Projekt Shiguli

Wie geht eigentlich Ostblock-Tuning? Kann aus einem Lada-Niva-Motor mit Ackergaul-Qualitäten auch ein Rennpferd werden? Antworten auf Fragen wie diese gibt ab sofort Michail Hengstenberg bei seinem Projekt Shiguli

Projekt Shiguli

Ein Leben ohne Auto-Projekt? Für mich inzwischen undenkbar. Andere Leute gehen zum Sport, ich muss mindestens einmal in der Woche in meine Werkstatt, dreckig werden. Leider gibt mein bisheriges Projekt-Auto, der 1972er Plymouth Satellite, in der Hinsicht nicht mehr viel her. Außer kosmetischen Kleinigkeiten gibt es kaum noch etwas zu tun (über die wenigen Dinge, die es noch zu tun gibt, werde ich dann an dieser Stelle berichten). Und was dieser Mangel an Aufgaben heißt, kann jedermann auf der Droge Autoschrauben nachfühlen: kalter Entzug.

Es musste also etwas Neues her. Nur was? Es sollte sein: Schnell. Günstig. H-zulassungsfähig. An den letzten beiden Hürden war mein in Gedanken öfter mal durchgespieltes Lada-Projekt bisher immer gescheitert. Vor zwei Jahren hatte ich für 500 Euro auf Ebay einen 1976er Lada 2101 gekauft, einen so genannten Shiguli. Ihm wollte ich einen Zweiliter DOHC-Motor aus dem Fiat 124 Spider einpflanzen und diesen dann auf 150 PS peitschen. Wie gesagt, ein Projekt, dass mit Sicherheit nicht den Segen einer historischen Zulassung erhalten würde, teuer wäre es außerdem.

Darüber hinaus gab es an meinem Plymouth zu dieser Zeit immer noch genug zu tun, so dass ich kein neues Projektauto brauchte. So fristete der Shiguli die letzten zwei Jahre sein Dasein als Familienauto. Nicht schlecht, aber auch nicht aufregend.

 

Aufbohren vor dem EInschlafen 

Dann machte ich mich vor ungefähr 2 Monaten, als klar wurde, dass am Plymouth wirklich nichts mehr zu tun war, an die Recherche. Was, wenn ich den Fiat-Umbau streichen würde? In einer Kurzschluss-Handlung hatte ich für 50 Euro einen 1600er Motor aus einem Lada-Niva ersteigert. Wie würde der sich im Shiguli machen? Günstig war er auf jeden Fall schon mal und auch mit der H-Zulassung sah ich größere Chancen. 

Also: weitere Recherche. Und siehe da: bereits Mitte der 70er hatte der tschechische Tuner MTX Rennversionen des Shiguli gebaut. Oha! Und Mann, sahen die gut aus! Weitere Recherchen ergaben: zwischen 120 und 150PS erreichten die MTX-Renner je nach Gemischaufbereitung mit dem 1600er Lada-Motor. Das war doch recht ordentlich, wenn ich am unteren Ende –  also bei 120 PS – landen würde, bei einem Fahrzeuggewicht von unter einer Tonne vollkommen ausreichend.

Seitdem bin ich angefixt. Der Plan nimmt Formen an: Der Nachbau eines Lada MTX, dem Stolz der sowjetischen Rally-Szene, was für ein Projekt! In Gedanken bearbeite ich abends vor dem Einschlafen schon die Einlass- und Auslasskanäle des Lada-Motors. Räume die Innenausstattung aus, um das Fahrzeug leichter zu machen. Optimiere das Fahrverhalten mittels Tieferlegung und Sportfahrwerk.

 

Ab in den Osten

Das Problem: fast alles in Sachen Lada und Motorsport spielt sich in Ungarn bzw. Tschechien ab. Das mag zwar Vorteile haben wenn es um die Kosten für Tuningteile geht, die Kommunikation erleichtert es nicht gerade. Trotzdem: die ersten Kontakte sind hergestellt, die einige Mails mit einem ungarischen Motorsport-Tuner bereits ausgetauscht. Und genau genommen ist es natürlich auch interessant, sich nach 4 Jahren Benzin-Gesprächen mit Amerikanern nun auf das genaue Gegenteil einzuschießen.

 


Man könnte auch sagen: Jetzt ist eben der Osten dran. Ich freue mich schon auf die Menschen, die ich kennen lernen werde. Heute habe ich eine Mail an die auf der Homepage angegebenen Kontaktadresse von MTX gesendet – mal schauen, was passiert.




Autor: Michail Hengstenberg (440satellite) am 29.05.2008


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