Das Winter-Projekt: Fortschritte beim Satellite
Die Temperaturen steigen, die Sonnentage mehren sich – Zeit, dass das Winterprojekt auf die Zielgerade geht. Deswegen schraubte Michail Hengstenberg in den letzten Wochen mit Höchstgeschwindigkeit und bis tief in die Nacht – hier sind die Ergebnisse
Es gibt gewisse Arbeiten an einem Projektauto, die machen einfach keinen Spaß. Sie sind dreckig, mühsam und der Erfolg, das Geleistete, lässt sich auch nicht auf den ersten Blick erkennen.
Andere Arbeiten wiederum sind das genaue Gegenteil, man kann sie ohne Overall verrichten, kommt nicht sonderlich in Schweiß und vor allem auch spürbar voran.
In den vergangenen Wochen hatte ich beide Arbeiten vor der Brust. Zur ersten Kategorie gehörte ganz sicher die Vorbereitung des Innenraums für die Lackierung mit Rust Bullet und das spätere Verkleben der Raamat-Dämmmatte. Kleinere, von Oberflächenrost befallene, Partien des Bodenblechs wurden per Flex und Schruppscheibe gesäubert. Anschließend wurde der Innenraum zwei Mal komplett mit Bremsenreiniger und Stahlwolle-Schwamm entfettet und zu guter letzt ein weiteres Mal mit Silikonentferner durchgewischt.
Bei den Amis heisst im Zusammenhang mit solchen Arbeiten immer, mit ein bißchen "Elbow Grease" würde das schon gehen und ich kann nur sagen, selten fand ich eine Umschreibung passender. Aber vom Jammern wird das Auto nicht fertig, also durften sich meine quietschenden Ellenbogen-Gelenke beim Streichen des Innenraums mit Rust-Bullet erholen.
Zu Rust Bullet sei soviel gesagt: laut Produktinformation verbindet sich diese Rostschutzfarbe nicht sofort zu einem Film an der Oberfläche, sondern dringt durch die Rostporen tief ein bis sie auf das Blech stößt. Beim Aushärten umschließt Rust Bullet dann die Rostpartikel und trocknet sie in einer chemischen Reaktion aus, sodass eine feste, rostresistente Schicht entsteht. Hört sich auf dem Papier ganz sinnvoll an, wie es in der Praxis aussieht, werde ich frühestens in ein paar Jahren sehen. Zumindest eins steht fest: Der Innenraum sieht nun schon einmal deutlich appetitlicher aus als noch vor wenigen Tagen.
Und weil's so schön ist, gleich noch eins hinterher:
Das ist dann schon befriedigend, auch wenn der Innenraum natürlich jetzt noch weit von dem angestrebten Endzustand entfernt ist. Doch Angesichts eher ungemütlicher Temperaturen musste das Verlegen der Dämmmatten warten, die Butylmatten sind bei kalten Temperaturen deutlich unflexibler als bei höheren Temperaturen. Also wandte ich mich meiner Heizungsbox zu, die, wie man diesem Foto unschwer entnehmen kann, auch dringend ein bißchen Zuwendung vertragen konnte:
Tja, auch bei diesen Teilprojekt war Elbow Grease gefragt, denn bis das Teil in einem lackierfähigen Zustand war musste eine halbe Flasche Sprühreiniger und einige Scotch-Brite-Schwämme dran glauben. Und wenn man sich dieses Foto anguckt, ist auch klar, warum der Luftstrom aus der Heizung nur noch eine Richtung kannte und die Klappensteuerung ihren Dienst versagte:
Doch genau dass sind die extrem befriedigenden Arbeiten. Nach Einsatz des Dremels (ein Werkzeug, dass ich inzwischen sehr zu schätzen gelernt habe), Zinksprays, Rust Bullet und ein wenig Lack aus der Sprühdose sieht die Sache nach wenigen und am Ende vergleichsweise unanstrengenden Stunden nämlich so aus:
Herrlich, oder? Hier nochmal der Rücken …
Ich hatte insofern Glück, als dass keine der innenliegenden Teile beschädigt waren und auch die Vakuumdosen zur Steuerung der Klappen waren alle noch intakt. Ich musste nur den Dreck und Oberflächenrost mit der Drahtbürste (Dremel Galore!) entfernen und die polierten Vakuumdosen mit Zinkspray lackieren, schon sah die Sache wieder aus wie neu.
Zu guter Letzt widmete ich mich dem mit Anstand angenehmsten Teil: dem Zusammenbau des inzwischen bei der Pulverbeschichtung Nord beschichteten Armaturenbretts und dem Entwirren des Kabelbaums. A Propos angenehmes Arbeiten: es gibt nichts angenehmeres, als pulverbeschichtete Teile zusammenzubauen. Kein Dreck, kein Geschmiere, nein … es ist, als würde man mit Märklin Metall für Große spielen.
Und auch das Entwirren des Kabelbaums ließ sich sehr entspannt an. Dieses hier war die Ausgangslage:
Ein serienmässiger Kabelbaum, dem mit der Zeit die Strippen für ein Zusatzinstrument für Öldruck- , Ladestrom- und Temperaturanzeige, ein Drehzahlmesser und eine vernünftige Stereoanlage hinzugefügt wurde war. Da diese Dinge stets in den Kabelbaum gestrickt wurden, als dieser noch im Auto hing, ich also alle Modifikationen auf dem Rücken im Fußraum zwischen Lenksäule und Pedalerie und dem Kabelbaum vornehmen musste, war es mit der Liebe zum Detail bei der Verdrahtung nicht so weit her.
Nun, da ich den Kabelsalat wie auf einer Anrichte ansprechend vor mir serviert liegen hatte, ließ ich ein wenig mehr Sorgfalt walten. Statt die praktischen aber irgendwie auch schäbigen Crimp-Verbinder zu verwenden, verlötete ich so viele Verbindungen wie möglich, bevor sie unter Schrumpfschlauch versteckt wurden. Herumfliegende Kabel wurden gekürzt, eventuell sinnvoll zusammengefasst und dann per Kabelbinder in den Kabelbaum sortiert.
Das Ergebnis ist jetzt zwar nicht auf Anhieb für des Laien Auge absolut umwerfend, aber seid versichert: Hier hat jetzt alles seine Ordnung. Vor allem ist der Kabelbaum jetzt so strukturiert und an den entsprechenden Stellen mit Steckverbindern versehen, das ich das Armaturenbrett in Zukunft (sollte es nötig sein, ich hoffe nicht, knockknockknock) in einer halben Stunde demontieren kann.
Was man auf diesem Foto nicht sieht, weil das Armaturenbrett vorerst nur mit dem Gesicht nach unten liegen kann: Auch die Vorderseite mit dem Instrumentenbrett, den Lüftungsgittern und der Aramturenbrettabdeckung hat viel Liebe erfahren. Doch diese Bilder gibt's erst beim nächsten Mal.
Sie haben den ersten Teil von "Das Winterprojekt" noch gar nicht gelesen? Hier geht's lang.














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Diskussionen
Wie man sich doch hineinsteigern kann! ;-) Ja, wer erst einmal anfängt, der möchte es auch richtig machen! Das scheint mir gründliche Arbeit zu sein die Du geleistet hast, Respekt. Und: Kabelbaum - mein Schreckensthema! Wo führt was hin und warum ist jetzt hier kein Saft, obwohl ... ach hör doch auf!
Grüße von Jürgen