Projekt Shiguli – der Motor ist dran

Neues in Sachen Ostblocktuning: eine Replika des legendären Ostblock-Rally-Renners Lada 1600 MTX entsteht nicht am Schreibtisch allein. Also schwingt Michail Hengstenberg endlich den Schraubenschlüssel – und entdeckt dabei Beunruhigendes …

Projekt Shiguli – der Motor ist dran

Seit einiger Zeit schon hatte ich in meiner Werkstatt einen auf ebay für kleines Geld ersteigerten Lada Niva-Motor stehen. Technische Eckdaten: 4 Zylinder, 1,6 Liter Hubraum, ungefähr 80 PS, eine Verdichtung von 8.5:1. Augenscheinlicher Zustand: Ein Ölklumpen. Trotzdem reichte die Phantasie dank intensiver Netz-Recherche für die Vision, aus genau diesem Ölklumpen ein Triebwerk mit ungefähr 160 PS zu machen, das den Shiguli in etwas mehr als 7 Sekunden von null auf hundert beschleunigen würde. Triebwerk? Treibsatz! Ungefähr so wie auf diesem Bild links sollte mein Motor am Ende auch aussehen (obwohl ich mir noch nicht sicher bin, ob tatsächlich die Doppelwebervergaser zum Einsatz kommen).
Und so sah mein Motor aus. Ein weiter Weg? Keine Frage.

Als Autodidakt und Novize bezahlt man ja bekanntlich immer Lehrgeld. Klar, dass auch ich bei meinem ersten richtigen Motor erstmal schön abdrücken dürfte: Weil ich eine Befestigungsschraube der Ansaugspinne übersehen hatte, konnte ich diese partout nicht vom Zylinderkopf trennen – auch nicht mit Hilfe eines Schraubenziehers, den ich als Hebel zwischen Zylinderkopf und Ansaugbrücke ansetzte. Das hätte ich besser nicht getan, denn als ich die Schraube endlich und gelöst hatte und mir die Ansaugbrücke plötzlich entgegen fiel, lachte mich darunter eine hässliche Vertiefung in der Dichtfläche an, die ziemlich genau dem Durchmesser des Schraubenziehers entsprach.
Gemäß dem Motto Mund abwischen, weitermachen, sicherte ich mir die Hilfe meines Sohnes, der würde im Zweifelsfall weniger verkehrt machen als ich, und im Nu war der Motor auf dem Haken.

Schwungscheibe, Kupplung und Schmutzfangblech abmontiert … (wirklich verölt, der Motor)

 

 … und schon war der Motor auf den Ständer geschnallt. Hatte ich schon erwähnt, dass der Motor ziemlich verölt war? 

 

Lehrgeld, Level 2: Nach fest kommt ab. In diesem Fall trift mich aber keine Schuld – der Bolzen war durch die Wasserpumpe verdeckt, ich hätte ihn so oder so abgerissen. Mithilfe einer aufgeschweißten Mutter war aber auch dieses Problem schnell gelöst. 

 

Der abmontierte Ventildeckel gibt den Blick frei auf das wahrscheinlich kugelsicherste Konzept zur Ventilsteuerung, das jemals erdacht wurde: obenliegende Nockenwelle, durch eine Kette angetrieben. Geöffnet werden die Ventile über Schlepphebel. Dieses Set-Up ist vor allem deshalb so genial, weil sich Modifikationen, zum Beispiel ein Planen des Zylinderkopfs oder ein Umschleifen der Nockenwelle ohne größere Folgemodifikationen durchführen lässt … 

Der Ventildeckel selbst sah nicht mehr so gut aus …

 … also habe ich ihn abgeschliffen …

… und grundiert. Welche Farbe er einmal später haben soll, steht noch nicht fest. Vorschläge werden entgegen genommen!

Die Nockenwelle samt Nockenwellenkasten war schnell abgenommen. Wirklich, ein Traum, dieses OHC-Konzept.

Dann … dann waren die Ventilfedern dran. Erst wollte ich es mit diesem Werkzeug versuchen, dann habe ich mich für eine andere Methode entschieden. Eine passende Nuss mit entsprechender Verlängerung auf den Federteller gesetzt, ein paar Mal kräftig mit dem Hammer drauf gekloppt und schon war die Feder frei. Das hört sich brutal an, ist aber eine auch bei professionellen Motorenbauern gängige Methode. Man muss nur aufpassen, dass sie Ventilverschlüsse, diese kleinen Keile, nicht durch die ganze Werkstatt fliegen … haben sie aber in meinem Fall nicht getan.

Et Voilà: Zylinderkopf …

… und Motorblock waren getrennt. Das Beste dabei: Obwohl der Motor von außen nicht besonders gut aussah, konnte er mit inneren Werten glänzen und das durchaus im Wortsinn. An den Zylinderwänden konnte ich ganz klar und deutlich den Kreuzschliff noch sehen, ein Indiz für einen guten Zustand des Motors. Einzig und allein die Vertiefungen in den Kolben und deren relativ niedrige Position in den Zylindern beschäftigen mich seitdem. Nicht dass damit etwas nicht in Ordnung wäre, nur: um mein 160 PS-Ziel zu erreichen, brauche ich eine höhere Kompression – keine tiefsitzenden Kolben mit Vertiefungen. Doch das ist wieder eine ganz eigene Geschichte.

Zu guter Letzt machte ich noch eine recht unerfreuliche Entdeckung: Den Beruhiger der Steuerkette zerschmettert auf dem Boden der Ölwanne zu finden, ist nicht besonders beruhigend.

Ich hoffe mal, es ist nichts Ernstes.




Autor: Michail Hengstenberg (440satellite) am 29.05.2008


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Gordini
Gordini 20.03.2008

Hallo, ein tolles Auto und ein tolles Projekt, nur sollte man die gewünschte Leistungsausbeute dieser Maschine etwas nüchterner betrachten!

Mit motorsportlichen Grüßen

Christoph

francoforte
francoforte 20.01.2008

Faszinierendes Projekt. Diese Phantasie....