Le Mans
Start. Kupplung, Gas, vibrierende Nerven, vibrierende Glasfiberhüllen. Überschlag. Slow Motion, brachiale Beschleunigung. Sägende, kreischende Motoren. Sound on. Sound off. Flammenmeer. Im Pulsschlag der Fahrer drehen die Leichtmetallfelgen, hoffentlich ohne Haarrisse. Spannungen im Material, Zerreißproben zwischen den Charakteren: In “Le Mans” von 1970 fliegen Rennwagen und Erinnerungsfetzen der Protagonisten uns Zuschauern gleichermaßen um die Ohren. Ein Film aus einer Zeit, als das Ausmaß von Knautschzonen noch der Oberschenkellänge der Fahrer entsprach. Dazu der unvergessliche Sound der Porsche 917 und Ferrari 512 S Coda Lunga.

„What is so important of driving faster than somebody else?“, diese nur scheinbar einfache Frage kann im Jahr 1970 wohl nur McQueen als Rennfahrer John Delaney mit angemessener Aura beantworten – mit dem inzwischen legendären Satz „Racing is Life. Anything that’s happening before or after is just waiting.“ Und wenn Delaney aka McQueen im Sprühnebel der Erinnerung seinen 917 Choreographie-gleich in die Leitplanken schmettert, so hat er nach einem kurzen Moment durchzuckender Erkenntis bereits nur wieder Augen für die an ihm vorbeirasenden Kontrahenten – die Piste ist zwar wie die Bahre, glatt, eben und kalt, aber Delaney zieht es mit Macht und Feuereifer dorthin zurück.

McQueen ist nicht nur cineastischer Solist in dieser Motorensinfonie, sondern war auch deren entscheidender Dirigent. Nur der machtvollen Marketingstrategen wegen ließ Ko-Produzent McQueen eine verhalten hinter dem dokumentarischen Rennambiente zurücktretende Rahmenhandlung in den Film einfließen. Selbst ein umfassender Auto- und Geschwindigkeitsmaniac, setzte sich der Hauptdarsteller in einigen Szenen persönlich hinter das Steuer der zugigen GFK-Hauben namens Porsche 917. Dies war ihm zwar offiziell verboten worden, vornehmlich aus Sicherheits- und Versicherungsgründen, but who cares?
Freund und Vorbild Jo Siffert fungierte als Scharnier zwischen Filmcrew und den professionellen Rennteams, deren herausragendste Protagonisten – unter ihnen Derek Bell und Rolf Stommelen – eigens für nachgedrehte Szenen noch einmal an den Start gingen. Die authentischen Rennszenen aus der Fahrerperspektive erreichte man durch drei Kameras, die auf einem Porsche 908 befestigt waren. Ironie der Geschichte: Durch das langwierige Tauschen der Filmrollen während der Boxenstops fiel der regulär gemeldete 908 in der Wertung zurück – er hatte es bereits unter die ersten zehn Fahrzeugen geschafft.

Unglaublich dicht und hautnah geraten die Einblicke in das bis heute real existierende 24-Stunden-Spektakel von Le Mans, verbunden mit der einzigartigen Aura des Jahres 1970 und Darstellern wie Steve McQueen und Siegfried Rauch. Noch heute gilt ein Le Mans-Sieg mehr als eine gewonnene Weltmeisterschaft, den Franzosen ist ihr Spektakel heilig, sie machen ein großes Volksfest daraus. So werden besonders die wie beiläufig eingestreuten Dokumentarszenen aus dem Umfeld der Rennstrecke zum Erlebnis und zum retrospektiven Genuss: Da! Ein Renault 16! Dort! Ein Panhard 24 CT! Hier! Ein NSU TT!

Wer “Le Mans” noch nicht gesehen – ach, was: in sich aufgesogen – hat, ist selbst schuld.
Oder Ralf Schumacher-Fan.
Le Mans
Diesen Film jetzt bei Amazon bestellen










Diskussionen
Dies ist einer der wenigen "Ölfilme", die man mehrfach hintereinander weggucken kann. Immer wieder. Grandios die Aufnahmen während der Sekunden vor dem Start: einfach Gänsehaut-Feeling! Übrigens, wer hier Szenen vom klassischen "Le Mans Start" mit joggenden Männern in weißen Overalls mit Helm auf dem Kopf erwartet, ist fehl am Platze. 1969, kurz vor der Verfilmung hatte Jacky Ickx mit seinem Bummelstreik dafür gesorgt, dass das Prozedere aus Sicherheitgründen abgeschafft wurde. http://de.wikipedia.org/wiki/Jacky_Ickx
hier findet man einen trailer: http://www.youtube.com/watch?v=Ls08-F6I5Ss
den Film muss man gesehen haben ...
Ralf Schumacher-Fan - das kommt ja wie eine Beschimpfung rüber. Obwohl, wer den gut fand, hatte wohl ansonsten mit Rennsport nicht viel am Hut ;-D Le Mans und Steve McQueen - fantastisch!
Ein grandioser Film - zu einer Zeit , als es noch keine PC - Einblendungen gab . Indianapolis mit Paul Newman liegt auf dem gleichen Level . Dies war die Hoch Zeit der unbeschränkten Rennwagen . Wer sie nicht erlebt hat , weiß nicht was dort Sache war !