Matthias Pfannmüller: Jaguar Coupés 1932-2007

„Das klassische Coupé verfügt über zwei Türen, ein festes Dach und viel Leistung. Es bietet relativ wenig Platz, ist dafür exklusiv, von eleganter Gestalt und vergleichsweise teuer“.
Matthias Pfannmüller:  Jaguar Coupés 1932-2007

Kürzer und treffender lässt sich  der Begriff  „Coupé“ kaum definieren. Und obwohl diese Definition als allgemeingültig gelten darf, trifft sie doch insbesondere auf jene Coupés zu, die von Anfang an eine Marke prägten, deren Eleganz erst in der heutigen Zeit als umstritten bezeichnet werden kann: Jaguar. Matthias Pfannmüller erzählt in seinem Buch „Jaguar Coupés 1932-2007“ die Geschichte der geschlossenen Zweitürer aus Coventry.

Sachlich und doch unterhaltsam tut er dies in seinem Buch, auch wenn der Untertitel „75 Jahre Luxus und Leidenschaft“ die Essenz einer Hingabe an klaustrophobisch enge und teure Wagen mit komplizierter Technik vermuten lässt. Ein gar nicht so falscher erster Eindruck: Außen in schlichtes Schwarz und Silber getaucht, wird der Leser sogleich von leuchtendem, leidenschaftlich rotem Vorsatzpapier empfangen. Auf geschmackvoll graubeige bedrucktem Papier beginnt Pfannmüller seine chronologische Darstellung mit einer Einführung in die Geschichte der Swallow Sidecar Ltd. und der daraus entstehenden Marke Jaguar, an deren Ursprünge jeweils William Lyons stand. Ausgerechnet das erste „eigene“ Auto der Marke, der S.S. One, entsprach nicht den ästhetischen Vorstellungen seines geistigen Schöpfers: Zwar hatte Lyons ein aufregend flaches „Fixed head coupé“ (FHC) gezeichnet, das mit seinen seitlichen Sturmstangen ein Cabrio vortäuschte, doch erkrankte er während der Umsetzung und fand sich nach seiner Rückkehr vor vollendete Tatsachen gestellt. „Als Lyons... ...frisch genesen in die Firma zurückkehrte, war er außer sich – der Prototyp schien ihm zu kantig, nicht wohl proportioniert und überhaupt – viel zu wenig galant!“, lässt der Text einen aufgebrachten Chef vermuten. Kein gelungener Start? Die Geschichte und die Kunden entschieden anders. Und Lyons entschied über eine neue Formgebung für die Serie 2, die im SS Airline mit seinem modischen Rundheck 1935 einen weiteren Höhepunkt markierte. Doch galt dieser per Definition nicht als Coupé. Trotzdem findet er Erwähnung in diesem Buch, das fokussiert, doch in seiner Darstellung nicht beschränkt wirkt -- auch wenn emblematische Publikumslieblinge wie der E-Type-Leichenwagenumbau aus „Harold and Maude“ fehlen.

Von der „Verhinderten Schönheit“ SS Jaguar 100 FHC geht es weiter über XK 120, 140 und 150, und natürlich E-Type und XJS bis hin zum modernen XK. Es werden keine grundsätzlich neuen Erkenntnisse geboten, „nur“ ein Kompendium aller jemals gebauten Jaguar-Coupés die sich vor dem Rahmen einer  Schilderung der allgemeinen Markenhistorie bewegen. Doch ist das ganze auch mit technischen Detailzeichnungen und -Fotos gespickt, die so manches „Aha-Erlebnis“ auslösen können: Von unten besehen kann so ein E-Type tatsächlich noch länger wirken – wenn er nicht vorher schmerzhaft bei einem Crashtest zusammengestaucht wurde, wie auf Seite 78 zu bewundern. Das Bildmaterial besteht hauptsächlich aus offiziellen Fotos, die zu einem großen Teil von Jaguar selbst und vom Jaguar Daimler Heritage Trust beigesteuert wurden – was der Sache im großen und ganzen aber keinen Abbruch tut.
Auch die Kreationen unabhängiger Karossiers kommen nicht zu kurz, und angesichts der Hüllen, die Pininfarina, Ghia, Bertone oder Zagato auf XK-Chassis schneiderten, stellt sich die Frage, ob Jaguars Originale wirklich so gelungen waren. Wie zur Entkräftung aller ketzerischer Gedanken steht hierzu der dogmatische Satz zu lesen: „Die Ausgewogenheit des Serien-Coupés blieb unübertroffen.“

„Jaguar-Coupés“ ist ein Buch, das von einer solchen Ausgewogenheit lebt. Kapitel für Kapitel steigert sich die Dynamik, nicht nur durch die Fahrzeuge selbst. Ungewöhnlich: In jedem Kapitel sind Fließtext und Bildmaterial in geschlossene Einheiten getrennt. Kann es gut gehen, den Text ohne Illustration darzubieten? Ohne Probleme, es funktioniert.. Mehr noch: Der Text wird zum Ruhepol für den Leser, bevor die Bilder ihre verführerische Kraft entfalten. 
In einem Wort: Ein intelligent gestaltetes Buch, das nicht nur ausgesprochene Jaguar-Fans im Regal haben sollten. Es braucht relativ wenig Platz, ist dafür exklusiv, von eleganter Gestalt – und dabei nicht mal teuer.

Matthias Pfannmüller: Jaguar Coupés: 1932 - 2007 - 75 Jahre Luxus und Leidenschaft.

Motor Buch Verlag 2008. ISBN: ISBN: 978-3-613-30609-7. Preis: 19,95 €

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Autor: Frederik E. Scherer (Fredo) am 22.12.2009


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