Alfetta für Arme – Fiat 131
Mit gewohnter Leichtigkeit und einer seit dem 124 tradierten Sachlichkeit präsentiert Fiat 1974 sein neues, spritziges Mittelklassemodell 131. Klassische Rundscheinwerfer schauen treuherzig in die Landschaft, die vier Türen und das konventionelle Stufenheck lassen den Wagen zunächst nicht übermäßig emotional wirken. Dennoch gewinnt der 131 schlagartig ein völlig neues Image, parkt er neben einem zeitgenössischen Ford Taunus oder einem Mercedes /8. Schlank, leicht, mit dünnen Dachpfosten und hoher Gürtellinie und staksig wirkender Spurbreite wird er zur festen Größe unter den Importautos der 70er Jahre.
Der Rost nagt an ihm bereits auf dem Transporter zum deutschen Händler, weshalb dieser vor der Verbringung der 131 in den Schauraum noch schnell den Kantenrost wegpolieren lässt, aber das kennt man seinerzeit auch schon vom Alfsud. Dafür beeindruckt der 131 mit seinem Platzangebot, der fahraktiven direkten Lenkung, seinen agilen Vierzylinder-Maschinen, der extrem kurzwegigen direkten Schaltung. Mit dieser Freude am Fahren hängt er mühelos einen BMW 520i ab. Auch das Interieur lässt nicht zu wünschen übrig: Liegesitze, zum Teil elektrische Fensterheber, Drehzahlmesser, höhenverstellbares Lenkrad, optional Servolenkung, Colorverglasung oder Kopfstützen, diese sogar im Fond – kein Wunder, dass der 131 als die Alfetta des armen Mannes galt.
Bis in die späten 80er halten sich Belmondo und die Grundkarosse des 131, letztere zuletzt als im Vergleich antiquiertes, aber immer noch agiles Spitzenmodell Argenta verkauft. Heute freuen wir uns über jeden charakteristisch bellenden 131, der uns begegnet. Und blecken die Zähne wie Belmondo seine inzwischen Dritten. Wrrrom! Wrrrom!
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Diskussionen
yeah ich hatte 14 stück von den 131ern. das beste auto was jemals irgendwo auf der welt gebaut wurde! fahraktiv, geräumig und einfach zeitlos schöne karosse. vorsicht, suchpotential! wer je einen hatte will wieder einen..
@micky: you are so right. aber so ist das halt mit auto-feuilletonisten, sie werfen ähnliches eben in einen topf. mir erschien immer unverständlich, warum fiat zwei fast identische limousinen parallel anbot, daher gehört der argenta für mich persönlich auch in die erbfolge des fiat-brotkastenauto-designs der 70er/frühen 80er. ich will auch wieder einen. mist.
Will hier nicht klugscheissen, aber der Argenta war der Nachfolger des Fiat 132! ;-)
Super, ein 131er, hab' ich schon ewig nicht mehr dran gedacht. Ich hatte dieses hübsch-hässliche Auto mal als Automatik. Den wollte wirklich NIEMAND haben ... trotzdem hab ich ihn gerne gehabt. Treue Seele!
Der Kommissar Kostas Charitos aus der gleichnamigen Romanreihe von Petros Markaris fährt auch einen Mirafiori "von dem es in Athen vielleicht noch ganze 7 gibt". Eine lustige Szene in der Verfilmung ist, als bei Sperrmüll die Leute ihr Zeug am und auf dem Auto plazieren und dieses als Teil des Mülls wirkt. Der Mirafiori soll sehr zuverlässig sein, und der Kommissar weigert sich hartnäckig einen Hyundai auf Ratenzahlung zu nehmen, wie es ihm seine Kollegen empfehlen.
Na toll! Jetzt hab ich keinen Appetit mehr auf einen Mirafiori, sondern heißhunger, dabei wollte ich doch bis nächstes Jahr warten! Schönen Dank auch. Psychologische Kriegsführung nennt man sowas, glaube ich. Auf jeden Fall muss ich mir jetzt erstmal aus der Videothek meines Vertrauens den Belmondo-Streifen besorgen. Vielleicht rettet mich der ja über den Winter...