Tipptopp restauriert: Der spectralblaue Diplomat V8 Baujahr ’76 ist der perfekte Cruiser

Noch bis Ende Oktober können Besucher von Dets Infowerkstatt einen kultigen, top aufgefrischten Opel Diplomat Bj. ‘76 gewinnen. Die Geschichte zur Restauration des Kultautos gibt es hier.
Tipptopp restauriert: Der spectralblaue Diplomat V8 Baujahr ’76 ist der perfekte Cruiser

„Die Substanz war eigentlich ganz gut und die Bleche waren, von den typischen Stellen wie Türkanten oder Radläufen einmal abgesehen, in Ordnung“, erinnert sich Youngtimer-Liebhaber, Opel-Fan und Kfz-Profi Jens Kielmann an den feuerroten Diplomat V8 zurück, als der im Sommer das erste Mal in seiner Werkstatt stand.

Prima Voraussetzungen also für eine ambitionierte Restaurierungsaufgabe, im Rahmen derer aus der grundsätzlich also fitten, dennoch aber in die Jahre gekommenen Rüsselsheimer Luxuslimousine ein echtes Schmuckstück mit H-Kennzeichen werden sollte. Der Weg dorthin war dann allerdings doch nicht so problemlos, wie anfangs gedacht. Der Aufwand aber hat sich gelohnt, denn nun strahlt der 76er Diplomat wieder wie in seinen Jugendtagen.

Gut, Jens Kielmann, Youngtimer-Experte Det Müller (genau, der von GRIP auf RTL II und mittlerweile ebenso durch Dets Info-Werkstatt bekannt) und Opel-Fan Martin Redzanowski, im wirklichen Leben Schmierstoffexperte bei Aral, fanden dann schon noch ein paar Macken. Neben den bereits erwähnten Radläufen und Türkanten bröselten nämlich auch die Heckbleche und die Auspuffanlage war nur mehr ein Schatten ihrer selbst. Wie gesagt – das war der Tribut ans Alter und daher nicht weiter überraschend.


Im untypischen Rot wurde der Diplomat vor der Restauration übernommen

Kolbenringe im Ölsumpf
Was Jens Kielmann dann aber doch verblüffte, war der Motor. Dabei sollte es sich, so der Vorbesitzer, um einen überholten V8 handeln. Problemlos also, zumal der Großserien-5,4-Liter aus dem GM-Regal mit seinen rund 230 PS erfahrungsgemäß nun wirklich nicht zu den maschinenbaulichen Sensibelchen gehörte. Nun gut, der gelb lackierte Zylinderkopf – serienmäßig war er rot – hätte vielleicht stutzig machen können. Andererseits soll man über den Geschmack anderer Leute nicht richten und wer weiß, vielleicht hatte einer der früheren Diplomat-Eigner den „Blondschopf“ hübsch gefunden?

Wie auch immer – der Opel-Profi aus Breckerfeld bei Hagen geht bei seinen Restaurierungsarbeiten stets ausgesprochen gründlich vor. „Der Kunde will ja lange Spaß haben mit seinem Schätzchen“, bringt er diese Einstellung auf den Punkt. Und so war es eine Selbstverständlichkeit, den Motor zu zerlegen, um ihn zu prüfen, zu reinigen und neu einzustellen. Die Verblüffung war aber groß, als Kielmann auf einmal diverse Metallteile fand, die eigentlich in der Ölwanne eines V8 nichts verloren haben. „Teile vom Kolbenring, gar vom Kolben selbst, das lag da alles drin“, gibt er sich noch heute verblüfft. Seine Vermutung: Der V8 wurde wenig fachmännisch überholt und hat sich dabei innerlich quasi selbst zerlegt. „Ein Wunder, dass der noch gefahren ist“, so Kielmann, „aber lang hätte das der Motor nicht mehr gemacht“.

Doch was tun? Eine Generalüberholung wäre einerseits ziemlich teuer gekommen und andererseits angesichts der Tatsache, dass der GM-V8 Abermillionenmal in Detroit von den Fließbändern lief, auch ziemlich überflüssig gewesen. In Zeiten von Internetauktionshäusern ist die Beschaffung eines generalüberholten – noch dazu mit einjähriger Garantie versehenen – Achtenders aber kein Problem. Und der Preis stimmt bei derlei Offerten in der Regel auch. Wie gesagt, Massenware aus Detroit.



Austauschherz von einer 65er Corvette
Allerdings musste Jens Kielmann den Motor, der einst eine 65er Corvette antrieb, dennoch auseinanderschrauben. Der Zylinderkopf eignete sich nämlich nicht für den Diplomaten, weil die Nebenaggregate nicht angeschlossen werden konnten. Da aber der Kopf des maroden Original-V8 noch völlig intakt war, stellte das kein gröberes Problem dar. Eigentlich im Gegenteil: Die Organspende aus der Corvette bringt eine höhere Verdichtung und die dort verbaute Nockenwelle hat auch ihre guten Seiten – alles in allem zieht der Diplomat nun bereits ab rund 1000 Touren mächtig durch und etwas mehr Leistung hat er auch, vermutet Kielmann. „So um die 240 PS werden’s nun sein“, schätzt er. Gut so, denn das betont den ausgesprochenen Cruiser-Charakter des 76er Opel-Oldies perfekt.

Perfekt sollte aber nicht nur die Maschine sein, sondern auch die Karosserie. Gut, dass Kielmann sein Handwerk von der Pike auf gelernt hat weiß, wie man Bleche ohne Stoß schweißt oder Scheibenwischermotoren neu lagert. Diese Fertigkeiten aus dem Repertoire eines bestens ausgebildeten Kfz-Mechanikers alter Schule sind bei der Restaurierung automobiler Youngtimer natürlich von Vorteil. Bevor es ans Blech ging, wurde der Diplomat materialschonend eisgestrahlt und dann entsprechend bearbeitet. Die Roststellen wurden großzügig ausgeschnitten, die Löcher mit neuen Blechen abgedeckt und verschweißt. Kielmann ist es dabei wichtig, möglichst nahe am Original zu bleiben. „Natürlich kann ich einen kompletten Kotflügel austauschen, aber ich halte es für deutlich sinnvoller, viel von der alten Substanz zu erhalten und nur da zu tauschen, wo es gar nicht anders geht.“ Löblich, denn das schont zum einen den Geldbeutel der Kundschaft und zudem bleibt der zu restaurierende Kandidat weitestgehend im Originalzustand.



10 Kilogramm Fett schützen vor Rost & Co.
Auf absehbare Zeit wird das Thema Rost keine Rolle mehr spielen. Das war Jens Kielmann sehr wichtig. Mehr als 10 Kilogramm Fett in den Rohren bieten die beste Voraussetzung dafür. „Alles muss tipptopp sein, damit der Kunde lang seinen Spaß haben kann.“ Zudem stellte Kielmann fest, dass die Vorderachse zwar überholt wurde – das aber nicht sehr fachmännisch. Es fehlten diverse Teile und die Reifen waren einseitig abgelaufen. Ein klares Indiz dafür, dass der Nachlauf nicht mehr korrigiert wurde. Zweimal wurde die Luxuslimousine aus den 70ern deshalb nach Abschluss der Hauptarbeiten vermessen, Spur und Sturz wurden neu eingestellt, der Nachlauf korrigiert. „Nun fährt er wieder perfekt geradeaus“, kommentiert Kielmann diese gerne „vergessenen“ weil sehr aufwendigen Maßnahmen.  

Eine größere Aktion war überdies die Instandsetzung der Elektrik. Da wurde von diversen Vorbesitzern viel gepfuscht und deshalb wurden alle Kabel rausgerupft und durch neue Bäume ersetzt. Dabei flog auch gleich die Klimaanlage ins Altmetall, denn eine Überholung hätte keinen Sinn mehr gemacht. Als Verlust empfindet der Breckerfelder Opel-Profi das aber nicht: „Diese mittig montierten Klimaanlagen haben doch eh nur die Knie kaltgepustet und für Schnupfen gesorgt.“


Design im Retrolook - Technik erste Sahne, das Nostalgie-Radio Mexiko von Becker

Viel wichtiger war denn auch der Einbau eines neuen Radios. Verbaut wurde das in Youngtimer-Kreisen ausgesprochen beliebte Becker Mexico, das sich nicht nur durch seinen stilechten Look, sondern auch durch eine überzeugende Empfangsqualität auszeichnet. „Der Diplomat hat eine Scheibenantenne und zeitgenössischen Radios haben hier immer Empfangsschwierigkeiten gehabt, mit dem Becker hat man da keine Probleme mehr“, freut sich Kielmann.

Perfekter Sound aus dem Picknickkorb
Hochwertige Lautsprecher in den Originalausschnitten der Türverkleidungen sorgen dafür, dass der Empfang zudem auch klanglich optimal ist. Ein Subwoofer im Kofferraum trägt dazu übrigens spür- und hörbar bei. Und weil ein moderner Basswürfel im Heck eines Opel Diplomat nicht wirklich schick ist, haben Kielmann und seine Mannen den Tieftöner in einem Picknickkoffer versteckt. Der ist mit Klettverschlüssen am Kofferraum fixiert und kann unproblematisch verschoben werden. Steckverbindungen ermöglichen es zudem, den Picknickkoffer (selbstverständlich auch mit Tellern und Besteck ausgestattet) daheim zu lassen, sollte der Stauraum in voller Größe benötigt werden.


Nettes Asseccoires - Sunwoofer im Picknickkorb

Ein völlig neuer Dachhimmel sowie das erneuerte Vinyldach sorgen ebenfalls dafür, dass der große Opel quasi fast wieder wie neu da steht. Klar war zudem, dass das vom Vorbesitzer bevorzugte Feuerwehrrot nicht die angemessene Lackierung für einen V8-Diplomaten sein kann. Theoretisch wäre natürlich das originale Metallic-Grün in Frage gekommen, das sich bei den Karosseriearbeiten überall zeigte. Da der Opel-Oldie allerdings als Hauptpreis in dem Gewinnspiel aus Dets Info-Werkstatt verlost wird, war ein starkes Blau eine klare Sache. Passt einfach besser zu Aral. Ausgewählt wurde das Spectralblau 270 aus der Farbpalette von Opel. „Ich hab mir nicht vorstellen können, dass dieser Farbton, den man von Astra, Omega & Co. kennt, bei einem kultigen Diplomat wirkt. Aber ehrlich – der V8 sieht in dieser Lackierung hammermäßig aus!“, bekräftigt Jens Kielmann die Wahl. Und tut sich ausgesprochen schwer, das Schmuckstück wieder aus der Hand zu geben.

Aber nichts da! Ab Dezember wird der Diplomat, der nun einen Wert von rund 25.000 Euro repräsentiert, einen neuen stolzen Besitzer haben. Und wer das Chromjuwel live sehen möchte, kann Ende November nach Essen fahren. Denn vom 27. November bis zum 5. Dezember wird der Cruiser dort zu sehen sein.
 

Macher, Helfer und Helfershelfer
Jens Kielmann hat das Handwerk von der Pike auf gelernt. Seit Anbeginn prägte ihn zudem die Leidenschaft für die Marke mit dem Blitz. „Ich habe schon immer ein Faible für die Rüsselsheimer gehabt und deshalb bin ich zur Lehre auch direkt nach Opel gegangen“, erklärt er im schönsten Ruhrpott-Dialekt. Und auch einen Diplomaten wollte er unbedingt haben. 1986 war es dann soweit. Ein 77er-Sechszylinder 2,8 E wurde es! Den Start in die Selbstständigkeit wagte er als Reifenhändler. Zwar restaurierte er parallel dazu bereits Youngtimer, hatte auch reichlich Kontakte zu den Opel-Clubs im Ruhrgebiet. Mit Volldampf läuft das Restaurierungs-Business seit diesem Jahr – drei Hebebühnen und eine große Halle bieten beste Rahmenbedingungen. Verstärkung könnte der Breckerfelder allerdings schon gebrauchen. „Es ist schwierig, gute Leute zu finden, denn die meisten können gar nicht auf Blech arbeiten, weil sie es nie gelernt haben. Heute gibt es fast nur noch Teiletauscher“, bedauert er die aktuelle Ausbildungssituation.

Auch sonst ist auf dem Gelände in Breckerfeld eine Menge Unterstützung geboten. Direkter Nachbar von Kielmann ist der auf US-Motoren spezialisiert Betrieb AMI, der sich der Corvette-Maschine mitsamt ihrer Nebenaggregate angenommen hat und für die perfekte Überholung sowie Abdichtung sorgte. Ebenfalls Nachbar von Jens Kielmann ist DB Carperformance, Spezialist für Car-Entertainment und Alarmanlagen. Die Jungs um DB kümmerten sich um den perfekten Einbau des Becker Mexico und sorgten auch dafür, dass der Picknickkoffer gut vibriert.

Seit rund 25 Jahren arbeitet Jens Kielmann mit dem Karosserie- und Lackierzentrum Vonthron in Hagen zusammen. „Ich kenne Andreas, seit er Lehrling war. Wir teilen die Liebe zum Detail und die Autos sehen immer super aus“, lobt er Andreas Vonthron, der im Laufe der Jahrzehnte auch alle Privatfahrzeuge von Jens Kielmann unter die Spritzpistole nahm.

Industrielle Sympathisanten
Das ambitionierte Diplomat-Projekt wurde zudem von diversen Partnern aus der Industrie unterstützt. So lieferte den Werkstattbedarf sowie Montage- und Befestigungsmaterial beispielsweise Förch aus dem schwäbischen Neuenstadt. Das Unternehmen, das 1963 als Schraubenhandlung startete, gehört mittlerweile zu den großen Ausrüstern in Bau-, Metall- und Kfz-Handwerk. Das voll digitalisierte und mit modernster Technik wie Bluetooth, Navigation und Kartenleser ausgestattete Autoradio im Retro-Look des legendären Becker Mexico stiftete die Harman Automotive Division. Die Pneus in der zeitgemäßen und dem Diplomat ausgesprochen prächtig zu Gesicht stehenden Dimension 235/50 R17 stellte der traditionsreiche Technologie- und Reifenanbieter Continental aus dem niedersächsischen Hannover. Und Kielmanns Meisterstück können alle Opel-, Diplomat- und Youngtimer-Fans vom 27. November bis zum 5. Dezember auf der Essen Motor Show einer gründlichen Musterung unterziehen. Viel Spaß dabei...

 

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Tipptopp restauriert: Der spectralblaue Diplomat V8 ... (36 Bilder)
Blick unter die Karosse, nachdem der Motor eingebaut wurde Das Ergebnis - ein super restauriertes Fahrzeug Der Chevy Small Block musste für den Diplomaten umgebaut werden Der Motor wird für die Hochzeit vorbereitet Der neue Motor ein Chevy Small Block Der Opel wurde vollständig gestript Design im Retrolook - Technik erste Sahne, das Nostalgie-Radio Mexiko von Becker Die auffällige rote Farbe ist typisch für die Chevymotoren, die europaweit bei Opel verbaut wurden Die Elektzrik wurde komplett erneuet
 




Autor: Carsablanca (MarktBeobachter) am 12.10.2010


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webmatze
webmatze 13.10.2010

Kommentar zum Bild:

Coole Idee mit dem Picknickkorb. Hoffentlich zerspringen da nicht die Weingläser, wenn man mal ein wenig aufdreht. :)