Das Winterprojekt: Dämmung für den Satellite

Winterzeit, Werkstattzeit. Getreu diesem Motto nähert sich Michail Hengstenberg seinem 1972 Plymouth Satellite in den kommenden Wochen mal wieder mit grobem Gerät und der heiligen Mission, Details zu verbessern. Ein Foto-Roman zum Mitfiebern
Das Winterprojekt: Dämmung für den Satellite

Dies ist die Geschichte eines Blind Date mit Folgen, einer Liebesbeziehung, die viel Arbeit erfordert, quasi eine Paartherapie mit undendlich vielen Sitzungen. Es begann alles an einem lauen Januarabend 2002, an dem ich auf dem Flughafenparkplatz von Mobile, Alabama, mein Baby entgegen nahm: einen 1972er Plymouth Satellite. Ich hatte den Wagen nie zuvor gesehen, außer auf Bildern.

Ich hatte ihn quasi blind auf ebaymotors.com gekauft. Und wie das so ist mit Autos, die man vor dem Kauf nicht besichtigt, stecken sie voller Überraschungen. Ein paar von ihnen erlebte ich bereits auf der Überführung von Alabama an die Ostküste, (Überraschung gefällig? Hier geht’s zur langen Version in meiner Blechgeschichte), alle anderen Überraschungen überfielen mich dann im Laufe der Zeit hier in Deutschland – und machten meinen Plymouth Satellite, von dem ich irrtümlicherweise angenommen hatte, er wäre perfekt, eine so genannte „Rolling Restauration“.

Nicht Auto sondern Aufgabe 

Immer wieder gab es Dinge zu reparieren und je mehr ich schraubte, desto mehr gefiel es mir. Inzwischen ist der Satellite schon lange kein Auto mehr, er ist ein Projekt. Ach was, er ist ein Zustand. Und ich von meinem Anfangs noch pragmatischen Ansatz mindestens so weit entfernt wie die Verkaufsbeschreibung auf ebaymotors.com vom tatsächlichen Zustand des Fahrzeugs. Ein komisches Geräusch, das unbedingt diagnostiziert und abgeschaltet werden muss hier, ein kleines Leistungsloch, das am besten durch ein Leistungsplus zu ersetzen ist, da. An meinem Plymouth ist immer etwas zu tun, irgendetwas kann ich immer noch verbessern.

Diesen Winter wird verbessert: Die Geräuschdämmung im Cockpit (nicht vorhanden), die Steuerung der Heizung (Klappen festgerottet), das Armaturenbrett (aufgeplatzt von der unbarmherzigen Südstaaten-Sonne), der Kabelbaum (ein wenig zerrupft nach der Installation von Zusatzinstrumenten). Das Ziel: im März wieder die Straßen unsicher machen zu können.

Der Start: Noch ist alles zusammen

Die Ausgangslage: das etwas angerockte, aber zumindest noch vollständige Cockpit meines 1972 Plymouth Satellite Sebring.

 

Man kann ja über Ami-Schlurren sagen, was man will: Schrauberfreundlich sind sie auf jeden Fall. Die Mittelkonsole des Satellite war nach 5 Minuten draussen. Für die Mittelkonsole meines Mercedes 300SE müsste ich dagegen eher einen ganzen Tag veranschlagen. Ebenfalls fix draussen: die Sitze … 

 

Fotos wie diese zeige ich liebend gerne meiner Frau. Sie macht dann immer große Augen und fragt mich: "und das bekommst du wieder zusammen?" In einer Zeit, in der die Dinge immer weniger Sinn machen und einer Welt, in der immer weniger zusammenpasst, ist es sehr erholsam, sagen zu können: "Klaro. Ist doch nix los. Ist doch nur die Lenksäule, die draußen ist. Und die paar Kabel da, das ist der Kabelbaum, den wollte ich eh sortieren. Ein Tach Arbeit, dann ist dat allet wieder zusammen."

 

Tatsächlich nur 4 gelöste Schrauben später kommt meinem Freund und Helfer dann auch schon das Armaturenbrett entgegen. 

 

Dahinter: Ein bißchen Flugrost, asbestverdächtige Dämmwolle und der Wärmetauscher mit den festgerotteten Klappen. Hatte ich schon erwähnt, wie schrauberfreundlich diese amerikanischen Autos sind?

 

Total wichtig: Immer schön Fotos von allem machen. Und den Kabelbaum genau beschriften. Das erpart beim Zusammenbau später viel, viel Ärger.

 

So zeigt sich der Satellite aktuell. Was man nicht auf den ersten Blick erkennt: in diesen Unterboden sind schon gute 3 Stunden Putzerei und ein Waschgang mit Bremsenreiniger gegangen. Es folgen noch ein weiterer Waschgang mit Bremsenreiniger, ein abschließender Waschgang mit Entfetter und dann kann der Anstrich mit Rust Bullet kommen. Davon und dem anschließenden Verkleben der Dämmatte dann mehr in der nächsten Folge von "Das Winterprojekt".




Autor: Michail Hengstenberg (440satellite) am 29.05.2008


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Diskussionen


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wolfboettcher
wolfboettcher 19.06.2009

Hallo, Freund der amerikanischen Autos -

dein Beitrag ist begeisternd, der Schreibstil in keinster Weise schlechter als der vom legendären B. Busch, Kompliment.

Das Abenteuer Restauration spricht mich deshalb so an, weil ich zur Zeit einen alten, im Februar gekauften, Mini Cooper herzurichten versuche. Ebenfalls blind gekauft, haben sich beim näheren Hinsehen auf der Bühne doch erhebliche Macken feststellen lassen.

Diese - Richtung Technik, sowie die gesamte Optik, ob innen oder außen, gilt es, in nächster Zeit zu beheben.

Gerade dein Bericht von der inneren Restauration hat mein volles Interesse geweckt. Es sieht nicht nur toll aus, sondern - wenn es denn wirklich die gewünschte Wirkung hat - ist eine Superidee, die man vielleicht nach machen sollte. Wobei sich die Frage stellt, ob gut verpackt ( der Wagenboden), der bei allen Engländern nicht zu vermeidende Rost dann vielleicht nur überdeckt und somit auf Dauer übersehen wird?

Auf jeden Fall - weiterhin viel Erfolg - Gruß Wolf

rieder
rieder 14.02.2009

Klasse, wenn ich sowas nur auch könnte!! Habe scheinbar das "Falsche" gelernt?? Was nutzen mir beim Restaurieren Latein, Griechisch, Chemie und ähnliches "Zeug"!!? Manchmal würde ich gerne gegen 2 geschickte Händ tauschen. Freue mich schon auf die Fortsetzung und wünsche viel Erfolg!!

PS. Habe Dez. 08 einen Studebaker Hawk Gt 1963er gekauft und will ihn im März zulassen. Mal sehen, was mich dann erwartet. Immerhin hat er 2 Jahre deutschen TÜV!