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Messerschmitt Kabinenroller: Mobilität für das Wirtschaftswunder

Der Messerschmitt Kabinenroller wurde einst von Fritz Fend aus der Not heraus geboren. Zwei Menschlein ein Dach überm Kopf zu bieten, wenns von A nach B geht.
Messerschmitt Kabinenroller: Mobilität für das  Wirtschaftswunder

München, Anfang Oktober, ein schickes Straßencafé - sagen wir mal, im Nobelviertel Schwabing. Dicke Autos mit reichlich Dampf unterm Blech sieht man hier reichlich, nach einem Porsche oder Jaguar dreht sich hier in der Außengastro keiner mehr um. Wie wäre es nun aber, es käme ein Messerschmitt um die Ecke gebohnert (RengDengDeng), würde mal eben die erlauchte Gesellschaft mit reichlich Zweitaktmischung einlauchen, um dann im rechten Winkel zwischen einen Aston Martin und einen Lambo zu stechen? Wäre das nicht einen Szeneapplaus wert?

Garantiert: und das stellt die Welt ein bisschen auf den Kopf, wurde der Kabinenroller doch einst von Fritz Fend aus der Not heraus geboren. Zwei Menschlein ein Dach überm Kopf zu bieten, wenns von A nach B geht - das war der Sinn des skurrilen Dreirads, das in den 50er Jahren seine heiße Zeit hatte, mit dem wachsenden Wohlstand jedoch ins Aus steuerte. Der Bundesbürger konnte und wollte sich nun einen Käfer leisten - und der war Anfang der 60er kaum teurer als eine Rollkabine. Die wanderte denn flux in die Presse (zu der Zeit hatten selbst Winzmobile noch genügend Blech am Leib, um für den Schrotti lohnend zu sein), oder wurde idealerweise irgendwo in einer Scheune vergraben. Meist reichten zwei Strohballen und eine alte Egge vollauf, um den einstigen Mobilitätstraum zuzumüllen.

Bis heute werden solche Scheunenfunde gemacht - und dann entweder restauriert oder als Patina-Blickfang gefahren. So oder so werden die erhaltenen Exemplare gut behütet, haben doch nur einige hundert Stück bis heute überlebt. Trotzdem bekommt man für 15.000 Euro schon richtig sahnige Exemplare - so man sich nicht in den sündteuren Tiger verkuckt, der mit knapp 20 PS urigen Fahrspaß verspricht - und hat damit mehr Aufmerksamkeit sicher als mit manchem Sternenkreuzer. Nicht nur in Schwabing.

Wer’s nicht glaubt, soll mal im Buch von Johnny Leyla blättern: deftig bebildert wird hier die Geschichte Fritz Fends und die Entwicklung seiner Konstruktion nachverfolgt. Vom einfachen Fortbewegungsmittel für Kriegsversehrte über den dreirädrigen, motorisierten Fend-Flitzer und den ersten Messerschmitt ‚KaRo’ bis hin zum vierrädrigen Tiger zieht sich der Bogen des lecker gemachten Buchs, das zudem mit einem Spitzenpreis punkten kann.

Johnny Leyla: Messerschmitt Kabinenroller. Mobilität für das Wirtschaftswunder. Komet Verlag Köln 2010, 144 Seiten, ca. 100 Farb- und sw-Abb., Format 21 x 27 cm, Hardcover, ISBN 978-3-89836-954-1, 9,99 Euro.




Autor: Carsablanca (MarktBeobachter) am 21.02.2011


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