde nach seinem internen Modellcode getauft hatte, war im Feld der Etablierten der kleine, freche Debütant. Das Jahrzehnt der gesellschaftlichen Demokratisierung übertrug der X1/9 bestens in die Gesellschaftsordnung der Sportwagen. Er war der Mittelstürmer für die Massen, die ihn begeistert auf 6.000 Touren hochjubelten.

Von den Klappscheinwerfern bis zum steil stehenden Heckblech ist der X1/9 eine strenge Abfolge kleiner Querkammern. Unter der vorderen Haube der Kühler und Raum für Gepäck und Targadach, dann das durchaus nicht unbequeme Cockpit selbst für lang gewachsene Scuderisti, zwischen Sitzlehne und Motor schließen sich Reserverad und Tank an, abschließend das zweite Kofferabteil – noch heute macht dieses gewitzte und fast schon trotzig-mutige Layout sprachlos. 

Als Fiat's Interesse am X1/9 Anfang der 1980er Jahre verblasste, griff Bertone kurzerhand zu und baute ihn unter eigenem Namen weiter. Auch den Vertrieb im wichtigsten Hauptabsatzmarkt USA übernahm man von Fiat. Fast 70 Prozent aller X1/9 gingen über den großen Teich, weshalb der kleine Sportler ab 1978 unschöne Kastenstoßstangen mit sich herumschleppen musste. Allerdings hatte ihm dieselbe Frischzellenkur auch eine 1500er Maschine mit 85 PS, ein Fünfganggetriebe und eine Spitze von echten 180 Km/h beschert. Erst 1989, zuletzt sogar mit Katalysator lieferbar und für 25.000 D-Mark zu haben, stoppte die Produktion des X1/9. Die Lebensdauer der einzelnen Exemplare wurde in erster Linie vom Rost begrenzt. Gebrauchtwagenkäufer mit Sanierungsdrang staunten immer wieder darüber, wie viel Spachtel sich auf so wenig Auto aufbringen ließ.

Wer den X1/9 in Reinform mag, findet ihn in Gestalt des heutigen Netzfangs. Ein Klassiker in klassischer Farbgebung, Serie I mit 75 PS und den ursprünglichen, filigranen Stoßstangen, die ihm so gut stehen. Dazu der Erwerb aus Erstbesitz, unglaubliche 33.000 Kilometer Laufleistung, unglaubliche 4.000 Euro Einstandspreis und unglaublicher Fahrspaß, dem man den aktuellen Eignern noch immer ansieht. Der X1/9 ist ein kleines Meisterwerk, bei dem einem umgehend warm ums Herz wird. Was nicht immer an überhitzten Vergasern liegt.

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Autor: Knut Simon (knutzimonster) am 23.05.2008


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