Mercedes-Benz 280 SLC C107
Das neue Coupé der Sindelfinger brach 1971 gleich mit mehreren Traditionen des Hauses. Aufgrund der Tatsache, dass die neue S-Klasse W116 noch nicht fertiggestellt war, basierte das neue Oberklassecoupé C107 nicht auf einer verkürzten Limousinen-Bodengruppe, sondern auf der verlängerten Basis des neuen Roadsters. Und auch die Kurzform "SL" (für schnell und leicht) entsprach bei mindestens 1.500 Kilogramm Leergewicht nicht mehr den ursprünglichen Gepflogenheiten der Baureihe.
Sei`s drum: Ein Mercedes Coupé vom Schlage des aktuell inserierten 280 SLC (ein ganz später, also schon zufriedenstellend rostgeschützter von 1980) hat noch niemand wirklich abgelehnt – wenigstens während der vergangenen fünf Jahre nicht, in denen neben ihren schicken Roadster-Schwestern nun auch zunehmend die einst etwas ungeliebteren großen Coupés ihren angemessenen Stellenwert erhielten.
Und dies zu Recht. Nur noch Ewiggestrige mäkeln heute noch aus Überzeugung an dem Entwurf von Karl Wilfert mit seinen "Jalousien" vor der C-Säule, der in zwei Richtungen gewölbten Heckscheibe und dem lang auslaufenden Heck. Kraftvoll umspannt der mit Leichtigkeit gezeichnete Aufbau die Karosse mit 2,82 Meter Radstand, deren angetriebene Hinterachse die 185 PS des damals brandneuen M110-Reihensechszylinders souverän in Vortrieb und Verbrauch umsetzte.
Rund 62.000 Coupés der Baureihe 107 wurden zwischen 1971 und 1981 gebaut, das aktuell inserierte Fahrzeug stammt von 1980. Wichtiger als der vom Anbieter als nicht positiv gewertete äußere Eindruck ("hässlich" / "alte Lackierung") ist die Tatsache, dass dieser C107 nicht von zweifelhaften Vorbesitzern höhere Brabus-, Kamei- oder Lorinser-Weihen erhalten hat, sondern bis heute im Originalzustand überlebte.
Auch steht dem in Würde gealterten C107 die Patina in Form einer etwas angeranzten Lackierung, so lange man dafür nicht durch die Spoilerbohrungen des Kofferraumdeckels durch das Bodenblech auf den Asphalt schauen kann.
Der Preis von 2.600 Schweizer Franken (umgerechnet etwa 1.600 Euro) erscheint selbst unter dem Aspekt der günstigen SLC-Preise unterirdisch, auf jeden Fall sollte man das Objekt der Begierde persönlich in Augenschein nehmen. Und wenn dann keine zugespachtelten Schweller-Löcher (nicht nur die vom Bohren ...) en Masse auftauchen – dann ist's gut. Bei überschaubaren Instandsetzungsarbeiten bekommt man die sprichwörtliche Grand-Touring-Qualität für wenig Geld und Nerven.
Autor: Knut Simon
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