Der Fund eines Opel Commodore und dessen Wiederauferstehung...

Alles begann 2004 beim Autoteilehändler meines Vertrauens mit einer beiläufigen Bemerkung von mir: Ich hätte mal wieder Lust auf etwas Schönes, Altes zum Fahren!
Der Fund eines Opel Commodore und dessen Wiederauferstehung...
Die verschlungenen Wege des Commodore

Es standen für mich einige Fahrzeuge zur Auswahl, unter anderem auch der Commodore A aber eigentlich nur als ungemochte, zweitürige Limousine.
Er wüßte aber von einem, der vielleicht etwas Passendes für mich hätte und gab mir die Telefonnummer von jemandem, der in der Nähe wohnte und noch ein Commodore A Coupé sein Eigen nannte. Naja, dachte ich, erst einmal eine Nacht drüber schlafen, bevor ich voreilig entscheide und mich mal wieder in ein unkalkulierbares Abenteuer stürze. Am nächsten morgen, war die Geschichte für mich schon abgehakt, von wegen: kein Platz, viel Arbeit, das Geld könnte man doch schön sparen, usw...

Ungeahnte Folgen

Was ich damals noch nicht wusste, war die Tatsache, dass meine Vertrauensperson den Besitzer des fraglichen Fahrzeugs anrief und ihm meine Telefonnummer gab. Prompt rief der mich an und meinte, ich müsse mir das Auto unbedingt ansehen. Zwar sei das Auto teilzerlegt und einige Schweißarbeiten ständen noch an, aber die Substanz sei richtig gut  und ausserdem hätte der Opel eine klasse Historie.
Gut, dachte ich, ich kann ihn mir ja mal anschauen. (Das ist immer problematisch bei mir, da meine Vernunftzentrale bei Gefallen immer regelmäßig aussetzt…)

Aug in Aug mit der Misere

Da stand er nun, der alte Commodore, er hatte keine Kotflügel mehr, eine A-Säule, beide Lampentöpfe, ein Radlauf und der untere Teil vom Windleitblech vorn schon knusprig gerostet. Der Innenraum war zerlegt und die Einzelteile im ganzen Haus verteilt und zudem war nur der normale 2,5er Vergasermotor unter der Haube. Das Auto hatte dafür eine geniale Farbkombi, obwohl ich eigentlich keinen weißen Opel haben wollte.
 
Was mich für den Commodore einnahm...

Dafür war der Preis sehr gut.
Der Besitzer zeigte mir die Innenausstattung: Keine Risse, keine Löcher, keine Verfärbungen, nichts… Und dann gab er mir die Papiere in die Hand – brauner Pappbrief – Scheckheft – und alles was noch dazugehörte! Ein Traum!
Da war es um mich geschehen: Erste Hand! Scheckheft gepflegt! 29.000 Kilometer auf dem Tacho! Seit 94 abgemeldet! Eine irrwitzig geringe Jahreslaufleistung zwischen den Inspektionen von nur 2.500 Kilometern!
Ich tat, was jeder vernünftige Mensch an meiner Stelle getan hätte, ich liess das Sparen Sparen sein und griff zu!
 
Ohne Vitamin-B geht gar nichts

Ein guter Kumpel von mir bot mir einen Platz zum Restaurieren in der Klassik Manufaktur an, um das Auto in Ruhe fertig machen zu können, das war natürlich Klasse!
Zunächst wurde das Auto zerlegt, um die Schweißarbeiten vernünftig erledigen zu können, einige Bleche gab es noch aus dem Zubehör, deren Paßgenauigkeit und Formentreue ließen aber stark zu wünschen übrig, sie dienten als Vorlage und wurden nachhaltig bearbeitet, andere Bleche, wie z.B. die für die Lampentöpfe musste ich selbst anfertigen.
 
Es geht ans Eingemachte

Die Achsen und  der Rest des Fahrwerks wurde zerlegt, gestrahlt, mit Zinkgrund behandelt und seidenmatt-schwarz Pulverbeschichtet, es sollte ja schließlich kein Papageienauto werden und Unterboden-Pornos wollte ich auch keine drehen.
Ich entschied mich – für manche ist das ein Frevel, ich finde es hingegen gut – die Technik auf einen moderneren Stand zu bringen und dabei dem Motor ein wenig mehr Leistung zu spendieren, sowie das Auto dezent mit zeitgenössischem Zubehör aufzuwerten.
 
Besser als zuvor: Das Fahrwerk

Als erstes wurde das Fahrwerk angepasst: Neue Bilstein Gasdruckdämpfer und neue Buchsen, das ist eh klar.
Dann war der Antriebsstrang an der Reihe, es wurde für dünnes Geld ein Monza A2 GSE gekauft und – für viele der nächste Frevel – erbarmungslos geschlachtet. Der Kabelbaum, der Motor, die Benzinpumpe, das große Getrag 5-Gang Getriebe und viele Kleinigkeiten behielt ich, die Innenausstattung, Felgen und eine Menge Kleinkram wurden verkauft!
 
Der Commodore bekommt ein starkes Herz

Der Motor würde komplett überholt und mit allem aufgebaut, was es an neuen Teilen gab. Bei der Gelegenheit wurden der Kopf und viele weitere Kleinigkeiten optimiert, so dass ich die jetzige Leistung der Maschine auf ca. 190 – 200 PS schätze. Das Getriebe bekam nur neues Öl und neue Simmerringe.
Aber gerade das Getriebe erwies sich als die größte Herausforderung! Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, die Karosserie nicht unnötig zu verändern und nicht mehr Löcher als nötig zu bohren, daher sollte der Schalthebel unbedingt an der originalen Stelle aus dem Getriebetunnel ragen!
 
Zwei harte Gegner: Kabelbaum und Schaltung

Beim Kabelbaum erwies es sich als Vorteil, dass mein Auto Baujahr Mitte 70 ist, also ab Fahrgestellnummer/ neudeutsch: Facelift. Denn da war schon der GS/E schon zu haben und die Karosserien hatten schon die gesamten Öffnungen für den neuen Steuergerätekabelbaum und vieles mehr!
Aber zurück zum Getriebe: mit einem befreundetem Konstrukteur wurde eine Umlenkung für den Schalthebel entworfen, damit der Hebel Richtung Glocke wandern konnte, da das Getrag doch um einiges länger ist als das originale 4-Gang Opel Getriebe! Bei der Kardanwelle stellte sich das Opel Baukasten-System als großer Vorteil heraus. Alte Welle raus – überholte Automatikwelle rein!

Wer schnell fährt, muss auch schnell anhalten können

Die Bremsen wurden gemäß des Umrüstkatalogs von Opel umgebaut: Die Sättel wurden verbreitert sodass innenbelüftete Scheiben vorn und hinten hineinpassten die auch größere Radbremszylinder erhielten. Bremsdruckminderer kamen zum Einsatz, sämtliche Schläuche und Verschleißteile wurden selbstverständlich erneuert.
Dann wurde noch eine Menge Zubehör verbaut: nagelneue originale Sportstahlfelgen, ein nagelneuer, originaler Drehzahlmesser, Zusatzinstrumente vom GS, Doppelrohrauspuff vom GS, Holzlenkrad und weitere Kleinigkeiten.

Fast fertig bis auf den letzten Schliff

Bei der Innenaustattung genügte eine gründlich Reinigung. Auf ein Radio verzichtete ich, da ich keine Lust hatte irgendwelche Löcher in den Innenraum zu schneiden und auch noch eine originale Holzblende für den Radioschacht besaß.
Soweit gefällt mir das Ergebnis ganz gut, auch wenn es immer noch ein paar Details zu verbessern gilt, aber es wäre ja auch langweilig, wenn das Auto sofort perfekt dastünde!

Danksagung

Einen herzlichen Dank an alle die mir mit Rat und Tat zur Seite standen, speziell möchte ich mich bei der www.Klassik-Schmiede.de und der www.Meilenstein-Classic.de bedanken und natürlich der www.Klassik-Manufaktur.de



Autor: Mark Lange (alterElch) am 18.01.2010


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Diskussionen


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martin914sechs
martin914sechs 23.02.2011

Spannende Story, erinnert mich an meine 911er Restauration....

depedro
depedro 23.02.2011

Moin, warum verkaufst Du den jetzt?

elklover
elklover 01.12.2009

Ich find den Opel echt gut. Und er sieht real noch viel besser aus als auf den Bildern. Wobei die so einen Südsee-Touch verbreiten. Könnte aber auch heute morgen am Jadebusen fotografiert worden sein. Der Sonnenaufgang war ja echt Schw....kalt. Aber n digger Motor hat ja auch ne digge Heizung ;-)

Also immer schön heizen, egal mit wieviel PeSen....

stefano1966
stefano1966 01.12.2009

Toller Bericht über Dein Traumauto! Super!

Ich finde ein Update des Motors mit zeitgenössischen Massnahmen okay sofern man davon nicht sieht. Mit "nichts" meine ich: nichts, was nicht damals schon erhältlich gewesen wäre.

Zum Thema Radio: bei einem meinem 67er Olds Vista Cruiser hat der Vorbesitzer auch ein modernes CD-Radio im Handschuhfach verstaut. Die Lautsprecher sind unter den Sitzen versteckt, bedient wird per Fernbedienung. Frevel? Ich kann damit leben. Besonders, weil das originale AM-FM-Radio noch drin ist.

MEILENSTEIN-Classic
MEILENSTEIN-Classic 30.11.2009

Moinsen.....wir kennen ja nun mal den Wagen und dessen Wiederauferstehung..... Es ist wirklich einer besten Opels die unterwegs sind..... er wurde wirklich komplett und von Grund auf neu aufgebaut...... Das er durch den anderen Motor & Getriebe einfach besser fährt finde ich nicht weiter schlimm, zumal er jetzt merklich mehr Dampf hat und zu allem Überfluß auch noch "ZUVERLÄSSIG" ist..... wer AltOpel mag wird diesen Wagen lieben.....

Er wird auch im nächsten Jahr auf der einen oder anderen Rallye mitfahren, u.a. die www.youngtimer-rallye.de wo www.carsablanca.de der Hauptsponsor ist eine Menge mit arrangiert..... Munter bleiben..... Mark

Xaver
Xaver 28.11.2009

Mit dem Vinyldach, schneeweiss mit dezentem alu-chrom unten rum sieht der Commo echt toll aus!

Es ist DEIN Auto, und Du hast ihn Dir persoenlich angepasst. Ich wuensche Dir viele tolle Ausfahrten, schnell oder gemuetlich...

Ich hoffe, dass ich irgendwann in absehbarer Zukunft meinen '67er Commo vom Dornroeschenschlaf wiedererwecken kann...

Herzliche Gruesse und gute Fahrt aus Virginia!

Gentleman-Driver
Gentleman-Driver 27.11.2009

hallo,

Hut ab an Alle, die sich an solche Projekte herantrauen und umsetzen.

Vor alle, so ein Projekt bis zum Ende bringen und nicht irgend wann auf der Strecke kapitulieren.

Ich möchte niemandem zu nahe treten, es kann jeder mit seinem Eigentum tun und lassen was er gerne möchte. Doch 2 Punkte gefallen mir überhaupt nicht.

Zum Einem: Hier wird auf ein Radio verzichtet um keine weiteren Löcher bohren zu wollen bei Beibehaltung der mit Holzdekor versehenden Radioblende. Ist so alleine gesehen OK, wobei der originale Lautsprecher von unten im Amarturenbrett befestigt wird und keine Bohrungen vorsieht.

Zum Anderem: Hier Motor- und Getriebetechnich in eine andere Zeit/ Modell gegriffen wird. Dann dazu noch sogenanntes "Motor-Tunning", Optimierung vorgenommen wird. So ein Widerpruch in sich und Verstümmelung des Technischen Kulturgutes eines solchen Originals!

Sorry, nein, das passt überhaupt nicht.

Vor allem wenn ich einen "ORIGINALE COMMODORE" mit nur 29.000 km habe.

Sich dann noch brüsten: "Mit weiteren Kleinigkeiten ........ 190 - 200 PS geschätzt"!

Wer sich mit den 30 E Motor auskennt, weiss, dass die NIE die angegebenen 180 PS werksmässig hatten. Sondern nur um die 156 PS. Diese Leistungssteigerungsangabe bedeutet rund 20 - 25 % an mehr. Wer's glaubt, kommt auch in den Himmel. Wenn, hätte mindestens der C30 NE Motor verbaut werden müssen um dort hin zu bekommen Diesen wiederum gab es nicht im Monza GSE.

So schön und dankenswert es ist, so einem Auto wieder ein Leben zu geben, so viel Geld investiert, gepaart mit Zeit und Liebe für die Sache. Es dann so stümperhaft mit unüberlegten Umbauten doch wieder zu einer Leiche führt indem der schöne Commo es nie zu einer H-Zulassung bringt ist für mich nicht nachvollziehbar.

Es ist meine subjektive Meinung dazu, basierend das ich von Kindheit her mit Opel und 6 Zylinder-Modellen groß wurde und heute noch nach mehr als 5 Jahrzehnten einen von diesen fahre.

Trotzdem wünsche ich dem Besitzer viel Fahrspass und beulenfreie Zeit.

Gruss